Universität Erfurt

Neuere und Zeitgeschichte und Geschichtsdidaktik

Bewegte Gruppen im Transit- und (Zwangs)Migrationsraum ‚Mitteldeutschland’. Besatzungsgeschichte, Fremdheitserfahrungen, Lager- und Lebenswelten 1945-1949 (Arbeitstitel)

Im Unterschied zu den Besatzungsgebieten der späteren Bundesrepublik, wo sowohl die Geschichte der dortigen Displaced Persons als auch die der Flüchtlinge und Vertriebenen nach 1945 inzwischen als gut erforscht und dokumentiert gelten kann, blieb in der DDR und auch nach 1990 eine wissenschaftliche und erinnerungskulturelle Beschäftigung mit diesen Themen – geschweige denn eine Zusammenschau der verschiedenen Gruppen – für Mitteldeutschland und die spätere Sowjetische Besatzungszone (SBZ) weitgehend aus.

Als die Alliierten im April 1945 Mitteldeutschland besetzen, treffen sie auf unterschiedliche (zwangs)bewegte Gruppen. Das Gebiet der heutigen Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gleicht bei Kriegsende einem verdichteten Transitraum. So befreien die Alliierten hier nicht nur hunderttausende Menschen aus Zwangsarbeit, Konzentrations- und Kriegsgefangenenlagern, aus Verstecken sowie von Todesmärschen. Gleichzeitig befinden sich in ähnlichen Größenordnungen deutsche Evakuierte und "Ausgebombte" vor Ort. Hinzu kommen seit Anfang 1945 in schnell steigender Zahl mehrere hunderttausend Flüchtlinge und Vertriebene.

Hier setzt das geplante Projekt an. Beim Blick auf die bewegten Gruppen lassen sich – bei allen wichtigen Unterschieden – vergleichbare Aspekte von (Zwangs)Migration und ihren Folgen wie unter einem Brennglas betrachten und erforschen. Durch diese Zusammenschau sollen –  anders als in der bisherigen Forschung – alle beteiligten Akteure untersucht werden. Angesichts der Spezifik einer hochdynamischen Gesellschaft bei Kriegsende und danach stehen Fragen nach neuen Formen sozialer (Ver)Bindungen ebenso im Fokus wie die nach „doing Fremdheit“ oder nach Kontinuitäten und Brüchen etwa im jeweiligen „migration management“.

Nach der momentan laufenden Sondierung in Archiven soll das Forschungsprojekt mit einem internationalen Workshop im Oktober 2017 in seine konkrete Umsetzungsphase starten, um eine möglichst dichte Evaluation der Forschungsansätze und ihrer Realisierbarkeit zu ermöglichen.

kontakt@dp-project.eu

Ausführliche Informationen finden Sie künftig hier.

Workshop "Bewegte Gruppen im Transit- und (Zwangs-)Migrationsraum „Mitteldeutschland“, 1945–1949: Besatzungsgeschichte, Fremdheitserfahrungen, Lager- und Lebenswelten

Das Hannah-Ahrendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V, die Professur für Neuere und Zeitgeschichte und Geschichtsdidaktik an der Universität Erfurt und die Professur für Europäische Zeitgeschichte nach 1945 an der Universität Siegen laden zum Workshop vom 20. bis 21. Oktober 2017 im Hannah-Arendt-Institut, Dresden ein.

Der Workshop bildet den Auftakt für ein gleichnamiges Forschungsprojekt, welches derzeit an der Professur für Neuere und Zeitgeschichte und Geschichtsdidaktik an der Universität Erfurt (Christiane Kuller) in Zusammenarbeit mit der Professur für Europäische Zeitgeschichte nach 1945 an der Universität Siegen (Claudia Kraft) durch die vier Historiker_innen Juliane Wenke, Nora Blumberg, René Bienert und Jens Schley vorbereitet wird.

Der Workshop soll "diskussionsintensiv" gestaltet werden, mit kurzen Beiträgen (Keynote und Impuls) in den jeweiligen Panels, und nach einem Projektkommentar in intensivem Austausch mit geladenen Fachexpert_innen. Eingeladen sind Wissenschaftler_innen mit ähnlichen Forschungsprojekten oder aus Institutionen, die sich mit Migrations- oder/und Besatzungsgeschichte beschäftigen oder hier von einem anderen, interdisziplinären Ansatz ausgehen.

Weitere Interessenten sind herzlich willkommen.
Anmeldungen bitte bis zum 12. Oktober an kontakt(at)dp-project.eu

Aufgrund begrenzter räumlicher Kapazitäten erfolgt die Zusage durch die Organisatoren nach Reihenfolge der Anmeldungen.Der Workshop ist barrierearm. Eine Möglichkeit des Schriftdolmetschens wird auf Anfrage angeboten.

 

 

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