Lehre im Fach Exegese und Theologie des Neuen Testaments

Die Lehre im Fach neutestamentliche Exegese umfasst im ersten Studienjahr die Einleitung in die Entstehung der einzelnen neutestamentlichen Schriften und Corpora, die Einführung in die neutestamentliche Zeitgeschichte und in die Geschichte der frühen Jesus-Bewegung sowie einen Überblick zu den Methoden der neutestamentlichen Exegese und zur biblischen Hermeneutik. Im zweiten und dritten Studienjahr folgen Ausführungen zu den vielfältigen Aussagen der neutestamentlichen Schriften über Gott, eine Einführung in die Rückfrage nach dem historischen Jesus und eine Darstellung der Grundzüge der Biographie und Verkündigung des Jesus von Nazareth sowie Darlegungen zu den neutestamentlichen Zeugnissen über die Kirche als Ort der Formierung, Bewahrung und Weitergabe des Osterglaubens. Das vierte und fünfte Studienjahr umfasst Vorlesungen, in denen jeweils eine Schrift oder ein Thema aus den neutestamentlichen Evangelien, den paulinischen Briefen und den übrigen Schriften des Neuen Testaments analysiert und interpretiert werden. Seminare bieten die Möglichkeit zur Vertiefung in einzelne Schriften des Neuen Testaments, in Themen der neutestamentlichen Theologie sowie in die Methoden der neutestamentlichen Exegese. In den Seminaren und Vorlesungen werden zum besseren Verständnis und zur Einordnung der neutestamentlichen Texte immer wieder zeitgleich entstandene frühchristliche Schriften sowie Zeugnisse des Frühjudentums und der griechisch-römischen Literatur und Kultur einbezogen.

O-Phase | 1. Studienjahr (MTheol und teilweise B KaR)

Anfänge der Kirche – Kirche des Anfangs (WiSe, 2 SWS)

Die Vorlesung geht der Frage nach, wie sich der vorösterliche Kreis der Anhänger*innen Jesu auf der Grundlage des Osterglaubens (Kerygma) neu formierte und sich innerhalb eines Jahrhunderts zu einer, im gesamten Mittelmeerraum verbreiteten, religiösen Bewegung entwickelte. Dabei geht sie auch dem Prozess der allmählichen Lösung der nachösterlichen Jesusbewegung aus dem Frühjudentum nach. Im Zentrum steht die kritische Auseinandersetzung mit der Apostelgeschichte als Zeugnis und Quelle für die frühe Geschichte der nachösterlichen Jesusbewegung und die Beschäftigung mit der Biographie und den Briefen des judenchristlichen Missionars Paulus.

Welt und Umwelt der Bibel (WiSe, 1 SWS)

Die Vorlesung behandelt die Welt und Zeit der Entstehung der Jesusbewegung in ihren wesentlichen politischen, religiösen und sozialen Faktoren. Die Kenntnis des palästinischen Frühjudentums, der hellenistisch geprägten frühjüdischen Diaspora und der hellenistischen Kultur tragen zu einem besseren Verständnis von Botschaft und Wirken Jesu sowie der frühchristlichen Verkündigung und Mission bei.

Einführung in die neutestamentlichen Evangelien (SoSe, 2 SWS)

Die Vorlesung führt in die Grundfragen der Exegese der neutestamentlichen Evangelien (Mt, Mk, Lk, Joh) ein. Inhalte der Vorlesung sind der Überlieferungsprozess (von der mündlichen Weitergabe der Worte und Taten Jesu zu ihrer Verschriftlichung in den Evangelien), die zentralen Gattungen der synoptischen Jesus-Überlieferung (Apophthegmata, Gleichnisse, Wundererzählungen), das literarische Abhängigkeitsverhältnis zwischen den drei synoptischen Evangelien (Zwei-Quellen-Theorie, Spruchsammlung) sowie Fragen zur Entstehung des Johannesevangeliums, seiner theologischen und literarischen Besonderheiten und seines Verhältnisses zur synoptischen Überlieferung.

Einführung in Hermeneutik und Auslegung des Neuen Testaments (SoSe, 1 SWS) 

Die Vorlesung führt ein in die Grundfragen biblischer Hermeneutik als Wissenschaft vom Verstehen biblischer Texte. Dazu werden Perspektiven und Methoden der Auslegung neutestamentlicher Texte vorgestellt. Im Zentrum stehen die Methoden der sogenannten historisch-kritischen Exegese.

Q-Phase | 2. und 3. Studienjahr (MTheol, B KaR)

Das frühchristliche Gottesbekenntnis und die Gottesverkündigung des Jesus von Nazaret (WiSe gerade, 2 SWS) 

Die Gottesverkündigung Jesu setzt die religiösen Erfahrungen und den Glauben der Juden voraus und gibt den Gott Israels als »Vater der Glaubenden« zu erkennen. Die Rede der frühen christlichen Gemeinde(n) über Gott schließt daran an, setzt aber zugleich neue Akzente, weil die Anhänger*innen der Jesusbewegung im Licht des Osterglaubens (Kerygma) überzeugt waren, dass von Gott nur dann zutreffend gesprochen wird, wenn zugleich über Jesus Christus gesprochen wird. Anhand ausgewählter Textabschnitte werden verschiedene Formen der Rede von Gott in den neutestamentlichen Schriften analysiert und erklärt.

Jesus von Nazaret. Gestalt und Anspruch (SoSe gerade, 2 SWS) 

Wer war dieser Jesus von Nazaret, auf den sich die christlichen Gemeinden berufen und der der zentrale Inhalt ihres Bekenntnisses ist? Was war der zentrale Inhalt seiner Lehre? Wie zuverlässig sind die Angaben der Evangelien über sein Leben und Wirken und was lässt sich historisch verantwortet über die Biographie, das Wirken und die Botschaft dieses Jesus sagen? Ausgehend von diesen Fragen zeigt die Vorlesung, inwiefern sich in den neutestamentlichen Evangelien historische Erinnerung und theologische Deutung miteinander verbinden und was von der historischen Gestalt und ihrer Botschaft hinter den durch den Osterglauben (Kerygma) gefärbten Berichten der Evangelien noch erkennbar ist.

Die Kirche im Zeugnis des Neuen Testaments (WiSe ungerade, 2 SWS) 

Ausgehend von zentralen Texten des Neuen Testaments behandelt die Vorlesung unter anderem folgende Themen: das Problem der Rückführung der Kirche(n) auf Jesus von Nazaret, die Strukturen und Lebensvollzüge der frühen Gemeinden, die Anfänge der kirchlichen Dienste und Ämter. Die frühe nachösterliche Jesusbewegung und ihre Gemeinden werden im Kontext ihrer Welt und Zeit analysiert. Dabei werden Analogien in der antiken Umwelt und das innovative Potential innerhalb der Jesusbewegung aufgezeigt. In den Blick genommen werden auch aktuelle Diskussionen um Struktur und Organisation von Kirche(n) heute.

M-Phase | 4. und 5. Studienjahr (MTheol, in Auswahl TuW, MEd)

Die drei neutestamentlichen Vorlesungen der Magister- bzw. Masterphase vermitteln anhand exemplarischer Analysen neutestamentlicher Textkorpora vertiefte Kenntnisse im Fach Exegese und Theologie des Neuen Testaments. Analysiert und interpretiert werden je eine Schrift oder Fragestellung aus dem Bereich der neutestamentlichen Evangelien, des Corpus Paulinum und der übrigen neutestamentlichen Schriften. Ziel ist es, die Studierenden zu einer eigenständigen und wissenschaftlich kompetenten Auseinandersetzung mit den neutestamentlichen Schriften anzuleiten und zu befähigen. Angestrebt sind vertiefte Kenntnisse theologischer und historischer Fragen zu den Evangelien und zur neutestamentlichen Jesusüberlieferung, zu zentralen Frage und Anliegen der paulinischen Theologie in ihrer bleibenden Relevanz, zu Form und Inhalt der paulinischen Briefe sowie zur Rezeption und Transformation der paulinischen Theologie in den Schriften des Paulinismus. Vertieft werden außerdem Kompetenzen zu Schriften und Themen der neutestamentlichen und frühchristlichen Pseudepigraphie, der frühjüdischen, neutestamentlichen und frühchristlichen Apokalyptik, der neutestamentlichen und frühchristlichen Briefliteratur sowie zur Apostelgeschichte und weiteren „apostolischen“ Überlieferungen.

Im Zentrum der Lehre in der Magister- bzw. Masterphase steht die Vermittlung folgender Kompetenzen und Qualifikationen: Studierende können einen beliebigen Text aus dem Bereich der Evangelien, des Corpus Paulinum oder der übrigen Schriften mit Hilfe eines etablierten wissenschaftlichen Methodeninstrumentariums analysieren und interpretieren. Sofern im Studiengang Kenntnisse des neutestamentlichen Griechisch gefordert sind und erworben werden, erfolgen Analyse und Interpretation anhand der wissenschaftlich-kritischen originalsprachlichen Ausgabe (Nestle-Aland, Novum Testamentum Graece, 28. Auflage). Dabei können die Studierenden die historische, religions-, literatur- und kulturgeschichtliche Bedingtheit der Texte erkennen und erläutern. Außerdem sind sie fähig, neutestamentliche Texte eigenverantwortet, kritisch und konstruktiv für aktuelle theologische, kirchliche und gesellschaftliche Diskussionen auszuwerten und sachgemäß in aktuelle Diskussionen einzubringen. Dazu gehört, dass sie aktuelle Diskussionen in der neutestamentlichen Exegese und Theologie kennen und in der Lage sind, diese zu erfassen und kritisch zu bewerten.

Seminare und Oberseminare

Die Seminare greifen aktuelle Fragen und Diskussionen zur neutestamentlichen und zeitgleichen frühchristlichen Literatur auf. Sie dienen der intensiven gemeinsamen Arbeit zu Themen aus der Geschichte der Jesusbewegung und des Frühchristentums oder zur neutestamentlichen Welt und Zeit (historischer, kultureller, religiöser und literarischer Kontext). Themen der Seminare sind unter anderem die Analyse und Interpretation neutestamentlicher und frühchristlicher Schriften (bzw. ausgewählter Abschnitte), Fragen der neutestamentlichen Theologie (Gotteslehre, Christologie, Soteriologie, Gnadenlehre, Anthropologie, Ekklesiologie, Eschatologie, Ethik etc.) sowie Fragen der neutestamentlichen Zeitgeschichte und der Geschichte des Frühchristentums. Neben der Anwendung literaturgeschichtlicher Methoden wird auch die Integration neuerer literaturwissenschaftlicher Ansätze in den Blick genommen. Auch Fragen, Methoden und Anregungen aus dem Bereich der Geschichts- und Kulturwissenschaften, der Sozialwissenschaften und der Gender-Theorie(n) werden aufgegriffen.

Das Oberseminar bietet allen, die an Qualifikationsarbeiten im Bereich der neutestamentlichen Exegese arbeiten, die Gelegenheit, ihre Arbeiten vorzustellen und Ergebnisse zu diskutieren. Gemeinsam werden grundlegende Fragen zur neutestamentlichen Exegese vertieft, die methodischen Kompetenzen erweitert und interdisziplinäre Vernetzungen erprobt. Bevorzugt wird das Oberseminar in interuniversitärer Kooperation und konfessionsübergreifend angeboten.

Grundlagen der Lehre in Exegese und Theologie des Neuen Testaments

Die von der Professur Exegese und Theologie des Neuen Testaments angebotene und durchgeführte Lehre ist dem Europäischen Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen (EQR) und den Prinzipien konsekutiver Studiengänge verpflichtet. Die Lehrveranstaltungen der drei Studienabschnitte bauen inhaltlich und methodisch aufeinander auf. Kenntnisse und Kompetenzen aus früheren Studienphasen werden – den jeweiligen Studien- und Prüfungsordnungen entsprechend – in den höheren Studienphasen vorausgesetzt und sind für das Erreichen der Kompetenz- und Qualifikationsziele notwendig.

Studierende müssen sich im Bereich der neutestamentlichen Exegese im Laufe des Studiums ein umfassendes und hochspezialisiertes Wissen aneignen, dass sie nicht nur reproduzieren, sondern kritisch rezipieren und konstruktiv anwenden können. In der O-Phase werden grundlegende Kenntnisse zu den neutestamentlichen Evangelien, zu Paulus und den paulinischen Schriften, zur frühen Geschichte der Jesus-Bewegung und ihrer historischen und kulturellen Umwelt sowie zu den Methoden vermittelt. Diese werden in der Q-Phase im Bereich theologischer Fragestellungen und der Kenntnis unterschiedlicher theologischer Ansätze und Konzepte in den neutestamentlichen Schriften erweitert. Zentral sind das Wissen um Jesus von Nazaret als zentraler Gegenstand von Exegese und Theologie sowie das Verständnis zentraler Themen und Fragen der paulinischen Theologie. In der H-Phase werden diese Kenntnisse bei der Analyse und Interpretation neutestamentlicher Schriften zusammengeführt. In neuen Texten soll bereits Bekanntes entdeckt und vorhandenes Wissen mit neuen Fragen verbunden werden.

HINWEIS: Alle Lehrveranstaltungen im Wintersemester finden teils in Präsenz, teils digital statt! Bitte beachten Sie dazu die entsprechenden Ankündigungen!

Hier finden Sie die Veranstaltungen in der E-Learning Plattform Moodle

Hier finden Sie die Veranstaltungen im Vorlesungsverzeichnis der Universität (E.L.V.I.S.)