Universität Erfurt

Neuere und Zeitgeschichte und Geschichtsdidaktik

Geschichte der Ämter für Denkmalpflege in Bayern, Thüringen und im Rheinland 1920-1960

Das Projekt

Laufzeit: 2017-2020

Gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen des Forschungsprogramms zur Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit zentraler deutscher Behörden

 

Das Projekt untersucht die Geschichte der Denkmalpflegeämter in Bayern, Thüringen und im Rheinland in der NS-Zeit und fragt vor allem nach Kontinuitäten und Brüchen über die politischen Zäsuren von 1933 und 1945/1949 hinweg. 

Dabei werden der Untersuchung drei Fragekomplexe zugrunde gelegt: 

Erstens waren die Denkmalpfleger und ihre Ämter Manager immanenter Spannungen der Kultur- und Kunstpolitik des „Dritten Reiches“. Sie mussten vermitteln zwischen regionalen bzw. lokalen Interessen und dem zentralistischen Herrschaftsanspruch der NS-Diktatur, zwischen der Pflege tradierter Werte und einer (partiell) neuen Identitätspolitik der nationalsozialistischen Machthaber sowie, sofern sie wie in Bayern für die Museumsbetreuung zuständig waren, zwischen staatlicher Politik und den zahlreichen nichtstaatlichen Museen und Sammlungen. Zu untersuchen ist, inwieweit sich die Denkmalpflegeämter zur NS-Diktatur positionierten, und inwiefern sich die Denkmalpflege zur Zeit der NS-Herrschaft im Sinne der Machthaber ideologisierte.  

Zweitens ist zu fragen, wie die konkrete Interaktion zwischen Mitarbeitern der Ämter, deren gesellschaftlichen Partnern, anderen Institutionen des NS-Staates sowie Opfern der NS-Verbrechenspolitik beschrieben werden kann.

Drittens folgt das Projekt in einer weiteren Untersuchungsperspektive auch der Spur der Kunst- und Kulturgüter, sofern sie Gegenstand der Aktivitäten in den Denkmalämtern waren. Ausgehend vom „Eigensinn der Dinge“ ist dabei der Frage nachzugehen, wie Menschen Kunst- und Kulturgüter nutzten und wahrnahmen, und wie umgekehrt diese Dinge menschliche Praktiken und Beziehungen prägten.

Dem politikgeschichtlichen Ansatz, der 1933 und 1945 als grundlegende Wendepunkte markiert, stellt das Projekt sozial- und gesellschaftsgeschichtliche sowie kultur- und ideengeschichtliche Perspektiven gegenüber, die den Zäsur-Charakter dieser Daten relativieren. Während politisch und oft auch personell mit Beginn und Ende der NS-Herrschaft Wandlungsprozesse verbunden waren, blieben Denkstrukturen und Handlungspraktiken oft weiter bestehen wie etwa die bürokratische Arbeitsorganisation und das Leitbild von „unpolitischer“ Professionalität. Besondere Aufmerksamkeit soll im Projekt daher den Transformationsphasen 1933-1935 und 1945-1949 zukommen, um personelle, organisatorische und kulturelle Kontinuitäten und Diskontinuitäten zu erfassen. Zu diesem Zweck setzt die Untersuchung in den 1920er Jahren ein und verfolgt die Nachkriegsentwicklungen bis Ende der 1950er Jahre, sodass die Behörden nicht nur im Länder- und Systemvergleich untersucht werden, sondern auch das Potential eines dreifachen diachronen Vergleichs von Weimarer Republik, Nationalsozialismus und Nachkriegsentwicklung(en) genutzt wird.

Ausschreibung des Forschungsprogramms

Pressemitteilung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien

Projektleitung und Bearbeiter

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