Universität Erfurt

20 Jahre Kommunikationswissenschaft in Erfurt

Dr. Vera Linzmaier

Thema: "Risikowahrnehmung und Verbraucherverunsicherung. Eine empirische Analyse zur Risikoberichterstattung über Lebensmittelskandale und Lebensmittelvorfälle in Zeitungen und ihre Wirkung auf die Verbraucher"

Gefördert durch ein Stipendium des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft

Dissertationsvorhaben:

BSE-infizierte Rinder, Schweine mit Maul- und Klauenseuche, der Nachweis von vermutlich krebserregendem Acrylamid im Knäckebrot, Nitrofen-Rückstände in Öko-Produkten, mit Chloramphenicol belastete Garnelen: Schon ein kurzer Blick auf einige der prominenteren Lebensmittelskandale der vergangenen Jahre zeigt, welchen enormen Erschütterungen der Nahrungsmittelsektor ausgesetzt war. Noch nicht mitgezählt sind dabei die vielen kleineren Vorfälle wie die regelmäßig festgestellte Pestizidbelastung bei Obst und Gemüse. Gesellschaftspolitische Brisanz gewinnen solche Ereignisse vor allem deshalb, weil sie das Vertrauen der Menschen in die Sicherheit der Lebensmittel sowie in das Produktions- und Kontrollsystem untergraben; mit teilweise verheerenden politischen und wirtschaftlichen Konsequenzen, die sich unter anderem in einer zunehmenden Verbraucherverunsicherung und massiven Absatzeinbrüchen bemerkbar machen.

In den Printmedien und im Fernsehen rufen Lebensmittelskandale und -vorfälle oft ein lebhaftes Echo hervor. Da Medien in unseren Tagen die wohl wichtigste Informationsquelle im Hinblick auf die gerade aktuellen, gesellschaftlich relevanten Themen bilden, liegt die Vermutung nahe, ihnen auch auf dem Gebiet von Lebensmittelskandalen und -vorfällen ein großes Wirkungspotential zuzuschreiben. Es verwundert daher nicht, dass sie häufig dem Vorwurf ausgesetzt sind, durch ihre Berichterstattung zum bröckelnden Vertrauen der Verbraucher in die Sicherheit der Lebensmittel und damit zur Verbraucherverunsicherung und ihren Folgen beizutragen. Ein eindeutiger empirischer Beleg für einen solchen kausalen Zusammenhang von Berichterstattung und Einstellungen der Verbraucher steht bisher allerdings aus. Behauptungen in dieser Richtung gründen in der Regel hauptsächlich auf beobachtbaren Verbraucherreaktionen nach Lebensmittelskandalen sowie auf gängigen Vorstellungen von der Macht der Medien. Das tatsächliche Wirkungspotential der Medien und seine genauen Rahmenbedingungen sind jedoch bisher noch weitgehend ungeklärt.

Die in Arbeit befindliche Dissertation soll diese Lücke am Beispiel der Risikoberichterstattung zu Lebensmittelskandalen und -vorfällen in Tageszeitungen schließen. Mit Hilfe einer Mehrmethoden-Studie, in der die drei Teilstudien - qualitative Gruppendiskussionen, eine quantitative Inhaltsanalyse und ein Experiment - eng miteinander verknüpft sind, sollen grundlegende Erkenntnisse darüber gewonnen werden, inwieweit und unter welchen medien- und verbraucherbezogenen Voraussetzungen die Berichterstattung Kognitionen, Emotionen und Verhaltensabsichten der Rezipienten beeinflusst.

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