Universität Erfurt

Globalgeschichte des 19. Jahrhunderts

Kooperation

Forschungskooperation mit der Mekelle University (Äthiopien)

Blick auf den Campus der Mekelle University,
© A.Savin, Wikimedia Commons

Seit 2014 kooperiert die Professur für Globalgeschichte eng mit dem Department of History and Heritage Management der Mekelle University. Diese Kooperation wird inzwischen von Vielen getragen und umfasst Forschung und Lehre: Anfänglich waren es vorrangig an die Gothaer Sammlungen anknüpfende Studien zur Geschichte des 19. Jahrhunderts, inzwischen hat sich die gemeinsame Arbeit aber auch im Bereich der Zeitgeschichte intensiviert.

Für die finanzielle Unterstützung danken wir dem Internationalen Büro der Universität Erfurt und der Fritz Thyssen Stiftung – schließlich verbindet sich die Initiative eng mit dem Engagement ehemaliger Stipendiaten des Herzog-Ernst-Stipendienprogramms am Forschungszentrum Gotha.

2014

Am Anfang standen die außergewöhnlichen Bestände zur Äthiopienkartographie – ein bis dato weitgehend unbekannter Teil der Sammlung Perthes –, die Wolbert Smidt, Associate Professor in Mekelle, im Jahr 2014 als Herzog-Ernst-Stipendiat an das Forschungszentrum Gotha führten. In Zusammenarbeit mit Wolbert Smidt wurde das außergewöhnliche Potenzial der Gothaer Sammlungen rasch deutlich, bietet die Sammlung Perthes doch eine Fülle bislang kaum bekannter Quellen für die Erforschung der Geschichte des Horns von Afrika. Entsprechend zeichnete sich bald die Idee einer breiter angelegten Forschungskooperation ab.

2015

Im Frühjahr 2015 reiste Iris Schröder nach Mekelle zur Unterzeichnung eines Memorandum of Understanding. Diese offizielle Kooperationsvereinbarung, die zwischen der Mekelle University und der Universität Erfurt geschlossen wurde, sollte einen Rahmen für weitere Aktivitäten bieten. So verständigten sich die Beteiligten über die gemeinsamen Forschungsaktivitäten zur Kartographiegeschichte hinaus auch über einen Austausch von Lehrenden.

2016

Als Herzog-Ernst-Stipendiat kam 2016 Fesseha Berhe Gebregergis, Assistant Professor am Department of History and Heritage Management, ans Forschungszentrum. Seinen Aufenthalt nutzte er, um für sein Projekt „Research on Historical Maps to Examine the Developments of the Lowland-Highland Territorial Concepts in Northern Ethiopia with the Example of the Dobᶜa“ intensiv mit den Beständen der Sammlung Perthes zu arbeiten; darüber hinaus unterstützte er die gemeinsame Lehrveranstaltung von Wolbert Smidt und Iris Schröder zum „Heiligen Land in Afrika“, die ihren Schwerpunkt auf die Äthiopienkarten der Sammlung Perthes legte.

Überdies startete im gleichen Jahr das von Wolbert Smidt und Eloi Fiquet am Forschungszentrum Gotha verankerte Kooperationsprojekt „Kartographische Quellen und Territoriale Transformationen Äthiopiens seit dem späten 18. Jahrhundert“ (ETHIOMAP), das Forschende der École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS/Paris), der Mekelle University und der Universität Erfurt zusammenführt. Gefördert wird das Vorhaben durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die Agence Nationale de la Recherche (ANR).

Anknüpfend an diesen gemeinsamen Forschungszusammenhang nahm Iris Schröder von Dezember 2016 bis Januar 2017 eine Gastprofessur für das PhD-Programm des Department of History and Heritage Management in Mekelle an.

2017

Im April 2017 kam Haile Muluken Akalu, Assistant Professor am Department of History and Heritage Management der Mekelle University, als Herzog-Ernst-Stipendiat ans Forschungszentrum. Für sein Postdoc Projekt „Pre-colonial, Colonial and Postcolonial Cartographic Trajectories Underpinning Ethiopia’s Boundary Conflicts with Somalia and the Sudan“ beschäftigt er sich mit der Dynamik von Grenzstreitigkeiten am Horn von Afrika, wofür er die Bestände der Forschungsbibliothek umfänglich nutzte.

Der von Haile Muluken Akalu maßgeblich geförderte Besuch einer Delegation der Mekelle University an der Universität Erfurt im Juni 2017 bot die Gelegenheit, sich intensiv über weitere gemeinsame Forschungsinteressen auszutauschen. Den Abschluss des Besuches der äthiopischen Kollegen bildete der von Haile Muluken Akalu und Christian Methfessel organisierte Workshop „Peace and Conflict in the Horn of Africa: National, Regional and Global Factors“. Dabei kristallisierte sich in den Gesprächen die internationale Geschichte Afrikas und insbesondere der Kalte Krieg am Horn von Afrika als vielversprechendes Feld für gemeinsame Aktivitäten und Projekte heraus. Zudem wurden weitere zeithistorische Forschungsfelder identifiziert, etwa zu Diktaturen, die sich in Mekelle mit der historischen Auseinandersetzung mit dem DERG-Regime sowie in Erfurt mit Arbeiten zu den beiden deutschen Diktaturen verbinden lassen. In Anbetracht der deutsch-äthiopischen Beziehungen sowie später zwischen dem sozialistischen Äthiopien und der DDR vereinbarten die Beteiligten ihre gemeinsamen Forschungen auch in diesem Bereich zu intensivieren.

Im Herbst 2017 widmeten sich die 8. Gothaer Kartenwochen den erstaunlich vielfältigen Spuren Äthiopiens in den Gothaer Sammlungen. Der einzigartige Gothaer Fundus zur Äthiopienkartographie stand im Mittelpunkt einer von Wolbert Smidt kuratierten Kabinettausstellung, hinzu kam ein breites Veranstaltungsprogramm, innerhalb dessen die Tagung „Ethiopia and Its Neighbours on Maps. Local Knowledge, Territorial Constructions and International Map Making“ erste Ergebnisse des Projekts ETHIOMAP mit einem internationalen Fachpublikum diskutierte.

2018

Im März 2018 reiste Christian Methfessel auf Einladung des Department of History and Heritage Management nach Mekelle, um eine Gastdozentur wahrzunehmen. Sein öffentlicher Vortrag zum Thema „Depictions of the Battle of Adwa in the English and German Press“ stieß dort auf große Resonanz – nicht zuletzt wegen des in Äthiopien alljährlich festlich begangenen Gedenktags an die Schlacht von Adua am 2. März 1896.

Im April kehrte Fesseha Berhe Gebregergis für sechs Monate als wissenschaftlicher Mitarbeiter ans Forschungszentrum Gotha zurück, um im Rahmen des Projekts ETHIOMAP zu arbeiten und seine Forschungen zu den Dobᶜa auch mit den Gothaer Materialien weiterzuführen. Seiner Unterstützung verdanken wir viel, in Mekelle wird er nach seiner Rückkehr gemeinsam mit Aychegrew Hadera Hailu als Ansprechpartner für die weitere Kooperation fungieren.

Im Juli bildete die Tagung „Africa and the Global Cold War“ den offiziellen Auftakt für eine engere Kooperation in der Forschung zur internationalen Geschichte des Horns von Afrika. Aychegrew Hadera Hailu, Assistant Professor am Department of History and Heritage Management, vertrat hier die Mekelle University in der Konferenzleitung. Der Workshop diente erneut dazu, offene Forschungsdesiderate zu identifizieren und weiterführende Fragen zu entwickeln. In den anschließenden Arbeitsgesprächen verständigten sich die Beteiligten der beiden Partneruniversitäten Eckpunkte für die zukünftige Kooperation in diesem Themenfeld.

Die Vereinbarungen betreffen auch das im Oktober 2018 beginnende, von der Fritz Thyssen Stiftung geförderte Forschungsprojekt „Annexionen und Sezessionen im Zeitalter des globalen Kalten Kriegs“ von Christian Methfessel. Schon die Konzeption des Projekts profitierte von dem Austausch mit den äthiopischen Kollegen, entsprechend ist künftig eine enge Verschränkung mit den gemeinsamen Aktivitäten zur Erforschung des Kalten Kriegs in Afrika geplant.

Die Universität Mekelle war in diesem Jahr Anfang Oktober Gastgeber der 20. International Conference of Ethiopian Studies. Auf einem von Wolbert Smidt und Eloi Fiquet organisierten Panel zu „Cartographies and Itineraries“ hat Iris Schröder Forschungen zur Gothaer Kartographie präsentiert. Im Anschluss an die Konferenz fand in Wukro der diesjährige Jahresworkshop des Projekts Ethiomap statt.

2019

Im März 2019 fand in Mekelle die Nachfolgekonferenz „Africa and the Global Cold War II“ statt. Neben dem Department of History and Heritage Management konnte erstmals auch das Department of Political Science and Strategic Studies der Mekelle University für die Programmgestaltung gewonnen werden.

Verbunden mit dem Ziel neue Perspektiven für die interdisziplinäre Forschung zum Kalten Krieg in Afrika zu eröffnen, lag der thematische Schwerpunkt dieser Tagung auf den Veränderungen und Kontinuitäten der afrikanischen Beziehungen zu externen Akteuren.

Im Anschluss an die Konferenz wurden zukünftige Kooperationsaktivitäten mit Mitgliedern der Mekelle University diskutiert. Darüber hinaus ergab sich im Rahmen einer Studienreise die Möglichkeit, Kontakte zur Universität Bahir Dar zu knüpfen.

Im Rahmen des Herzog-Ernst-Stipendienprogramms konnte in diesem Jahr von März bis Juli Zegeye Woldemariam Ambo, Doktorand an der Mekelle University, für sein Projekt „The Kingdom of Kafa: An Ecological and Political Ethnohistory from the late 14th to the early 20th centuries“ mit den Beständen der Sammlung Perthes arbeiten.

Darüber hinaus konnten wir unsere ehemaligen Stipendiaten Fesseha Berhe Gebregergis und Wolbert Smidt erneut in Gotha begrüßen. Beide wirkten auf dem 4. Alumnitreffen des Herzog-Ernst-Stipendienprogramms, zugleich internationale Tagung zum Thema „Ulrich Jasper Seetzens Reise nach Vorderasien. Neue Ansätze der Reiseforschung“ als Vortragende aktiv mit.

Im Sommer 2019 wurde in Addis Abeba die von Gothaer Sammlungs- und Forschungseinrichtungen gestaltete internationale Ausstellung „Das Äthiopien der Kartenmacher“ gezeigt und stieß dabei auf großes Interesse. Die Ausstellung wurde vom Forschungsprojekt ETHIOMAP, das am Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt, der École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS) in Paris sowie der Mekelle University in Äthiopien angesiedelt ist, mit Unterstützung der Forschungsbibliothek Gotha organisiert. Die nächsten Stationen der Ausstellung stehen schon fest: Nach Addis Abeba soll sie in der Alliance éthio-française in der äthiopischen Stadt Dire Dawa gezeigt werden und im Anschluss an mehreren äthiopischen Universitäten.

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