Universität Erfurt

20 Jahre Kommunikationswissenschaft in Erfurt

Julia Roll, Dipl.-Kommunikationswiss.: Thema: "Kommunikative Konsequenzen hybrider und mobiler Mediennutzung im öffentlichen Raum – Folgen sozial attribuierter Aufmerksamkeit bei der Mediennutzung"

Dissertationsvorhaben

Die heutige moderne Gesellschaft lebt in einer mediatisierten Welt. Technologische Innovationen führen jedoch nicht nur zu einer Medienkonvergenz; Medien sind, wie Laptop, MP3-Player und Co. zeigen, auch mobil geworden. Um der zunehmenden Komplexität der mediatisierten Welt Herr zu werden, scheint es für den Menschen kein Problem darzustellen, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen und somit seine Aufmerksamkeit zu teilen. Auf dem Weg zum Bus gleichzeitig mit dem Handy telefonieren oder Musik mit einem MP3-Player hören – das ist heute ein gewohnter Anblick im öffentlichen Raum.

Gleichzeitig ist beobachtbar, dass Medien einen nicht unerheblichen Anteil von Aufmerksamkeit absorbieren. Für die Aufnahme und Verarbeitung von Informationen ist Aufmerksamkeit ein zentraler kognitiver Faktor – ohne ein Mindestmaß davon gibt es keine Wahrnehmung. Allerdings stellt sie keine unendliche kognitive Ressource dar. Deshalb ist der Mensch gezwungen, aus dem Informationsüberfluss der Umwelt die für ihn relevanten Dinge herauszufiltern, auch wenn er sich bis zu einem bestimmten Maß auf mehrere Tätigkeiten simultan konzentrieren kann.

Was für die Aufnahme und Verarbeitung von Reizen gilt, ist auch für die Kommunikation gültig. Erst mit einem Mindestmaß an Aufmerksamkeit werden die Signale und Informationen des Gegenübers bewusst wahrgenommen. Erfolgt dies wechselseitig und entsteht in diesem Austauschprozess eine von beiden auch so intendierte intersubjektive Perspektive, kann man von einem erfolgreichen Kommunikationsakt sprechen.

Daraus lässt sich ableiten, dass Aufmerksamkeit ein wichtiger Aspekt im sozialen Umgang miteinander ist. So gibt es neben einer Höflichkeitsetikette wie dem Begrüßungsritual auch eine Aufmerksamkeitsetikette, die den Grad der Aufmerksamkeit, den man der Umgebung entgegenbringen sollte, regelt. Mit anderen Worten: Man hat immer Erwartungen an den Gegenüber, also eine Vorstellung darüber, wie der andere sich in einer Situation verhält, wie er sich verhalten soll, und auch, wieviel Aufmerksamkeit er für welche Dinge einsetzt bzw. einsetzen soll.

Ziel der Dissertation ist es, erstmals eine empirische Studie mit einem umfassenden und übergreifenden Blick auf die Nutzung des mobilen und hybriden Medienrepertoires im öffentlichen Raum vorzulegen, die besonders den Aspekt der Aufmerksamkeit berücksichtigt. Von einer handlungstheoretischen Perspektive (insbesondere dem Symbolischen Interaktionismus) aus wird die Fragestellung dem Forschungsstil der Grounded Theory folgend mithilfe interdisziplinärer Methoden der quantitativen und qualitativen empirischen Sozialforschung angegangen. Gruppendiskussionen und qualitative Leitfadeninterviews dienen der Analyse der Dimensionen einer Aufmerksamkeitszuschreibung bei der öffentlichen Mediennutzung. Kombiniert mit Fallstudien, Beobachtungen und Experimenten werden Erwartungen, Wahrnehmungen und Interaktionen von Mediennutzern und Dritten in unterschiedlichen Kontexten und aus unterschiedlichen Perspektiven heraus beleuchtet.

Mithilfe der gewonnenen Erkenntnisse lassen sich Schlussfolgerungen für die Gestaltung öffentlicher Räume, aber auch für die Gestaltung von Medien ziehen.

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