Mitglieder des Nachwuchskollegs

Kollegiat*innen

Dominik Abel

Forschungsprojekt:

Auf dem Weg zu einer partizipativen Kirche. Liturgiewissenschaftliche Perspektiven der philippinischen Theologie und Praxis für Theologie und Praxis der Liturgie in Deutschland

Kirchenschließungen, Gemeindezusammenlegungen und Sparzwänge umschreiben eine neue Lage, die nahezu alle deutschen Bistümer erfasst hat. Die Kirche wird in ihrem Selbstverständnis und in ihren Vollzügen angefragt. Besonders ist hiervon die Liturgie betroffen: Aufgrund des Priestermangels und immer größer werdenden Pfarreien wird es auch immer schwieriger, die sonntägliche Eucharistiefeier zu feiern. Die wissenschaftliche Theologie nimmt diese Entwicklung wahr, indem sie versucht, diesen Wandel zu deuten und Kriterien für Lösungsmodelle zu entwickeln. Dabei wird auch zunehmend versucht, weltkirchlich zu lernen, da in anderen kulturellen Kontexten Diözesen kreative Lösungsmöglichkeiten gefunden haben. So gibt es seit mehreren Jahren einen intensiven Austausch zwischen einigen deutschen Diözesen und den Philippinen.

In diesem Kontext stellt das vorliegende Dissertationsprojekt die folgende Frage:

Welche theologischen und praktischen Impulse kann die philippinische Ortskirche für die deutsche Ortskirche liefern, um eine Kriteriologie und Praxismodelle für die (Neu-)Gestaltung von Liturgie in großen Pastoralräumen zu entwerfen?

Diese zentrale Forschungsfrage lässt sich in verschiedene Fragen aufschlüsseln:

·       Worin drückt sich der Strukturwandel in deutschen Bistümern aus und was bedeutet dies für die Liturgie?

·       Welche anderen Formen des Gottesdienstes und der Feier der Liturgie gibt es auf den Philippinen? Wie stehen diese anderen gottesdienstlichen Feiern und die Eucharistie zueinander und wie sieht die Leitung durch Laien aus?

·       Inwiefern können philippinische Handlungsmodelle als eine Anregung für eine deutsche Praxis gelten? Was sind (kulturelle) Grenzen dieser Modelle?

Brigitte Benz

Brigitte Benz

Forschungsprojekt:

Trauer- und Gedenkfeiern nach Großkatastrophen in säkularer Gesellschaft unter kirchlicher Beteiligung. Eine liturgiewissenschaftliche Studie.

Seit einigen Jahren begegnen in Deutschland in wachsender Zahl Trauer- und Gedenkfeiern nach Großkatastrophen, sogenannte Disaster Rituals. Sie werden anlassbezogen vorbereitet, variieren entsprechend in Gestalt, Ort und Aussage, sind in unterschiedlicher Weise mit Religionen und Weltanschauungen verbunden und stellen eine neue Feierform dar. Diese Feiern waren bisher kein Gegenstand systematischer Forschung innerhalb der katholischen Theologie, obwohl dies aufgrund ihrer hohen gesellschaftlichen Wirkung dringend erforderlich ist. Das vorliegende Promotionsprojekt will sich aus liturgiewissenschaftlicher Sicht diesen Disaster Rituals zuwenden. Dabei gilt das Interesse in erster Linie den Feiern und Ritualen des Trauerns und Gedenkens als komplexem Handlungsgeschehen nach dem Amoklauf im Erfurter Gutenberg-Gymnasium im Jahre 2002. Das Totengedenken unmittelbar nach dem tragischen Geschehen und die seit zehn Jahren praktizierten jährlichen Trauerfeiern werden als paradigmatisch für die Rolle der christlichen Kirchen innerhalb von Disaster Rituals, öffentlichen Trauer- und Gedenkfeiern nach Katastrophen, verstanden. Es soll gefragt werden, ob und wie hier bisher liturgiewissenschaftliche Überlegungen bei der Gestaltung eine Rolle spielten. Es wird auch nach der theologischen Konzeption solcher Feiern in säkularisierter Gesellschaft und den anthropologischen, liturgietheologischen und ekklesiologischen Implikationen gefragt werden. Von dieser Analyse ausgehend wird der Versuch der Entwicklung einer liturgiewissenschaftlichen Systematik unternommen, welche immer wieder an solche Feiern angelegt werden kann. Ein besonderes Augenmerk soll dabei auf den Umstand gerichtet werden, dass bei den sogenannten Disaster Rituals oft ein großer Anteil an Nichtchristen beteiligt ist. Hier gilt das Interesse der Frage, wie sich dies aus theologischer Sicht auf die Gestaltung der Feier auswirken muss. Dabei werden gerade auch Fragen der Verständlichkeit von Symbolen und Sprache eine Rolle spielen. Die sich aus diesen Überlegungen ergebenden Konsequenzen sollen dann soweit dies möglich ist in die zu erarbeitende Systematik einbezogen werden.

Fabrice Dux

Forschungsprojekt:

Das Domkapitel Halberstadt in der Zeit von 1591 bis 1648 – Untersuchungen zur rechtlichen Verfassung, personellen Zusammensetzung und Verwaltungstätigkeit eines gemischtkonfessionellen Domkapitels bis zum Westfälischen Frieden

Benedikt Fernkorn

Forschungsprojekt:

Initiationssakramente in kleinen Liturgiken zwischen 1848 und 1884

Das Promotionsprojekt untersucht eine Reihe kleiner, populärer Liturgiken, die in größerer Anzahl in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum entstanden sind. Diese zumeist von Welt- und Ordenspriestern verfassten Werke versuchen verschiedene Aspekte der Liturgie allgemeinverständlich zu erklären und dieses Wissen damit unterschiedlichen Gruppen ihrer Gemeinden zur Verfügung zu stellen.
Diese bislang nicht berücksichtigte Quellengruppe wird vergleichend auf ihre Verfasser und Adressaten, Intention, Aufbau und Gewichtung der Inhalte, sowie die Art der Erklärungen untersucht. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf die besonders stark mit Katechese und liturgischer Unterweisung verknüpften Sakramente der Initiation in diesen Werken. Auch die Einbettung in dem soziokulturellen, kirchenpolitischen und bildungsgeschichtlichen Kontext dieser Werke soll dabei untersucht werden.
Das Projekt wird diese Liturgiken für den Zeitraum zwischen 1848 und 1884 erfassen und untersuchen. Vom 22.–26. Oktober 1848 tagte die erste „Versammlung der deutschen Bischöfe“ in Würzburg, um auf die Unruhen durch die Revolutionen des Jahres 1848 zu reagieren und beschloss unter anderem die Entstehung eines Volksmissals. Auch wenn dieses Unterfangen schnell in Vergessenheit geriet, so zeigt es das auch bei den Bischöfen bestehende Interesse, den Gläubigen Liturgisches Wissen zugänglich zu machen. Mit dem Jahre 1884 (Erstauflage des „Schott“-Messbuchs) endet der Untersuchungszeitraum.

Sarah Fischer

Forschungsprojekt:

„Der Liebe Raum schaffen“ - Raum-anthropologische Untersuchungen zum Hohenlied in kanonischer-intertextueller Perspektive zu Spr 7

Die Frage danach, wie jeder Einzelne ein glückliches und gelingendes Leben führen, wie er sogar heute schon ein Leben wie im Paradies erfahren kann, bestimmt das Denken unzähliger Menschen auf dieser Welt. Im Pluralismus der heutigen Zeit gibt es allerdings zugleich fast ebenso viele Organisationen, Institutionen, Religionen oder Weltanschauungen, die versprechen, Antworten auf diese Frage geben zu können. Spirituelle Selbsterfahrungen, Luxusgüter, Sport oder die eigene Gesundheit sollen dann oft Mittel sein, um ein solches Leben zu erreichen.

In diesem Dissertationsvorhaben sollen Antworten auf diese Frage allerdings an einem ganz anderen Ort gesucht werden. Es soll ihr in christlicher Perspektive nachgegangen und mit Blick auf das Alte Testament ein Angebot in der heutigen pluralen Welt herausgearbeitet werden. So scheinen in alttestamentlichen Texten Weisheit und Liebe auf je eigene Weise einen Raum für gelingendes und schöpfungsgemäß geordnetes Leben zu eröffnen oder gar den Zustand des Paradiesesraumes wieder aufleuchten zu lassen.
Dieses Dissertationsvorhaben soll sich im Rahmen des Fachbereiches der Exegese und Theologie des Alten Testaments mit der Bedeutung von Weisheit und Liebe in alttestamentlichen Texten beschäftigen. Im Mittelpunkt der Untersuchungen muss zu diesem Zweck die alttestamentliche Weisheitsliteratur stehen. Das Hohelied, welches das Thema Liebe in den Mittelpunkt stellt, und das Buch der Sprichwörter (vor allem Spr 1-9), das die Weisheit ausführlich thematisiert, werden beide zur Weisheitsliteratur gezählt und weisen zudem aufgrund der Verfasserzuschreibung an Salomo einen engeren Bezug auf. Ein starker intertextueller Zusammenhang wird in Spr 7 zu den Paralleltexten Hld 2; 3; 5; 8 deutlich und soll ausführlich untersucht werden. Zusammen mit Spr 8,22-31 werden weiterhin die Verweise beider Bücher in Gen 1-3, den Anfang der Urgeschichte, aufgearbeitet.
Dass „Raum schaffen“ und „Grenzen überwinden“ räumliche Denkfiguren darstellen, verweist bereits auf den methodischen Zugang dieser Dissertation, bei welchem im Zuge des Spatial Turn in den Kulturwissenschaften der Fokus auf die Untersuchung der Konstruktion der Kategorie Raum in diesen alttestamentlichen Texten gelegt werden soll.

Martin Grimm

Forschungsprojekt:

Ewigkeit verstehen durch den dreieinen Gott. Der trinitarisch gefasste Ewigkeitsbegriff bei Eberhard Jüngel, Wolfhart Pannenberg und Hans Urs von Balthasar und seine Bedeutung für das Zeitverständnis

Mein Promotionsprojekt widmet sich dem dialogischen Vergleich trinitarischer Ewigkeits-konzepte mit einer impliziten Verhältnisbestimmung von Ewigkeit und Zeit.
Eine Verhältnisbestimmung von Zeit und Ewigkeit wird bereits seit der Philosophie der Antike in vielfältiger Weise unternommen. Der in der griechischen Philosophie (Parmenides, Platon, Plotin, usw.) herausgebildete und bis heute weiterentwickelte metaphysische Ewigkeitsbegriff schließt Zeit und Werden aus sich aus. Diese Vorstellung von Ewigkeit wirkt sich auch auf die christliche Theologie aus. So vertreten Augustinus von Hippo und Thomas von Aquin einen zeitlosen, ja der Zeit entgegengesetzten Ewigkeitsbegriff. Dieser metaphysische Gegensatz von Zeit und Ewigkeit ist mit Blick auf die Offenbarung jedoch theologisch zu hinter¬fragen. Kritik kommt vor allem im 20. Jahrhundert u.a. von Karl Barth auf, der Ewigkeit als Explikation göttlichen Lebens trinitarisch verstehen will. Mit der These Eberhard Jüngels „Ewigkeit ist Gott selbst im Vollzug seiner Existenz als Vater, Sohn und heiliger Geist“, findet die trinitarische Näherbestimmung des Ewigkeitsbegriffs ihren bisherigen Höhepunkt. Diese These soll meinem Projekt als Ausgangspunkt und Grund¬lage dienen. Ist es in diesem Sinne möglich einen trinitarischen Ewigkeitsbegriff zu expli¬zieren? Wenn Gott selbst Ewigkeit ist, was ist dann Zeit? Und wie ist Gott – und damit Ewigkeit – in der Zeit denkbar?
Als Gesprächspartner für eine trinitarische, d.h. personal-relational zu verstehende Ewigkeit sollen nach und im Ausgang von Eberhard Jüngel Wolfhart Pannenberg und Hans Urs von Balthasar herangezogen werden. Beide Theologen denken geschichtstheologisch von der Forderung Barths nach einer Befreiung der Ewigkeit aus dem Gegensatz zur Zeit her und entfalten in ihrer jeweiligen Trinitätstheologie ein spezifisches Interesse an einer Verhältnis-bestimmung von Ewigkeit und Zeit. Es gilt unter Beachtung der spezifischen Ansätze die Entwicklung des jeweiligen trini¬tarischen Ewigkeitsbegriffs zu analysieren. Dabei wird die je unterschiedliche Akzentuierung und Denkstruktur herausgestellt. Insbesondere die zentrale Stellung des Christusereignisses und die Bedeutung der Christologie im Rahmen der Trinitätstheologie für eine Verhältnisbestimmung von Zeit und Ewigkeit sind zu beachten. Überdies kommen mit zwei evangelischen und einem katholischen Autor beide Tradi¬tionen in ihrem Potential und ihrer Unterschiedlichkeit zur Berücksichtigung, was zugleich einen ökumenischen und kritischen Vorteil hat. Trotz der ähnlichen Ausgangspunkte der Gedanken sind das Vorgehen und die Konzepte der drei Theologen jedoch sehr unter¬schiedlich.
Auf der Grundlage dieser Analyse werden die drei Autoren und ihre Entwürfe miteinander ins Gespräch gebracht. Es soll nicht darum gehen einen Vergleich der Begriffe und eine Abwägung der jeweiligen Stärken und Schwächen vorzunehmen. Vielmehr soll die jeweilige Position als Ganze und in ihrer vielfältigen Verknüpfung betrachtet werden. Die sich daraus ergebenden Begrifflichkeiten werden in ihrer Bedeutung und unter Beachtung ihrer jeweiligen Entwicklung miteinander ins Gespräch gebracht. Daraus ergibt sich nicht nur eine vom trinitarischen Gott her verstandene Auffassung von Ewigkeit, sondern gerade das Verständnis der Zeit wird sich entsprechend verändern.

Katharina Hellwig

Forschungsprojekt:

Aufarbeitung der Geographien der Moral für die Theologische Ethik

In dieser Arbeit sollen zunächst verschiedene Ansätze der Geographien der Moral aufgezeigt, beschrieben und kritisch geprüft werden. Das grundlegende Interesse der Untersuchung besteht darin danach zu fragen, welche impliziten Ethiken die Vertreter der Geographien der Moral verwenden bzw. auf welchen ethischen Kategorien und Theorien sie ihre Argumentation aufbauen? In einem zweiten Teil der Arbeit soll es daran anschließend um die Frage nach der Relevanz der Ansätze für die Theologie gehen. Denn so, wie Moral und Ethik in einer raum- und sozialorientierten Wissenschaft wie die (Human-)Geographie eine Rolle spielen kann (vgl. 'moral geographies'), wird vermutet, dass geographische Axiome sowie Raumvorstellungen auch in der Theologie präsent sind. Diesem nachzugehen, ist Ziel des zweiten Teils der Untersuchung.

Mit Hilfe der Analyse der Geographien der Moral sollen - ohne alle  Aspekte vollständig erfassen zu können - Anschlusspunkte für die Theologische Ethik aufgedeckt und somit die Geographien der Moral für die Moraltheologie fruchtbar gemacht werden.

Anna Karger-Kroll

Forschungsprojekt:

Die Frage nach sozialer Gerechtigkeit im deutschen Rentenversicherungs­system angesichts der Pluralisierung der Lebens- und Erwerbsformen in der Bundesrepublik Deutschland

Das Forschungsprojekt setzt sich mit der Frage nach der gerechten Verteilung von Zahlungen in und Leistungen aus der deutschen Rentenversicherung angesichts der Pluralität der Lebens- und Erwerbsformen in der Bundesrepublik Deutschland auseinander. Hierbei werden die Prinzipien der Gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) in christlich-sozialethischer Perspektive auf den Prüfstand gestellt, da sich die Orientierung der GRV an einer „Normalfamilie“ und einer „Normalerwerbsarbeit“ immer weiter von der Realität der Partnerschafts- und Familienformen als auch der Arbeitsverhältnisse entfernt. Von besonderer Bedeutung wird in diesem Kontext die Frage sein, ob aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklungen von einem Bedeutungsverlust der christlichen Leitbilder von Ehe und Familie auszugehen ist und ob bzw. inwieweit diese weiterhin als mehrheitsfähig gelten können. Die Theologie steht hier vor der Herausforderung, das christliche Ideal von Ehe und Familie zu vertreten und dennoch nicht die Augen vor der sozialen Wirklichkeit zu verschließen, in der Leitbilder und reale Lebensverhältnisse häufig auseinanderklaffen und die damit einhergehende Pluralität nicht bestritten werden kann. Demnach sollen normative Leitbilder und Werte ethisch reflektiert werden, um der Vielfalt an Lebensentwürfen aus christlicher Perspektive adäquat begegnen zu können. Die Konfrontation der Prinzipien der GRV mit der Pluralisierung der Lebens- und Erwerbsformen lässt anschließend die sozialpolitische Ambivalenz deutlich zutage treten. Es soll dargelegt werden, ob bzw. inwieweit eine Ungleichbehandlung der unterschiedlichen Lebensentwürfe in der GRV stattfindet und wie diese ethisch zu rechtfertigen ist. Um dies beurteilen zu können, erscheint es sinnvoll, die christlich-ethische Forderung nach sozialer Gerechtigkeit in Verbindung mit dem Diskurs um Egalitarismus bzw. Nonegalitarismus zu bringen. Auf dieser Grundlage wird ein normativer Maßstab gewonnen, mit dem die Frage nach Gerechtigkeit im deutschen Rentenversicherungssystem angesichts der Vielfalt der Lebens- und Erwerbsformen aus sozialethischer Perspektive beantwortet werden kann.

Dominique-Marcel Kosack

Forschungsprojekt:

Erlösung des Selbst. Hermeneutik und Kategorien einer spätmodernen Soteriologie

Theologische Verstehensmodelle verändern sich mit dem Kontext, in dem Sie entwickelt werden. Das zeigt sich besonders deutlich an der Reflexion des christlichen Erlösungsglaubens (Soteriologie). Eine Theologie, die z.B. mit Vorstellungen einer hierarchischen Welt- und Gesellschaftsordnung arbeitet, bringt einen anderen soteriologischen Entwurf hervor als eine Theologie, die vom modernen Autonomie- und Subjektdenken bestimmt ist. Dieser geschichtliche Wandel der Kategorien ist notwendig, da sonst eine Ungleichzeitigkeit von soteriologischer Reflexion und deren Kontext entsteht.

Die katholische Theologie, insbesondere die Soteriologie ist in den letzten Jahrzehnten zunehmend durch die modernen Schlüsselbegriffe ‚Autonomie‘ und ‚Subjekts‘ geprägt. Diese (epochal verspätete) Entwicklung wirkt dem Problem der Ungleichzeitigkeit entgegen, löst es aber möglicherweise nicht. Denn die Voraussetzungen für theologische Modelle haben sich bereits gegenüber der ‚klassischen‘ Moderne weiterentwickelt. Um überhaupt als freies Subjekt auftreten zu können, muss der einzelne Mensch zunächst bestimmen, wer er eigentlich ist – muss ständig beruflich, privat, virtuell usw. artikulieren und inszenierten, was ihn authentisch ausmacht.

Ziel des Dissertationsprojektes ist es, diese spätmoderne Verschiebung der Schlüsselkategorien für die Soteriologie nachzuvollziehen – von der ‚Autonomie‘ zur ‚Authentizität‘ und ‚personalen Identität‘. Bietet ein solcher, veränderter Zugang zum christlichen Erlösungsglauben die Möglichkeit, diesen unter spätmodernen Voraussetzungen nachvollziehbar zu explizieren und zu reflektieren?

Bernhard Kronegger

Forschungsprojekt:

Die Katholische Kirche in Palästina. Internationale Politik, interreligiöse Beziehungen und interne Auseinandersetzungen in der Zwischenkriegszeit (1918-1939)

Das Forschungsprojekt widmet sich der Untersuchung katholischer Präsenz und kirchlichen Wirkens in Bezug auf das Mandatsgebiet Palästina in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Dabei werden primär folgende Bereiche untersucht:
•    Die diplomatischen Initiativen des Heiligen Stuhls in Bezug auf Palästina
•    Das Verhältnis von katholischer Kirche und Mandatsverwaltung
•    Die Beziehungen der katholischen Kirchenhierarchie zu den anderen Konfessionen und Religionen
•    Die innerkatholischen Konflikte im Heiligen Land
Bedeutend für das Projekt ist die Vielschichtigkeit und Komplexität katholischer Präsenz – die katholische Kirche realisiert sich hier als

1.    Weltkirche
           Heiliger Stuhl
           Versch. Kongregationen
2.    Kirche vor Ort
          Römischer Ritus
              Lateinisches Patriarchat
              Franziskaner (Kustodie)
              Etliche Ordensgemeinschaften
          Byzantinischer Ritus
              Melkitische Kirche
          Antiochenischer Ritus
              Maronitische Kirche
Im Gegenüber zu
1.    Weltlichen Akteuren
          Regierung Großbritanniens
          Mandatsregierung Palästinas
          Andere Regierungen (Italien, Frankreich, Deutschland etc.)
2.    Anderen religiösen Gemeinschaften
          Juden
         Muslime
         Andere christliche Konfessionen (Griechisch-Orthodoxe, Anglikaner, Protestanten, Kopten etc.)

Quellen
Um das Projekt auf eine breite Quellenbasis zu stellen wurden folgende Zentralarchive der katholischen Kirche ausgewertet:
    Archivum Apostolicum Vaticanum,  Vatikan [AAV]
    Archivio della Congregazione degli Affari Ecclesiastici Straordinari, Vatikan [AAEESS]
    Archivio Storico della Congregazione per l'Evangelizzazione dei Popoli, Rom [ASPF]
    Archivio Storico della Congregazione pro Ecclesiis Orientalibus, Rom [ASPEO]
    Archivio storico Generale dell'Ordine dei Frati Minori, Rom [AGOFM]

Lea Lerch

Lea Lerch

Forschungsprojekt:

Modernisierung durch Kulturkritik. Historischer Kontext und theologische Heterogenität der Liturgischen Bewegung

Die Liturgische Bewegung des 20. Jahrhunderts nimmt sich als Zeugin einer historischen Zäsur wahr, welche die von der Aufklärung geprägte Epoche beendet. Daraus entsteht ein ‚Zugleich‘ von modernekritischen Gegenwartsanalysen und spezifischem Anspruch auf Modernität, das die Liturgische Bewegung mit kulturkritischem Denken der Zwischenkriegszeit verbindet. In zeittypischer Weise präsentiert sie die eigenen fachspezifischen Anliegen als umfassende Antwort auf ebenso akute wie zukunftsentscheidende Fragen. Ein zentrales zeitgenössisches Motiv, das in theologischer Wendung von der Liturgischen Bewegung aufgenommen wird, ist die Suche nach einer neuen Verhältnisbestimmung von Individuum und Gemeinschaft im gesellschaftlich-politischen Bereich: Dieses Grundanliegen bestimmt zeitgenössische Deutungen und Sinngebungen des Ersten Weltkriegs und setzt sich im kulturkritischen Denken der Weimarer Republik fort. Insbesondere die Kontextualisierung der Liturgischen Bewegung mit den „Ideen von 1914“ als einem anlässlich des Ersten Weltkriegs geführten Diskurs über Freiheit in politischer, gesellschaftlicher und anthropologischer Hinsicht ermöglicht daher ein neues Verständnis des spezifischen, liturgiebezogenen Gemeinschaftsdenkens der Liturgischen Bewegung sowie ihrer Zeitdiagnosen, ihrer Geschichtsbilder und ihres Selbstverständnisses als einer katholisch-theologischen Erneuerungsbewegung. Diese Anliegen sind in der Rede von der „Objektivität“ der Liturgie konzentriert – einem Leitmotiv der Liturgischen Bewegung in ihren Reflexionen gesellschaftlicher wie theologischer Modernisierung. Funktionen und Bedeutungen dieses semantisch variablen Schlagworts werden anhand der einzelnen Theologen analysiert. Die Kontextualisierung mit dem außertheologischen gesellschaftlichen und geistigen Umfeld ist die Basis für ein neues Verständnis der Liturgischen Bewegung als solcher ebenso wie für eine differenzierte Sicht auf ihre einzelnen Protagonisten, deren Umfelder – und somit auf die innere Heterogenität der Liturgischen Bewegung.

Scott Moore

Forschungsprojekt:

Baptismal Remembrance: Forming Christian Identity in Diaspora Contexts

Martin Luther's understanding of baptism is one of the significant driving forces of his theology. It forms the basis for Christian identity, and he emphasized a daily remembrance of this ontologically transforming reality. Throughout history, particularly in recent years among some churches within the Lutheran tradition, there has been a growing awareness of liturgies of baptismal remembrance. This study will take a look at the baptismal theology of Martin Luther and the idea of "remembering" one's own baptism as an act of Christian identity formation. The history, development, and ritual expressions of liturgies of baptismal remembrance will also be addressed. Finally, this project will investigate the significance of these learnings in light of diaspora contexts. The two primary contexts will serve as case studys of how Christian identity in such minority contexts might be formed through such ritual encounters. These contexts are the former East Germany and the Pacific Northwest Region of the United States.

Theresia Niesing

Theresa Pabst

Forschungsprojekt:

Gemeindeliturgie als Beheimatung in der ostdeutschen Diaspora des 19. und 20. Jahrhunderts

Im Blick auf die religiöse Situation im Mitteldeutschen Chemiedreieck, dem Raum um die Industriestandorte Bitterfeld, Halle/Merseburg und Leipzig, lassen sich für das 19. und 20. Jh. zwei grundlegende Einschnitte konstatieren: Siedelten sich im Zuge der Industrialisierung vor allem katholische Arbeiter und Priester im seit der Reformation ausschließlich protestantischem Chemiedreieck an, so kamen gegen Ende des 2. Weltkriegs noch Flüchtlinge und Umsiedler aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten hinzu. Innerhalb eines Jahrhunderts versuchten katholische Christen in dieser Region ein neues Leben zu beginnen und eine neue Heimat an einem neuen Ort zu finden.

In meinem Promotionsprojekt untersuche ich, inwieweit Gemeindeliturgie die Funktion von Beheimatung übernehmen kann und zwischen 1820 und 1990 im Mitteldeutschen Chemiedreieck übernahm. Grundlage bildet hierbei die systematische Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlichen, soziologischen, anthropologischen und theologischen Heimatbegriff und dessen Verortung in einem liturgietheologischen Horizont. Dabei werden Chancen und Grenzen der jeweiligen Begriffsbestimmungen aufgezeigt. Mit Blick auf die Entwicklung der Gemeindeliturgie im Mitteldeutschen Chemiedreieck zwischen 1820 (erste katholische Messfeiern werden von westfälischen Missionspriestern gehalten) und 1990 (Ende der Repressalien gegenüber Religion und öffentlichen liturgischen Handlungen durch die DDR-Regierung) werden die verschiedenen kulturellen und theologischen Aspekte von Heimat und Beheimatung behandelt. Die Studie geht davon aus, dass Liturgie zum Prozess der Beheimatung beiträgt.

Parallel untersuche ich anhand von historisch-deskriptiven Quellen wie Pfarrchroniken, Pfarrbriefen, erhaltenen Predigten und Ansprachen, Korrespondenzen zwischen der Bistumsleitung und den jeweils in den Pfarreien Verantwortlichen sowie Schreiben der Seelsorgeämter (zumeist in Form der Zurechtweisung), aber auch von Korrespondenzen zwischen Staat und kirchlichen Vertretern vor allem zwischen 1949 und 1990, inwieweit Gemeindeliturgie in den nicht näher im Ordo missae vorgeschriebenen Elementen wie Gesang, prozessionalem Geschehen, Art und Weise der Teilnahme der Gläubigen durch den Prozess der Beheimatung bewusst oder unbewusst verändert wird. Hierbei wird rückgefragt werden, ob, und wenn ja, inwieweit sich die theologische und kulturelle Verortung von Heimat und Beheimatung in der neu ausgeformten, respektive neu geschaffenen Form von Gemeindeliturgie veränderte.

In meinem Forschungsprojekt beschränke ich mich auf die Untersuchung der Höhepunkte der Gemeindeliturgie: In der sonntäglichen Eucharistiefeier versammelt sich die ganze Gemeinde an einem Ort, um gemeinsam Eucharistie zu feiern. Hier kommen alle Gläubigen mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen von Sonntagsgottesdiensten und deren Ausgestaltung zusammen, hier bringen sie ihre Spiritualtität ein. In besonderer Weise geschieht das in Festtagsgottesdiensten. Diese bieten einen weiten Raum zur Ausgestaltung ritueller Handlungen und liturgischer Riten. "Heimatliche" Elemente in Form von Liedgut und Prozessionsgängen wie auch äußere Faktoren (Gottesdienstraum, politische Repression) finden hier verstärkt Einfluss. Daneben untersuche ich die aufgrund des Priestermangels in der ostdeutschen Diaspora unter der DDR-Regierung entstandenen sonntäglichen Stationsgottesdienste (Wortgottesdienste mit anschließender Kommunionausteilung, gehalten von beauftragten Laien); leitend ist dabei der Aspekt der Beheimatung und Schaffung einer neuen Heimat.

Ziel der Arbeit ist es, anhand von Beispielen aus dem Mitteldeutschen Chemiedreieck die gesellschaftliche, kulturelle, psychologische und theologische Dimension von Beheimatung in der Gemeindeliturgie zu erforschen. Meine Untersuchung ist hierbei an der Schnittstelle von Gesellschafts- und Geschichtswissenschaft sowie Theologie angesiedelt.

Anna Reinhardt

Forschungsprojekt:

Kirchliche Initiativen zur deutsch-polnischen Versöhnung vor 1965. Kurt Reuter und sein Wirkungskreis

Das Promotionsprojekt befasst sich mit den Anfängen deutsch-polnischer Versöhnungsarbeit in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg. Als erste Zeichen kirchlicher Annäherung der beiden Nachbarvölker gelten weithin der Briefwechsel der polnischen und deutschen Bischöfe und die Denkschrift der Evangelischen Kirche Deutschlands aus dem Jahr 1965 sowie das Bensberger Memorandum von 1968. Erst zwei volle Jahrzehnte nach Kriegsende traten diese namhaften Anzeichen des Miteinanders an die Öffentlichkeit. Vorausgegangen waren ihnen dabei wohl einige persönliche Initiativen zur Aussöhnung von Deutschen und Polen, die nun den Kontext der Recherchen bilden. Im Mittelpunkt derselben steht der Berliner Priester Kurt Reuter (1908-1965), der von seiner Pfarrstelle  in Eberswalde aus zahlreiche Kontakte zum polnischen Episkopat pflegte und den Versand großer Mengen an theologischer Literatur organisierte. Dadurch wurde er zu einem Vorreiter der Versöhnungsarbeit. Ausgehend von Reuters Wirken soll untersucht werden, ob sich im Zeitraum vor 1965 Netzwerke von Akteuren der deutsch-polnischen Annäherung aufzeigen lassen. Zudem wird der Blick auf weitere Initiativen der Polen-Unterstützung gelenkt, die über das direkte Umfeld Reuters hinausreichten. Darüber hinaus soll auch die polnische Sichtweise in den Fokus rücken: Wie wurden die Bemühungen aus Deutschland aufgenommen? Konnte die nach Polen versandte Literatur für die dortige theologische Ausbildung genutzt werden? Gegenstand der Recherchen sollen demnach sowohl die ersten grundlegenden Versöhnungsschritte deutscher Akteure als auch die Reaktionen und Auswirkungen auf polnischer Seite sein.

Dr. Rowena Roppelt, PhD

Habilitationsprojekt:

„Aus dem Herzen Korbinians gewachsen“. Die Jugendkorbinianswallfahrt in der Erzdiözese München und Freising

Jugendliturgie ist im Fach Liturgiewissenschaft ein bisher kaum untersuchtes Thema, und die Jugendkorbinianswallfahrt bietet mit ihrer langen Geschichte einen einzigartigen Einblick in dieses Feld. Denn seit 1942 pilgern junge Menschen zum Freisinger Domberg, um gemeinsam das Fest des Heiligen Korbinian zu feiern. Natürlich sieht dieses Fest der Jugend heute ganz anders aus als vor 70 Jahren. Insbesondere hat sich die Form der Jugendkorbinianswallfahrt nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil stark verändert. Ziel meiner Arbeit ist es, diese Veränderungen zu untersuchen, um besser verstehen zu können, wie Liturgie mit und für junge Menschen funktionieren kann. Folgende Fragen werden gestellt: Wie hat sich das Verständnis von Liturgie mit Jugendlichen seit dem Konzil verändert und wie hat sich diese Veränderung auf die liturgische Gestaltung der Jugendkorbinianswallfahrt ausgewirkt? Wie geht dieser Prozess weiter? Schon am Anfang der Jugendkorbinianswallfahrt in den 1940er und 1950er Jahren sind Elemente der Liturgie geändert oder adaptiert worden, um die jungen Pilger in die Liturgie zu integrieren. Jedes Jahr ist die Geschichte des Hl. Korbinian neu ausgelegt worden, um eine Verbindung mit dem Leben junger Menschen herzustellen. Musik, Raumgestaltung und die Auswahl von Texten spielten in diesem Prozess eine wichtige Rolle. Nach dem Konzil macht die Gestaltung der Jugendkorbinianswallfahrt einen Umbruch im Verständnis von „jugendgemäßer“ Liturgie deutlich. Die Wallfahrt wird jedes Jahr unter einem anderen „Motto“ veranstaltet und die Verbindung mit dem Bistumsheiligen und seinem Nachfolger weniger stark betont. In den Liturgien, geplant und durchgeführt von den Mitgliedsverbänden des Bundes der Katholischen Jugend (BDKJ), ist die aktive und bewusste Teilnahme der Jugendlichen das vornehmliche Ziel. Solche Teilnahme wird durch die Inkulturation der Liturgie in die Lebenswelt der Jugend mit ihrer Symbolik, ihrer Sprache und Musik, ihren Hoffnungen und Sorgen gefördert. Die Verbindung zwischen Liturgie und Gerechtigkeit kommt deutlich zum Ausdruck. Ein neues Verständnis von der Kirche und von sich selbst als Mitglieder der Kirche ist das Erbe des Konzils an die Jugend, ein Verständnis, das in der Gestaltung der Liturgie zum Ausdruck kommt. Wer sich an der Jugendkorbinianswallfahrt beteiligt, sucht den eigenen Platz in der Kirche und will gemeinsam mit anderen jungen Menschen die Kirche und die Gesellschaft mitgestalten. In der Liturgie stoßen aber auch die jungen Pilger an Grenzen dieser neuen Mitgestaltungsmöglichkeiten. Denn hier werden sie mit der Frage konfrontiert: Wie viel Vielfalt verträgt die eine katholische Kirche

Thomas Sojer

Forschungsprojekt:

Simone Weil's philosophical scrutinies of the New Testament

The French philosopher Simone Weil (1909-1943) thinks of human life as a cruciform existence. Weil addresses the topos of the Passion, a narrative intensively loaded with significance and an object of much philosophical thought, both outside and inside different theological and religious hegemonies of knowledge. The death of God in the Christ figure, the intellectual child of the New Testament in late modernity, does not form an object of Weil's philosophy among others but it rather turns out to signify the very subject of thought from which world and history are to be read, particularly in the context of atheistic materialism. In my PhD project, I examine Weil's philosophical scrutinies of the death narratives and interpretations of the Christ figure in the New Testament's set of textual material. Artistically and performatively Weil’s handwritten testimonies create intercultural superimpositions of sacred texts of different religions with philosophy, literature, and mythologies, arranged to play with contradictions, fractures, and epistemic voids. A combined methodological approach adds to my philosophical investigation into Simone Weil's scrutinies of the New Testament and employs concepts of literary criticism and reception studies. The close-reading of the female philosopher draws nuanced conclusions about the practices and techniques in the reception of the New Testament in 20th-century French philosophy. Simone Weil’s specific form, methods, and performances of reception and re-appropriation compel contemporary philosophical and ethical debates to depart from fixed imaginaries and interpretations of human suffering, enabling new paths, especially concerning the recent metaphysical turn in materialist thought.

Dr. Petr Stica

Habilitationsprojekt:

Kirche in der Diaspora. Theologisch-ethische Reflexion der Beziehung von Kirche und Gesellschaft im Spannungsfeld der Öffentlichkeit am Beispiel der katholischen Kirche in Tschechien nach 1989

Ziel des Projekts ist die theologisch-ethische Reflexion der Beziehung von Kirche und Gesellschaft in einer spezifischen religiösen und sozialen Situation – in einer stark säkularisierten Gesellschaft. Die tschechische Gesellschaft gilt seit langem als eine Gesellschaft mit geringem Interesse an institutionalisierter und organisierter Religion und wird zusammen mit der Region der ehemaligen DDR als „die atheistischste Region Europas“ bezeichnet. Der Schwerpunkt der Forschung liegt auf der katholischen Kirche in Tschechien. Untersucht wird, welche Rolle die katholische Kirche in der Öffentlichkeit in Tschechien nach 1989 gespielt hat, welche Rolle sie aktuell spielt und welche Rolle sie zukünftig übernehmen kann. Es wird gefragt, wie – mit welchen Mitteln und mit welchem Dispositiv – sich die katholische Kirche am gesellschaftlich-politischen Diskurs beteiligt und wer von den kirchlichen Akteuren sich in dieser Periode als politisch-relevanter Akteur profiliert hat. Für die Datenerhebung und Datenauswertung ausgewählter diskursiver Felder wird die Methode der Diskursforschung angewandt. Es sollen theologisch-ethische Kriterien entwickelt werden, welche für das Handeln der Kirche von heute, die in einer stark säkularisierten Umgebung wirkt, von grundlegender Bedeutung sind.

Stephan Tilch

Forschungsprojekt:

Das Absolute als „nicht nur gedacht“. Wolfgang Cramer und die Debatte um den metaphysischen Realismus

Das Forschungsprojekt versucht das Denken des kaum bekannten Philosophen Wolfgang Cramer systematisch aufzuarbeiten und für die aktuelle Debatte um den metaphysischen Realismus fruchtbar zu machen. Diese seit einigen Jahren schwelende Debatte in der deutschsprachigen Theologie hat insbesondere die Frage nach der Möglichkeit oder gar Notwendigkeit von Metaphysik zum Gegenstand. Während Theologen und Philosophen, die sich der analytischen Denktradition verpflichtet wissen, wieder zu größerem spekulativen Mut auffordern, sehen kantisch geprägte Autoren darin einen Rückfall hinter die „kritische Wende“. Die Debatte hat im Streit um das Verhältnis von Wahrheit und Freiheit eine eminent kirchenpolitische und politische Dimension.

Wolfgang Cramer ist vor diesem Hintergrund deshalb von Interesse, weil er sich aus der kantischen Tradition selbst vom transzendentalen Idealismus abstößt und so eine dezidiert nach-kantische Metaphysik entwickelt. Er nimmt damit eine vermittelnde Position ein. Diese Metaphysik beansprucht kein umfassendes Wissen über alles, was ist, aber doch, dass äußeres Sein „nicht nur gedacht“ ist. Mit dieser Bestimmung versucht Cramer die Notwendigkeit und Möglichkeit einer Theorie des Absoluten zu entwickeln. Cramers philosophische Gotteslehre kann dann nicht nur ein Schlüssel für die Frage des Verhältnisses von Gott und Welt, absoluter und endlicher Freiheit sein, sondern auch einen Weg zur Versöhnung von Realismus und Anti-Realismus aufweisen.

Die Arbeit dekliniert Cramers Denken entlang der neuralgischen Punkte der aktuellen Debatte und versucht, das enthaltene Lösungspotential zu heben und seine theologische Anschlussfähigkeit zu zeigen.

Christopher Tschorn

Forschungsprojekt:

Die Rezeption der Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils im Bistum Berlin von 1959-1989

Das Dissertationsprojekt untersucht die Umsetzung der Liturgiekonstitution „Sacrosanctum Concilium“ im Bistum Berlin. Gerade die Berliner Ortskirche stellt ein sehr spannendes Forschungsobjekt dar, um sich mit der Rezeption der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils auf lokaler Ebene zu beschäftigen. So leben die katholischen Christen dieser Diözese nicht nur sowohl in einer großen Weltmetropole wie in einer weiten, ländlichen Region vom Fläming bis nach Pommern, sondern auch in einem Gebiet, das sich durch eine doppelte Diasporasituation auszeichnet. Besonders interessant ist zudem die Situation des Bistums zur Zeit des Kalten Krieges. Während der größere Teil der Gläubigen im kulturell pluralen Westberlin wohnte, sahen sich die ostdeutschen Gläubigen einer atheistischen Diktatur gegenüber, die das freie Ausleben des Glaubens nach Möglichkeit systematisch behinderte. Auf die Zeit jener einzigartigen politischen Ost-West-Situation, in der sich die Diözese befand, soll daher auch das Hauptaugenmerk dieser Dissertation gelegt werden.

Abgeschlossene Projekte

Dr. Annika Bender

Annika Bender
Der christliche Sonntag. Theologische Bedeutung und gesellschaftliche Relevanz aus liturgiewissenschaftlicher Perspektive
(Erfurter Theologische Studien 114)
Würzburg: Echter 2018
ISBN 978-3-429-05333-8
24,00 €

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Dr. Henning Bühmann

Forschungsprojekt:

„Die Stunde der Volksmission“ – Rechristianisierungsbestrebungen im deutschen Protestantismus in der Zwischenkriegszeit

Ziel des Promotionsvorhabens ist es, den Umgang konservativer protestantischer Kreise mit Entkirchlichungstendenzen im frühen 20. Jahrhundert und die ergriffenen Gegenmaßnahmen darzustellen und zu analysieren. Beispielhaft sollen anhand von Publikationen, Presseartikeln und Archivalien die Rezeption des 1916 durch den Rostocker Theologen Gerhard Hilbert in den protestantischen Diskurs eingebrachten Begriffes „Volksmission“ und die Versuche praktischer Umsetzung von „Volksmission“ analysiert werden.
Hierbei liegt ein Hauptaugenmerk auf der Arbeit der Evangelistischen Abteilung des Central-Ausschusses für Innere Mission, der einerseits eine Koordinationsfunktion für „Volksmission“ beanspruchte, andererseits auch eigene Berufsarbeiter beschäftigte. Als Leitthemen dienen die Zielvorstellung volksmissionarischer Konzepte sowie das Verhältnis der Volksmissionsbewegung zu nationalen und völkischen Ideen. Chronologisch soll neben der Weimarer Republik auch die Frühzeit des Nationalsozialismus mit in die Untersuchung einbezogen werden, in der das Anliegen der Volksmission breit diskutiert wurde.

Dr. Marlen Bunzel

Forschungsprojekt:

Zum Beziehungsraum zwischen Ijob und Gott. Eine Wortfeldanalyse in Ijoberzählung und Ijobreden

Gegenstand des geplanten Forschungsprojektes ist der Beziehungsraum, der in der narrativen Rahmenhandlung des Ijobbuches sowie in den Reden Ijobs zwischen Ijob und Gott aufgebaut wird. Der Zugang zu diesem Thema wird zum einen über die (konstellative) Anthropologie, zum anderen über die Arbeit mit der Kategorie des Raumes erfolgen.
Dabei wird das Ermitteln der verschiedenen Wortfeldebenen eine Interpretationshilfe für die Konstituierung des Beziehungsraumes zwischen Ijob und Gott schaffen.
Folgende Fragen sollen dabei geklärt werden: Wie sieht Ijobs Gottesbeziehung vor den Schicksalsschlägen aus, und wie ist sie am Ende des Buches zu beschreiben? Wo ist sein Gott, der ihn bisher in einem geschützten und gesegneten Raum hat leben lassen, und ihn nun aus scheinbar unerfindlichen Gründen aus diesem Schutzraum gestoßen hat? Hat er ihn überhaupt aus dem geschützten Raum gestoßen? Wie verändert sich darauf hin Ijobs Beziehung zu Gott? Wie verändern sich die Räume? Steht der Zerfall seines Leibes in Wechselwirkung zu seiner Gottesbeziehung? Und schließlich: Wie bietet das Ijobbuch dem Leser die Metapher des Raumes als Bild für die Gottesbeziehung Ijobs an?
In der Person Ijobs kann nachvollziehbar werden, dass der alttestamentliche Mensch ganz selbstverständlich aus der Gestaltung eines Beziehungsraumes zu Gott lebt – was in unserer säkular gewordenen Welt alles andere als selbstverständlich ist. Während der Lebensraum des alttestamentlichen Menschen, in dem Gott immer schon anwesend ist, niemals verlassen wird, stellt es heute selbst für Christen eine Schwierigkeit dar, in einen Beziehungsraum zu Gott „hereinzukommen“. Der heutige Leser des Ijobbuches kann mit Ijob in einen Beziehungsraum zu Gott eintreten. Auf diese Weise soll insbesondere Christen in der Diaspora sowie Nichtchristen die existentielle Bedeutung der biblischen Texte – exemplarisch anhand des Ijobtextes – vermittelt werden, die unseren Kulturkreis bleibend prägen.

Dr. Jude Nirmal Doss

Forschungsprojekt:

Human Transformation: Becoming Mirror of Grace

“No Christian doctrine has met with so many heresies as the doctrine of grace, and this from the fourth century, the time of Pelagius, up to our own days,” says Peter Fransen. Many theologians have explored and tries to explore the meaning of grace according to the science of the time. However, the ambiguity in exploring the theology of grace is not completely ruled out. This thesis is an attempt in trying to clarify the ambiguity and to deepen the understanding. The key concept or word of this thesis is “Transformation,” which will be explored scripturally, theologically and contextually on the basis of experience and anthropology.  Scripturally: Paul uses this term twice in his letters (2 Cor 3:18 and Rom 12:2). Theologically: for the transformation of human the absolute necessity of grace is predominant (Augustine), which has to be experienced transcendentally (Karl Rahner), as well as, socially (Leonardo Boff). Contextually: Concept of grace, a theological term, which is present in many religions, is in no way confined to Christianity. In Hinduism grace (kripa) as the ultimate key required for spiritual self-realization. In Islam Paradise is something of immense value; a person cannot earn it by virtue of his deeds alone, but by the Grace and Mercy of Allah. This thesis is an attempt to articulate a comprehensive theology of grace relevant to Indian context. My personal contribution, as a catholic theologian as well as the citizen of India, could be to explore some agendas to promote the Inter-Religious dialogue in a more profound manner.  

Michael Hartmann

Forschungsprojekt:

Stadt mit Gott?! Das ökumenische Kirchenprojekt im Freiburger "Vorzeige"-Stadtteil Vauban

Wo muss hingesehen werden, um eine „Stadt mit Gott“ in einer säkularen Welt zu entdecken? Und welche Rolle hat darin eine institutionelle Form von Kirche?

Im Stadtteil Vauban hat sich der Geist Freiburgs auf eine eigene Weise ausgedrückt: Bürgerinnen und Bürgern haben sich – ähnlich wie beim Freiburger Münster und oft gegen den Willen der Entscheidungstragenden – eine Art Kathedrale gebaut, diesmal nicht zu höheren Ehre Gottes und um den Himmel auf Erden zu bringen, sondern um für den ökologischen Fortschritt ein Zeichen zu setzen und dem sozialen Miteinander Raum zu geben. In rund zwanzig Jahren ist hier ein Symbol moderner urbaner Lebenskultur entstanden. Manche belächeln es als einen „Abenteuerspielplatz für Erwachsene“  oder ein „Grünes Ghetto“   für reiche Akademiker/-innen, andere heben den Stadtteil als weltweit vorbildliches Beispiel zum nachhaltigen Umgang mit der Umwelt hervor.

An diesem Ort existiert, gegen so manche Vorbehalte und Vermutungen, auch kirchliches und christliches Leben, das sich im ökumenischen Kirchenprojekt „Kirche im Vauban“  äußert. In ihm konkretisiert sich ein „Andersweg“ von Kirche Sein, welcher sich im Laufe der Zeit herauskristallisiert hat und den ich mit dieser Arbeit vorstellen möchte.

Dieses Kirchenprojekt schließt an viele Fragestellungen und Veränderungsprozesse an, die derzeit gesellschaftlich und besonders kirchlich im Rahmen der Auseinandersetzungen um Religion in einer säkularen und modernen Welt oder in der Ökumene diskutiert werden. Diese Arbeit wechselt die Perspektive und zeigt gegenwärtiges kirchliches Leben von unten. Auf die Fragen und Probleme die dort bestehen, möchte ich mit dieser Arbeit aufmerksam machen.

Des Weiteren greift die Arbeit Fragen auf, die im Bereich des ökumenischen Projekts „Kirche findet Stadt“ innerhalb des Nationalen Stadtentwicklungspolitik des Bundesbauministeriums seit 2011 diskutiert werden.  Dort stehen kirchliche Gemeinden und Wohlfahrtsverbände als Akteure für eine integrierte Stadtteilentwicklung im Fokus. Diese Fragen haben das Ansinnen, neue Strategien für vorhandene Gebäude und Gemeinde zu entwickeln sowie die Bedeutung kirchlicher Arbeit für das Gemeinwohl herauszustellen. Besonders drängend sind in diesem Feld die Fragen nach der Umwidmung von Sakralbauten und Gemeinderäumen  oder nach der Wiederentdeckung der Kirchengemeinde als einen Teil der Bürgergemeinde.  Das ökumenische Kirchenprojekt im Vauban, das davon unabhängig - wie auch diese vorliegende Arbeit - entstand, weist auf Punkte hin, die sich aus einer Stadtteilentwicklung ohne vorhandene (kirchliche und soziale) Strukturen ergeben. Die Erfahrungen können von daher einen Beitrag leisten, die Rolle von Kirche in Stadtteilen zu bedenken.

(Auszug aus der Einleitung in: Stadt mit Gott?! Das ökumenische Kirchenprojekt im Freiburger "Vorzeige"-Stadtteil Vauban [Forum Religion & Sozialkultur 28], Berlin 2014.)

Dr. Sebastian Holzbrecher

Promotionsthema:

Der Aktionskreis Halle. Postkonziliare Konflikte im Katholizismus der DDR

 

Habilitationsprojekt:

Jesuiten in Erfurt (1563–1664)

1563 kamen erstmals Mitglieder des wenige Jahre zuvor von Ignatius von Loyola gegründeten Jesuitenordens nach Erfurt. Lohnte es sich in der beinahe vollständig protestantisch gewordenen Stadt ein Jesuitenkolleg zu errichten und die wenigen noch verbliebenen Katholiken durch Predigten, Katechesen und vielfältige seelsorgliche Aktivitäten zu unterstützen? Und wenn ja, welche Ziele verfolgten die Jesuiten in Thüringen? Rekatholisierung der Erfurter Bevölkerung oder Pflege des seit dem Hammelburger Vertrag von 1530 bestehenden „Modus vivendi“ der beiden Konfessionen?

Die Jesuiten trafen in der thüringischen Metropole auf schwierige konfessionelle und politische Umstände. Erfurt war eine mediate Landstadt des Mainzer Erzbischofs, strebte aber immer wieder nach dem Status einer unabhängigen Reichsstadt. Bei diesen Bemühungen nach Reichsmittelbarkeit wurde sie durch die sächsischen Kurfürsten protegiert. Als die Jesuiten mit Unterstützung des Mainzer Erzbischofs nach Erfurt drängten, befürchtete der Erfurter Magistrat Einbußen seiner Unabhängigkeit und wollte mit Unterstützung Sachsens die Jesuiten aus der Stadt vertreiben. Auch der katholische Klerus sah in den reformbegeisterten Jesuiten eine Gefahr für das sensible konfessionelle Verhältnis in Erfurt und stand ihrer Ansiedlung ebenfalls skeptisch gegenüber. Bei der katholischen Bevölkerung stießen die ersten Predigten der Jesuiten auf Zuspruch, wohingegen sie bei den evangelischen Bürgern Unmut hervorriefen, der sich in teilweise in gewalttätigen Aktionen gegen die Erfurter Katholiken entlud. 

Erstmals sollen im Rahmen des Habilitationsprojektes die Entstehung und Entwicklung der Erfurter Ordensniederlassung historisch erforscht werden. Dabei müssen Ordens-, Stadt-, Konfessions-, Bildungs- und Politikgeschichte einbezogen und miteinander vernetzt werden. Dies trifft auf das bikonfessionelle und nach politischer Unabhängigkeit strebende Erfurt in besonderem Maße zu. Hier gründeten die Jesuiten 1618 ein Kolleg und mischten sich nicht nur durch eine eigene Schule in das gesellschaftliche und konfessionelle Leben der Stadt ein. 

Die schwierige konfessionelle und politische Ausgangslage im protestantischen Erfurt und vielfältige Untersuchungsperspektiven lassen das Erfurter Jesuitenkolleg über die Regionalgeschichte hinaus zu einem gewinnbringenden Gegenstand frühneuzeitlicher Forschungen avancieren. Wie veränderten die Jesuiten die bikonfessionelle Situation in der Stadt? Welche Auswirkungen lassen sich etwa durch die Ansiedlung der Jesuiten und durch von ihnen wiederbelebte katholische Prozessionen im urbanen, überwiegend protestantisch dominierten Raum feststellen? In welche Netzwerke waren die Erfurter Jesuiten in Stadt, Land und im Orden selbst eingebunden?

Dr. Michael Karger

Forschungsprojekt:

Sterbehilfe und Krankensalbung. Die Frage nach Spendung der Krankensakramente aus kirchenrechtlicher Perspektive in Fällen von Sterbehilfe

Das Dissertationsprojekt hinterfragt aus kirchenrechtlicher Perspektive die Möglichkeit der Spendung der Krankensakramente an Personen, die um eine Art der Sterbehilfe bitten. Im Kontext einer sich stetig fortentwickelnden Medizin, die mittels modernster Techniken und aufwendiger Therapien das Sterben von Menschen hinauszuzögern vermag, stellt sich vor allem Langzeitpatienten, die unter schweren Schmerzen leiden, die Frage nach einer vorzeitigen Beendigung ihres Leides, einem Abbruch begonnener Behandlungen oder gar der Verweigerung lebensverlängernder Maßnahmen durch entsprechende Willensbekundung. Diesem Spannungsverhältnis zwischen den größer werdenden Möglichkeiten einer den natürlichen Tod aufschiebenden Medizin und der dadurch sich aufdrängenden Reflexivität des Lebens bzw. Sterbens samt der Notwendigkeit einer Entscheidung über das eigene Leben bzw. Sterben muss sich katholische Kirche in der Ausübung ihrer Krankenpastoral stellen und der Frage nachgehen, welche Auswirkungen sich aus den verschiedenen Abstufungen von aktiver, passiver, direkter, indirekter Sterbehilfe für die Spendung der Krankensakramente und die Gewährung eines kirchlichen Begräbnisses ergeben.

Ziel der Arbeit ist es nicht, die Frage vollständig aufzuklären und eine Handlungsanweisung für kirchliche Seelsorger zu geben, sondern im Horizont aktueller theologischer und moraltheologischer Debatten um die Zulässigkeit von Sterbehilfe die kirchenrechtlichen Perspektiven aufzuzeigen, die beachtet werden müssen.

Dr. Juliane Irma Mihan

Forschungsprojekt:

„Vollständige Gleichberechtigung und Gleichverpflichtung“? Die jüdisch-christliche Simultanschule in Lengsfeld

1850 wurde in Lengsfeld im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach eine jüdisch-christliche Simultanschule gegründet. Die Lengsfelder Schule ist ein einzigartiges Beispiel für christlich-jüdische Zusammenarbeit in einem bislang in dieser Hinsicht noch wenig untersuchten deutschen Staat.

Schulen, in denen christliche und jüdische Kinder gemeinsam unterrichtet wurden, und an denen christliche und jüdische Lehrer lehrten, gab es bereits vor 1850 in deutschen Staaten. Allerdings handelte es sich bei solchen Schulen um Einrichtungen, die entweder in christlicher oder in jüdischer Trägerschaft waren, und an denen neben den hauptsächlich christlichen oder jüdischen Lehrern auch noch einige wenige Lehrer der anderen Religion unterrichteten bzw. Kinder der jeweils anderen Religion am Unterricht teilnahmen. In Lengsfeld war das anders: Hier haben sich die christliche und die jüdische Gemeinde zusammen für die Gründung einer gemeinsamen Schule entschieden und unterhielten diese auch gemeinsam. Jeweils drei christliche und jüdische Lehrer unterrichteten Mädchen und Jungen beider Religionen.

In dem Dissertationsprojekt wird einerseits die Geschichte der jüdisch-christlichen Simultanschule rekonstruiert. Andererseits wird die Schule in den zeitgeschichtlichen Rahmen der deutsch-jüdischen Geschichte im 19./20. Jahrhundert und somit in die Themen der jüdischen Emanzipation, Assimilation/Akkulturation und des aufkommenden modernen Antisemitismus eingeordnet.

Dr. Robert Müller

Forschungsprojekt:

Vom Verlust der Bedeutungsschwere. Zeitdiagnostische Grundlegung einer philosophischen Theologie im Zeitalter des Nihilismus.

Will Theologie relevant sein für die Menschen, muss sie sich ganz auf ihre Lebenssituation einlassen. Das bedeutet, sich auf die Herausforderung des Atheismus einzulassen. Sich auf den Atheismus einlassen bedeutet, sich auf den Nihilismus einzulassen. Nihilismus bedeutet, dass alles an Wert und Bedeutungsschwere leicht geworden ist.
Dieses Dissertationsprojekt ist eine Suchbewegung nach der ‚Bedeutungsschwere’ und befragt dafür den Anwalt des Nihilismus – Friedrich Nietzsche.

Dr. Torsten Müller

Forschungsprojekt:

Katholische Flüchtlinge und Vertriebene zwischen Ankunft und Integration. Theologische, jurisdiktionelle, soziale und territoriale Beheimatungskonzepte im östlichen Teil des Bistums Fulda 1945-1955

Das Dissertationsprojekt geht der Frage nach, wie die katholische Kirche auf den sich aus den Migrationsbewegungen in Folge des Zweiten Weltkrieges ergebenden Anstieg der Katholikenzahl im östlichen Teil der Diözese Fulda reagierte.
Tausende katholische Flüchtlinge gelangten in den seit Juli 1945 von der Sowjetarmee besetzten Teil des Bistums Fulda, der seit der Reformation – mit Ausnahme der katholischen Enklave des Eichsfeldes – protestantisch geprägt war. Vor dem Einsetzen der Migrationsströme lebten etwa 133.000 Katholiken in diesem Gebiet; durch Vertreibung und Zwangsaussiedlungen stieg die Zahl der Katholiken bis 1949 auf 444.000 an, was einer Steigerung von 234,6% entspricht. Durch diesen Zuzug von katholischen Christen in die einstigen Diasporaregionen Mitteldeutschlands änderte sich das Profil der katholischen Kirche in Thüringen grundlegend und wurde in besonderem Maße von den Flüchtlingen geprägt.
Wie wurden diese zugewanderten Katholiken empfangen und aufgenommen? Was tat die katholische Kirche, um die Flüchtlinge „leiblich und seelsorglich“ zu versorgen? Wie lässt sich die Bildung neuer Strukturen für die mehr als verdoppelte Zahl der Gläubigen in einer doppelten Diaspora näher beschreiben? Konnten heimatvertriebene Priester eine neue Anstellung finden? Ist eine Beheimatung bzw. Integration der Flüchtlinge gelungen oder waren Assimilation und „zweite Flucht“ Ergebnisse eines Desintegrationsprozesses?

Dr. Samuel-Kim Schwope

Samuel-Kim Schwope
Gesandt, nicht geweiht? Sendungs- und Beauftragungsfeiern von Gemeinde- und Pastoralreferentinnen/-referenten
(Erfurter Theologische Studien 116)
Würzburg: Echter 2020
ISBN: 978-3-429-05480-9
24,-€

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Balthasar-Fischer-Preisträger 2020

Abstract:
Das Dissertationsvorhaben will sich der Frage nach ekklesiologischer Identität und Profil der pastoralen Laienmitarbeiter mit Schwerpunkt auf den Sendungs- und Beauftragungsfeiern von Gemeinde- und Pastoralreferenten stellen und einen besonderen Augenmerk auf die Entwicklung im Bistum Dresden-Meißen setzen. Nach Einführung und Etablierung dieser Berufe in der Kirche entstanden im deutschsprachigen Raum liturgische Beauftragungsformen im Rahmen von Eucharistiefeiern, die die ortskirchliche Missio zum Ausdruck brachten und sich bis in die Gegenwart weiterentwickeln. Die Feiern haben bisher in den Diözesen den Stand eines Eigenritus, der dementsprechend von Bistum zu Bistum unterschiedlich ausgeprägt und mit unterschiedlichen theologischen Aussagen und Gewichtungen verbunden ist. 

Für eine kleine Kirche in der Diaspora bedarf es an den Berührungspunkten zur Umwelt sowie in der Binnenkommunikation klare Vollzüge und Rollenbeschreibungen. Sowohl in der Innen- als auch in der Außenwirkung kann sie nur so überzeugend leben und handeln. Wie eingangs erwähnt übernehmen Gemeinde- und Pastoralreferenten dabei immer mehr Aufgaben, trotz einer ekklesiologischen Unbestimmtheit ihres Dienstes. Deutlich wird dies auch in dem entscheidenden Ritual für diesen Dienst – der Sendungs- bzw. Beauftragungsfeier. Die Unklarheiten dieser Feier erfordern liturgietheologische und ekklesiologische Klärung, die diese Arbeit vornehmen soll. 

Mit dem konkreten Blick in die lokale Kirchenentwicklung kann formuliert werden, dass es sich dabei um eine der Zukunftsfragen der Kirche in der Diaspora handelt. Die zu untersuchenden Rituale sind kein liturgisches Beiwerk oder schmückendes Element, sondern entscheidende Einführungsrituale, die in verschiedener Richtung sprechen, Rollen zuweisen und Aufgaben übertragen. Sie haben performative Wirkung für die Betroffenen, in grundlegenden Gesichtspunkten auch für die Kirche und die Gläubigen, weil darin Christsein in einer konkreten pastoralen Berufung entscheidend geprägt wird.

Dem beschriebenen Desiderat einer tieferen und ausführlicheren Verknüpfung von liturgiewissenschaftlicher Analyse der Sendungsfeier und ekklesiologischer Begründung des pastoralen Laiendienstes soll mit dieser Arbeit begegnet werden.

Réka Újlaki-Nagy

Forschungsprojekt:

The Beginning of the Transylvanian Sabbatarianism

Dr. Eva Vybiralova

Forschungsprojekt:

Untergrundkirche und geheime Weihen. Eine kirchenrechtliche Untersuchung der Situation in der Tschechoslowakei 1948-1989

Das Forschungsprojekt betrifft die in der kommunistischen Zeit in der Tschechoslowakei durchgeführten geheimen Weihen sowohl von unverheirateten als auch von verheirateten Männern. Die geheimen Frauenordinationen in der Tschechoslowakei stehen eher am Rande des Interesse dieses Projektes. Was war die Rechtslage und wie wurde in der Praxis zum Zeitpunkt der Weihe damit umgegangen? Bald nach der politischen Wende 1989 musste geklärt werden, welche Position diese geheim geweihten Männer nun in der Kirche hatten. Das Spannende und gleichzeitig Komplizierte an diesen Fragen ist es, dass die Ereignisse sich vor dem Hintergrund verschiedener Rechtsnormen vollzogen, da das 1917 erlassene kirchliche Gesetzbuch 1983 durch ein neues ersetzt wurde. Es ist Ziel der Arbeit, nachzugehen, welche Rechtsvorschriften es gab, welche rechtlichen Möglichkeiten und Spielräume sich daraus ergaben und wie vor diesem Hintergrund der von der Glaubenskongregation gewählte Weg - Notwendigkeit einer Weihe sub condicione für bestimmte Kreise der Untergrundkirche, für verheiratete Priester nur mit der Inkardination in die griechisch-katholische Kirche verbunden, oftmals ohne Fakultäten zum Biritualismus - zu bewerten ist.

Bis heute ist dieses Thema noch nicht ganz gelöst, weil einige geheim Geweihten es ablehnten, sich sub condicione weihen zu lassen. Was ist ihre rechtliche Stellung in der Kirche? Andererseits kam es gerade in den letzten Jahren zu einigen individuellen Lösungen, z.B. ein nichtkonvertierter verheirateter Mann wurde durch seine sub condicione Priesterweihe in die lateinische Kirche inkardiniert, was weltweit wahrscheinlich der erste Fall ist, oder es wurden die biritualistischen Fakultäten auf Dauer verliehen. Das Thema ist ebenfalls vor dem Hintergrund der Weihen in traditionalistischen Kreisen oder in der chinesischen katholischen Kirche aktuell.