Universität Erfurt

Hochschulkommunikation der Universität Erfurt

Antrittsvorlesung von PD Dr. Astrid Reuter: Pressemitteilung Nr.: 05/2014 - 07.01.2014

Fassade des Forschungsgebäudes 1 der Universität Erfurt

„Religion im Prozess der Ver(grund)rechtlichung der Gesellschaft“ ist der Titel der öffentlichen Antrittsvorlesung von PD Dr. Astrid Reuter am Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt am Montag, 13. Januar. Beginn ist um 18 Uhr im Forschungsgebäude 1 auf dem Gelände des Helios Klinikums, Raum 121. Der Eintritt ist frei.

In der Geschichte der Staatsgewalt spielt das Recht eine Schlüsselrolle: Die moderne Staatsgewalt wuchs in dem Maße, in dem es ihr gelang, die heterogenen Rechtsformen innerhalb ihres jeweiligen Territoriums zu vereinheitlichen und konsequent zu verstaatlichen. Im Zuge dieses Prozesses wurde das gesamte soziale Leben rechtlich reguliert und so für staatliche Eingriffe zugänglich gemacht. In diesem Sinne kann von einer „Verrechtlichung“ des Sozialen gesprochen werden. Auch die religiösen Lebenswelten wurden von dieser Entwicklung erfasst. Konflikte um Religion werden unter diesen Bedingungen in der Sprache des Rechts reformuliert und so zu Rechtskonflikten gemacht. An das Recht werden dabei von den Konfliktbeteiligten hohe Erwartungen geknüpft. Diese gründen sich v.a. auf die verfassungsrechtlich verbürgten Grund- und Menschenrechte. Allgemein ist die Tendenz zu beobachten, sozialpolitische Gerechtigkeits- und sozialmoralische Anerkennungsforderungen in grund- bzw. menschenrechtliche Ansprüche zu übersetzen. Diese Entwicklung findet ihren Niederschlag auch in den jüngeren Konflikten um Religion, die zunehmend als Konflikte um das Grundrecht auf Religionsfreiheit ausgetragen werden. Die Wahrnehmung und Deutung des religionskulturellen Lebens ist so markant von der Sprache der Grund- und Menschenrechte imprägniert, dass die Anerkennung grundrechtlicher Ansprüche auf religiöse Freiheit und Gleichheit zunehmend mit erheblichen symbolischen Gewinnen verbunden ist. So sind die Grundrechte zu wirksamen Instrumenten im Ringen Glaubender und ihrer religiösen Gemeinschaften um gesellschaftliche Anerkennung geworden.

PD Dr. phil. Astrid Reuter studierte an den Universitäten Bonn und Münster katholische Theologie, an der Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales in Paris Anthropologie sociale (D.E.A.) und wurde an der Universität Bremen im Fach Religionswissenschaft promoviert. 2012/13 habilitierte sie sich am Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt und erwarb an der Philosophischen Fakultät der Uni Erfurt die Venia Legendi für das Fach Religionswissenschaft. Nach beruflichen Stationen an der Universität München, dem Wissenschaftskolleg zu Berlin, dem Max-Weber-Kolleg und dem Exzellenzcluster Religion und Politik der Universität Münster ist sie zurzeit wissenschaftliche Geschäftsführerin am Centrum für Religion und Moderne der Universität Münster.

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