Universität Erfurt

Honorarprofessor Historische Anthropologie

Profil Honorarprofessor "Historische Anthropologie"

Der Honorarprofessor "Historische Anthropologie" führt die Tätigkeit der "Arbeitsstelle Historische Anthropologie" des Göttinger Max-Planck-Instituts für die Erforschung multi-religiöser und multi-ethnischer Gesellschaften (zuvor: MPI für Geschichte) fort, die 1999 unter der Leitung von Prof. Dr. Alf Lüdtke und Prof. Dr. Hans Medick an der Universität Erfurt eingerichtet wurde.

Historische Anthropologie begreift Geschichte als historische Praxis. Im Zentrum stehen Vielfalt und Veränderlichkeit kulturell geprägter Lebens- und Erfahrungsweisen. Alltagswirklichkeiten gelten in dieser Perspektive als man made; sie werden also von historischen Akteuren geformt und getragen, verändert oder zerstört. Nicht ‚anthropologische Konstanten' sollen erkundet werden. Fragen richten sich vielmehr auf das konkrete ‚Machen', ‚Tun' und ‚Ausdrücken' von Ereignissen und Konfigurationen. Die materialen Alltage der Menschen erweisen sich als veränderliche, zugleich als ihrerseits verändernde Momente historischer Prozesse. Dazu gehören die Profile von Interessen und Emotionen in ihren praktischen Wirkungen und Umsetzungen, aber auch in ihren medialen wie symbolisch-rituellen Voraussetzungen und Vermittlungen. Situative Verknüpfungen werden erschlossen; parallel gilt das Interesse gesellschaftlichen Kräftefeldern und Handlungsräumen, zugleich deren je unterschiedliche Zeitlichkeiten.

Diese Forschungsperspektiven bleiben keineswegs abstrakt. Sie richten sich auf konkrete Gegenstandsbereiche und Arbeitsfelder, die in der Geschichtswissenschaft zu wenig Berücksichtigung finden. Beispiele dafür sind etwa die Geschichte von Arbeit, Gewalt und Krieg als Wechselbeziehung zwischen Produktion und Destruktion, wie auch die historisch vergleichende Betrachtung von Bildproduktionen und -verwendungen, zumal ihren symbolischen ‚Ladungen', Dabei operieren Historische Anthropologie und Alltagsgeschichte an der Schnittstelle verschiedener Disziplinen, insbesondere von Ethnologie, Literatur-, Religions- und Medienwissenschaften. In der Forschungspraxis fordern postkoloniale Perspektiven, Geschichte jenseits von Eurozentrismus zu denken und Methoden, Begriffe und Konzept in ihren historischen Kontext zu stellen.

Im Zusammenhang der kulturwissenschaftlichen und weltregionalen Orientierung des Erfurter Geschichtsstudiums markieren die Forschungsperspektiven von Historischer Anthropologie und Alltagsgeschichte einen besonderen Akzent. Der Honorarprofessor "Historische Anthropologie" wirkt daran mit, einschlägige Ansätze und Themen in die Lehre, zumal in die Graduiertenausbildung, und die universitäre Forschung einzubringen. Er leistet damit einen Beitrag zur methodenkritischen Reflexion einer interkulturell orientierten Geschichtswissenschaft.

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