Universität Erfurt

20 Jahre Kommunikationswissenschaft in Erfurt

Medien, Öffentlichkeit und Islamfeindlichkeit

Die Wahrnehmung des Islams in Deutschland

Muslime stellen die größte religiöse Minderheit in Deutschland, die überwiegende Mehrheit bekennt sich zum demokratischen Rechtsstaat, pflegt Kontakte zu Nicht-Muslimen und vertritt liberale Grundwerte. Dennoch ist die Angst vor dem Islam aufseiten der nicht-muslimischen Mehrheitsgesellschaft stark verbreitet. 61% empfinden den Islam als nicht in die westliche Welt passend; 57% fühlen sich sogar von ihm bedroht. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Die Wahrnehmung des Islams in Deutschland“, die Prof. Dr. Kai Hafez und Sabrina Schmidt, M.A. zusammen mit der Bertelsmann-Stiftung im Januar 2015 veröffentlichten. 

Die „Sonderauswertung Islam 2015“ aus der Reihe des Religionsmonitors der Stiftung macht deutlich: Islamfeindlichkeit in Deutschland ist kein Phänomen politischer oder sozialer Randgruppen, sondern reicht weit in die gesellschaftliche Mitte hinein. Lediglich ein Viertel der nicht-muslimischen Mehrheit in Deutschland sieht im Islam eine gesellschaftliche Bereicherung. Hingegen ist das Bedrohungsempfinden selbst unter denjenigen Befragten mehrheitsfähig, die politisch moderat-konservativ bis links orientiert sind. Zwar fühlen sich die Jüngeren, die besser Gebildeten und diejenigen, die sich den Mittelschichten zuordnen, vergleichsweise weniger bedroht – allerdings liegen auch hier die Bereicherungswerte z. T. deutlich unterhalb der 40%-Marke.

Alarmierend sind die Ablehnungswerte gerade dort, wo es relativ wenig alltagsweltliche Begegnungsmöglichkeiten mit Muslimen gibt, so etwa in ländlichen Gegenden und Regionen, wo der Anteil der muslimischen Wohnbevölkerung gering ist. Auch konnte die Untersuchung nachweisen, dass Befragte ohne Kontakte zu Muslimen in Freizeit und Beruf eher ein negatives Islambild aufweisen als diejenigen mit Kontakten. Persönliche Erfahrungen mit Muslimen und ein daraus resultierendes alltagsbezogenes Wissen über den Islam können folglich als wichtige Faktoren zur Verbesserung der gesellschaftlichen Islamwahrnehmung betrachtet werden.

Stereotype und Feindbilder über Islam und Muslime sind seit Jahrhunderten Bestandteil öffentlicher Diskurse und werden, mit leichten inhaltlichen Verschiebungen, auch in den Medien kontinuierlich reproduziert. Gerade für Menschen ohne persönliche Erfahrungen mit dem Islam und Muslimen sind die Themen, Interpretationen und Bilder der Medien eine wesentliche Informationsquelle. Die in Medieninhaltsanalysen vielfach bestätigte Negativagenda des Themenfeldes Islam (siehe z.B.: Hafez/Richter 2007: Das Islambild von ARD und ZDF) kann daher als ein bedeutsamer inhaltlicher Taktgeber für die in dieser Studie ermittelten Angstprojektionen und Negativurteile der Bevölkerung verstanden werden.

Die Autoren haben die Ergebnisse ihrer Studie in verschiedenen Medien vorgestellt und diskutiert, so etwa auf ZEIT ONLINE, im ZDF, NDR und im MDR.

Näheres zum Religionsmonitor der Bertelsmann-Stiftung sowie die Studie selbst sind zu finden unter: www.bertelsmann-stiftung.de

Weitere Forschung an der Professur zum Schwerpunkt „Medien, Öffentlichkeit und Islamfeindlichkeit“ siehe auch: Sabrina Schmidt, M.A.

 

 

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