Universität Erfurt

20 Jahre Kommunikationswissenschaft in Erfurt

Dr. Swantje Lingenberg: Thema: "Europäische Öffentlichkeit - Öffentlichkeit ohne Publikum? Strukturen und Prozesse transnationaler Diskurse am Beispiel der europäischen Verfassungsdebatte"

Promotionsstipendiatin der Landesgraduiertenförderung Thüringen

Lebenslauf

  • geboren 1978 in Hamburg
  • seit 2005 Doktorandin am Seminar für Medien- und Kommunikationswissenschaft der Universität Erfurt
  • 1998-2004 Studium der Kommunikationswissenschaft, Wirtschaftspolitik, Romanischen Philologie und Sportwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster
  • 2000-2001 Studiensemester in Sevilla und Bologna
  • Magisterarbeit: 'Die Öffentlichkeitsarbeit des Europäischen Parlaments und ihr Beitrag zum Prozess der Konstituierung einer europäischen Öffentlichkeit. Eine Fallstudie am Beispiel der Informationsbüros für Deutschland und Italien'
  • Praktika u.a. bei Hill & Knowlton in Paris, Tennis Magazin in Hamburg sowie bei Sponsorship Research International in London

Forschungsinteressen

  • Europäische Öffentlichkeit
  • Politische Kommunikation
  • Europäische Mediensysteme
  • Transnationale und transkulturelle Kommunikation

Publikationen

  • Lingenberg, Swantje (2006): The audience's role in constituting the European public sphere. A theoretical approach based on the pragmatic concept of John Dewey. In: Carpentier, Nico et al. (Hrsg.): Researching media, democracy and participation. Tartu University Press, S.121-132.
  • Lingenberg, Swantje (2006): Die Öffentlichkeitsarbeit des Europäischen Parlaments und die europäische Öffentlichkeit. Der Einfluss kultureller Differenzen auf die europapolitische Kommunikation in Deutschland und Italien. In: Medienwissenschaft Schweiz 1+2 2006, S. 41-51.
  • Lingenberg, Swantje (2006): The European public sphere and its audience. Citizen's participation in the European Constitutional debate. In: Actes du Colloque Scientifique International 'Démocratie participative en Europe', Toulouse, S. 52-59.

Wissenschaftliche Vorträge

  • Mai 2007: Vortrag 'Audiences and the European public sphere: Citizens' participation in the European Constitutional debate' auf der Jahrestagung der International Communication Association (ICA), San Francisco/USA
  • November 2006: Vortrag 'The European public sphere and its audience. Citizens' participation in the European Constitutional debate' auf dem Colloque Scientifique International 'Démocratie participative en Europe', Toulouse/Frankreich
  • August 2006: Teilnahme und Vortrag an der European Doctoral Summer School ‚Enlarging Europe - enlarging participation?’ in Tartu/Estland
  • Mai 2006: Vortrag ‘Die Transnationalisierung von Öffentlichkeit am Beispiel Europa - konzeptionelle Überlegungen auf der Grundlage des Ansatzes von John Dewey’ auf der DGPuK-Tagung ‘Öffentlichkeit in der Mediengesellschaft’, Zürich/Schweiz
  • April 2006: Vortrag ‚The European Parliament’s information policy and the European public sphere. Effects of cultural diversity on European political communication’ auf der SGKM-Jahrestagung ‚Cultural differences and diversity in communication processes’, Lugano/Schweiz

Lehrveranstaltungen und akademische Tätigkeiten

  • SS 2006: ‚Europäische Öffentlichkeit: theoretische Konzepte und empirische Befunde’
  • Gutachtertätigkeit für das ‚European Journal of Public Policy’

Dissertationsvorhaben

Das Dissertationsprojekt untersucht die Publikumsebene einer europäischen Öffentlichkeit und geht dabei der Frage nach, wie genau, über welche Medien und unter welchen Relevanzgesichtspunkten die Bürger Europas an transnationalen öffentlichen Diskursen teilnehmen. Dies soll exemplarisch am Beispiel der europäischen Verfassungsdebatte in fünf Mitgliedstaaten (Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen und Deutschland) geschehen. Während die wirtschaftliche und politische Integration Europas seit nunmehr fünfzig Jahren stetig voranschreitet, entsteht im Hinblick auf die Bürger der Europäischen Union bisweilen der Eindruck, dass diese nicht Schritt halten können, und die Herausbildung einer europäischen Identität sowie einer europäischen Öffentlichkeit gleichsam hinterherhinken. So ist die Beteiligung an Europawahlen seit 1979 stetig gesunken und Umfragen zufolge fühlt sich die Mehrheit der Bürger schlecht über die EU informiert. In Anbetracht solcher Befunde wird häufig von einem Legitimations- und Demokratiedefizit gesprochen, welches von einem Mangel an politischer Öffentlichkeit begleitet wird. Fest steht, dass Öffentlichkeit zur Grundausstattung einer jeden Demokratie gehört, fungiert sie doch als legitimatorischer Resonanzboden für die politischen Entscheidungsträger. Bezogen auf den europäischen Kontext ist jedoch umstritten, wie eine europäische Öffentlichkeit überhaupt zu konzipieren ist, denn offenbar reichen normative Öffentlichkeitsmodelle nicht mehr aus, um den sprachlichen, kulturellen, medialen und politischen Besonderheiten gerecht werden zu können. Europäische Öffentlichkeit soll hier verstanden werden als dynamisches Netzwerk sektoraler Teilöffentlichkeiten, welches über transnationale Diskurse zusammengehalten wird und für dessen Existenz entscheidend ist, ob in einem anonymen Massenpublikum zur gleichen Zeit die gleichen Themen unter gleichen Relevanzgesichtspunkten diskutiert werden. Konstituiert wird ein solches diskursives Netzwerk im situativen Wechselspiel zwischen Kommunikatoren, Medien und Publika, etabliert und verstetigt schließlich durch die kommunikative Teilhabe des Publikums. Es kommt also nicht nur auf die Generierung und Vermittlung entsprechender Kommunikationsangebote, sondern letztlich darauf an, inwieweit diese von den Bürgern auch genutzt werden. Im Rahmen der Fallstudien zur europäischen Verfassungsdebatte sind qualitativ-explorative Erhebungen bei Bürgern, Medienvertretern und politischen Akteuren sowie Analysen von Mediennutzungsdaten, Eurobarometer-Umfragen, relevanten Webauftritten und Dokumenten zur EU-Infopolitik geplant. Dabei werden sowohl die nationalen Besonderheiten als auch die Dynamiken des Ratifizierungsprozesses Berücksichtigung finden. Die empirischen Befunde werden helfen, Strukturen und Prozessen transnationaler Diskurse, den Bindegliedern und Referenzpunkten einer europäischen Öffentlichkeit, zu rekonstruieren und den Entwurf eines ganzheitlichen, die Ebenen der Aussageentstehung, -vermittlung und -rezeption umfassenden Erklärungsmodells öffentlicher Kommunikationsprozesse in Europa zu unternehmen.

Kontakt: swantje.lingenberg@uni-erfurt.de

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