Universität Erfurt

20 Jahre Kommunikationswissenschaft in Erfurt

Dr. Martin Ritter

Dissertation: Medien und Demokratisierung in Kambodscha

Die Situation
"Wir streben danach, dass demokratischste Land Asiens zu werden." Mit diesen Worten des ersten demokratisch gewählten Ministerpräsidenten Prinz Norodom Ranariddh startete Kambodscha in eine neue Ära. Eine Ära, die nach französischer Fremdherrschaft, amerikanischer Aggressionspolitik, Völkermord des Regimes der Roten Khmer und kommunistisch-vietnamesischen Protektorat mit dem Pariser Friedensabkommen vom 23. Oktober 1991 begann und in den Jahren 1992/1993 den bis dahin größten UN-Friedenseinsatz zur Folge hatte. Aber ebenso eine Ära, an deren Beginn eine demokratische Verfassung stand, die Kambodscha Frieden und Souveränität brachten. Deutlich aber auch eine Zeit, die geprägt ist von Konsolidierungsproblemen und erneut jenen ehemals kommunistischen Machthabern zur Regierung verhalf. Aus heutiger Sicht auf jeden Fall eine Epoche, die es augrund ihres Verlaufs und ihrer Ergebnisse Wert ist, im Zusammenhang mit aktuellen Demokratisierungsbemühungen näher betrachtet zu werden.

Die Fragestellung
Ausgangspunkt der Arbeit ist jene im Jahr 1993 verabschiedete Verfassung, die im Wesentlichen ihren westlichen Vorbildern entspricht. Untersucht wird in diesem Zusammenhang, ob das kambodschanische Mediensystem geeignet ist, die der Massenkommunikation zugewiesenen normativen Demokratiefunktionen (Artikulations-, Informations-, Kritik- und Kontrollfunktionen) zu erfüllen. Folglich jene Demokratiefunktionen die gern als vierte Gewalt bezeichnet werden. In diesem Zusammenhang gilt es zu untersuchen, inwiefern eine durch direkten Besitz durch die Regierungspartei gekennzeichnete Presse- und Rundfunklandschaft, die fehlende Rundfunkgesetzgebung, das regressive Vorgehen des Informationsministeriums sowie die fast wie ein Widerspruch erscheinende explosionsartige Entwicklung des privaten Mediensektors Strukturen generieren, die die demokratische Konsolidierung beeinflussen.

Die Durchführung
Dieses Projekt wurde von der Thüringisch Kambodschanischen Gesellschaft und ihrer kambodschanischen Partnerorganisation, der NGO COMPED durchgeführt. Als Partner konnte die Konrad-Adenauer-Stiftung, das Cambodia Communication Institut der Universität Phnom Penh sowie die NGO Open Forum of Cambodia gewonnen werden. Die wissenschaftliche Betreuung realisierte der Lehrstuhl Kommunikationswissenschaft mit dem Schwerpunkt Vergleichende Analyse von Mediensystemen/Kommunikationskulturen der Universität Erfurt. Durchgeführt wurden qualitative Einzelinterviews mit Experten der Medienwirtschaft, mit Journalisten, mit dem Informationsministerium sowie der politischen Opposition. Weiterhin wurden mit Hilfe des Cambodia Communication Instituts Inhaltsanalysen der Presse, des Hörfunks sowie des Fernsehens realisiert. Die Inhaltsanalysen wurden qualitativ und quantitativ erhoben.

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