Universität Erfurt

Neuere und Zeitgeschichte und Geschichtsdidaktik

Marius Heidrich, M.A.: Projekt : Der Protestantismus in den ethischen Debatten der Bundesrepublik Deutschland 1949-1989"

Kontakt

Nordhäuser Straße 63, 99089 Erfurt
Lehrgebäude IV / Raum 140

Zur Person

  • 2014 - 2016 Master Geschichtswissenschaften an der Universität Erfurt, Masterarbeit: Enteignung „jüdischen Vermögens“ durch die Süddeutsche Bodencreditbank München
  • 2011 - 2014 Bachelor Geschichtswissenschaften und Philosophie an der Universität Erfurt

Forschungsschwerpunkte

    • Protestantismus und Sozialstaat
    • Demografischer Wandel in der Bundesrepublik
    • Geschichte der Bevölkerungswissenschaften
    • fiskalische Entrechtung im Nationalsozialismus

    Aktuelle Forschungsprojekte

    Der Protestantismus in den ethischen Debatten der Bundesrepublik Deutschland 1949-1989

    wissenschaftlicher Mitarbeiter

    Webseite

    Promotionsprojekt: „Alternde Gesellschaft und demografische Herausforderungen als Grundfragen der sozialen Gerechtigkeit im Spiegel der Debatten um die bundesdeutsche Sozialversicherung“ (Arbeitstitel)

    Krisenszenarien der Bevölkerungsentwicklung reichen bis in das 19. Jahrhundert zurück. Dennoch war der „massive“ Geburtenrückgang seit Mitte der 1960er Jahre eine wichtige Zäsur des demografischen Wandels in der Bundesrepublik. Die Funktionsfähigkeit des Sozialstaats hing unmittelbar von stabilen demografischen Verhältnissen ab. Bereits der „Pillenknick“ der 1960er Jahre stellte die sozialstaatliche Ordnung auf die Probe. In den anschließenden Debatten wurden neben der bundesdeutschen Bevölkerungsentwicklung auch der Wandel von Geschlechterrollen, nationaler Identität und Gesellschaft thematisiert. Soziale, kulturelle und wirtschaftliche Veränderungen stellten normative Vorstellungen von sozialer Ordnung in der Bundesrepublik, sowie wie Leitbilder und implizite Annahmen über die Gesellschaft in Frage. Der Protestantismus hat sich an diesen Debatten wesentlich beteiligt.

    Die Hypothese – der soziale Protestantismus wandelte sich vom distanzierten Sozialstaatskritiker zum aktiven Mitgestalter – erfordert das erneute Aufgreifen der Frage nach der Bedeutung des sozialen Protestantismus für den Sozialstaat, mit einem zeitlichen Fokus auf die 1970er und 1980er Jahre.

    Ausgangspunkt ist die Rentenreform von 1957, die erstmalig eine sozialstaatlich institutionalisierte Auseinandersetzung über die Alterung der Gesellschaft mit sich brachte. Zukunftsprognosen, als fester Bestandteil des Finanzierungsplans, gingen zwar von einer steigenden Zahl von Rentenempfängern aus, machten jedoch auch deutlich, dass diese von einer proportional nachwachsenden Bevölkerung aufgefangen werden würden. Vernachlässigt wurde, dass die Geburtenzahlen bereits Mitte der 1960er Jahre rückläufig und somit die Annahmen stabiler Bevölkerungsverhältnisse falsch waren. Eine erste dezidierte demografische Debatte setzte Ende der 1970er Jahre ein. Das Ungleichgewicht zwischen Beitragszahlern und Rentenempfängern stellte das bundesdeutsche Renten- und Sozialversicherungssystem vor neue Herausforderung.

    Drei weitere Debattenkontexte waren:

    Der Status der ausländischen Wohnbevölkerung bzw. die Frage, inwieweit „Fremde“ in die Solidargemeinschaft eingebunden werden sollten. Zugehörigkeit und nationale Identität waren wesentliche Bestandteile dieser Debatten.

    Der Wandel der Geschlechterordnung. Das veränderte Leitbild der Frau, von der Hausfrau und Mutter zur „Zuverdienerin“ und Erwerbstätigen, wirkte auch unmittelbar auf das Familienleitbild. Es galt die in Schieflage geratene Sozialpolitik zu Reformieren und damit ihre (Re)Stabilisierung herbeizuführen.

    Solidarität wurde zu einem Kernbegriff der Debatten. Die Prämisse des Generationenvertrags sowie die gesellschaftliche Solidaritätsverpflichtung mussten neu gedacht werden.

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