Universität Erfurt

Neuere und Zeitgeschichte und Geschichtsdidaktik

Raub von Kulturgut. Der Zugriff des NS-Staats auf jüdischen Kunstbesitz in München und seine Nachgeschichte: Forschungsprojekt

Das Projekt

Im Januar 2015 haben die Landeshauptstadt München, die Städtische Galerie im Lenbachhaus, das Jüdische Museum und die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen ein Kooperationsprojekt mit dem Lehrstuhl für Zeitgeschichte an der Universität Erfurt, Prof. Dr. Christiane Kuller, vereinbart. Im Rahmen des Projektes wird der Zeithistoriker Dr. Jan Schleusener die Mitte November 1938 in Gang gesetzte Beschlagnahmung von Kunstgegenständen bei jüdischen oder als jüdisch im Sinne der NS-Rassenterminologie angesehenen Kunsthändlern und anderen Eigentümern von Kunst in München und Umgebung untersuchen.

Die Münchner Beschlagnahme, die eine der größten staatlichen Kunstraubaktionen im Altreichsgebiet einleitete, wurde von der Geheimen Staatspolizei durchgeführt. Beteiligt waren aber auch Kunstsachverständige, Kunsthändler und Leiter von Museen (Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Bayerisches Nationalmuseum, Städtische Galerie, Historisches Stadtmuseum) sowie staatliche, städtische und NSDAP-Behörden. Die über 2000 konfiszierten Kunstgegenstände befanden sich später an den unterschiedlichsten Orten; das Spektrum reichte von Galerien und Museen über das Münchner Oberfinanzpräsidium und die Gauleitung München-Oberbayern bis zur NSDAP-Parteikanzlei in München. Wie es zu der Aktion kam, welche Motive und Interessen dahinter standen, wer davon profitierte und wie Beteiligte und Betroffene nach Kriegsende darüber sprachen - und schwiegen -, wird Gegenstand des Forschungsprojektes sein. Sein Hauptziel besteht darin, die Beschlagnahmeaktion umfassend zu erforschen und sie in ihrem historischen Umfeld einzuordnen.

Die Ergebnisse des Projektes werden 2016 in der Schriftenreihe „Bayerische Studien zur Museumsgeschichte“ (Deutscher Kunstverlag) unter dem Titel "Raub von Kulturgut. Der Zugriff des NS-Staats auf jüdischen Kunstbesitz in München und seine Nachgeschichte" veröffentlicht. Die Publikation wird durch die Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern finanziert.

Kontakt

Prof. Dr. Christiane Kuller
Universität Erfurt

Bearbeiter:
Dr. Jan Schleusener

Letzte Änderung: 10.01.2017

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