Universität Erfurt

20 Jahre Kommunikationswissenschaft in Erfurt

Dr. des. Katharina Nötzold

Thema: "Die libanesischen Fernsehsender - Machtinstrumente der politischen Eliten nach dem Bürgerkrieg?"

Gefördert mit Stipendien des Deutschen Orient-Instituts in Beirut, 2002-2003 sowie der Thüringer Landesgraduiertenförderung 2003-2004.

Dissertationsvorhaben:

Ein zentrales Anliegen dieses Promotionsvorhabens besteht in der Beantwortung der Frage, ob audiovisuelle Medien, die ihnen häufig zugesprochene herausragende Rolle im Nationenbildungsprozess nach einem Bürgerkrieg spielen können. Anhand der libanesischen Mediensituation soll diese Fragestellung beispielhaft untersucht werden. Mehr als 10 Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs ist die libanesische audiovisuelle Medienlandschaft noch immer nach Konfessionsgruppen aufgeteilt. Die Lizenzvergabe erfolgte hauptsächlich unter Gesichtspunkten politisch-strategischer Machtverteilung, so dass vor allem neue Eliten, die durch den Bürgerkrieg entstanden sind, über eigene Fernsehstationen verfügen. Die Mehrzahl der Fernsehsender gehört den politischen Führern, die nachhaltig das politische Leben im Nachkriegslibanon prägen, gleichzeitig aber unterschiedliche Strategien bei der Nationenbildung des Libanon verfolgen. Hier liegt die Vermutung nahe, dass sie mit Hilfe ihrer Fernsehstationen politische Unterstützung zu ihren Gunsten mobilisieren wollen und hauptsächlich ihre politischen Ansichten darstellen können. Um diese Annahmen zu überprüfen, wird ein Sample libanesischer Nachrichtensendungen mit Hilfe quantitativer und qualitativer Verfahren im Rahmen einer Inhaltsanalyse untersucht. Die Nachrichten können somit auf Inhalt, Umfang und Art der Berichterstattung und Positionierung der Beiträge in den Sendungen dargestellt, verglichen und ausgewertet werden. Dabei soll herausgefunden werden, ob die Sender besonders im Dienste ihrer Besitzer stehen und Berichte über die eigene konfessionelle Gruppe und deren Politik überwiegen oder ob eine ausgewogene Berichterstattung über alle libanesischen Gruppierungen vorherrscht. Unter Bezugnahme des Agenda-Setting Konzepts wird untersucht, welche Themen im libanesischen Fernsehen behandelt werden und ob diese Themen gleichzeitig die politische Agenda beherrschen. Durch semi-strukturierte Interviews mit Entscheidungsträgern in den Fernsehsendern wird gleichzeitig herausgearbeitet, unter welchen organisatorischen Zwängen sie bei ihrer Arbeit stehen, welche Rolle die Selbstzensur spielt und inwiefern sie im Auftrag ihrer Fernseheigner berichten müssen. Dabei steht vor allem die Gatekeeping-Rolle der Mitarbeiter in den verschiedenen Hierarchieebenen im Mittelpunkt.

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