Universität Erfurt

Kommunikationswissenschaft

Workshop: Lifeworld Communication and the "Global Wo/Man"

Allgemeine Informationen // General Information

Jahrestreffen der Fachgruppe Internationale und Interkulturelle Kommunikation der DGPuK 

Conference of the International and Intercultural Communication Section of the German Communication Association (DGPuK)

Datum // Date: 5.-6. Oktober 2017 // October 5th – 6th, 2017 

Ort // Location: Erfurt | Germany | Universität Erfurt | Lehrgebäude 4, Raum D01

Gastgeber // Hosted by: University of Erfurt | Department of Media and Communication Studies

Koordination // Coordination: Dr. Anne Grüne

Thema // Theme

Das diesjährige Jahrestreffen der Fachgruppe Internationale und Interkulturelle Kommunikation der DGPuK findet in Form eines zweitägigen Workshops statt. Dabei wird es darum gehen, über Möglichkeiten und Herausforderungen der Erforschung „globaler Kommunikation“ zu diskutieren, wobei die grenzüberschreitende Kommunikation von Individuen, Gruppen und Gemeinschaften im Fokus des Austauschs stehen wird. Aus unterschiedlichen Perspektiven der internationalen und interkulturellen Kommunikation wird über zukünftige Analysezugänge zur kommunikativen Lebenswelt der Menschen und dem "Globalen des Alltags“ diskutiert. 

Damit verfolgt der Workshop das Ziel, soziale Kommunikation als „missing link“ in der Globalisierungsdiskussion aufzugreifen. Denn innerhalb der Kommunikationswissenschaft wurde sich in der Vergangenheit vor allem mit der Vernetzung, Integration und mit dem Vergleich von Medien- und Kommunikationssystemen beschäftigt, was neben Analysen zu transnationalen Mediensystemen, -märkten und -organisationen auch die grenzüberschreitende Zirkulation globaler/internationaler Medienangebote oder Fragen zur Entstehung einer globalen Öffentlichkeit miteinschließt. Daneben existieren Untersuchungen zur lokalen Adaption und Rezeption globaler kultureller Angebote und zu den (mediatisierten) transkulturellen Alltagspraktiken von Menschen. Auch wenn in diesem Zusammenhang der Fokus bereits auf lebensweltliche Zusammenhänge verschoben ist, wird das grenzüberschreitende kommunikative Handeln selbst, werden die konkreten Interaktionsprozesse, eher seltener systematisiert. Über Implikationen und Mechanismen globaler Kommunikation in der sozialen Alltagsrealität der Menschen lassen sich insofern nach wie vor wenige Antworten finden. Dabei kann die Anerkennung von und Interaktion mit „globalen Anderen“ als Grundvoraussetzung einer Globalisierung verstanden werden, die nicht nur Prozesse globaler Koorientierung, sondern vor allem den globalen Austausch und grenzüberschreitende Dialoge innerhalb und zwischen Gesellschaften miteinschließt.

Lebenswelten verändern sich durch die heutigen Möglichkeiten der digitalen, physischen, symbolischen und materiellen Grenzüberschreitung fortlaufend. Sie verändern sich aber auch durch unterschiedliche Systembedingungen, die Räume für globale Kommunikation im Alltag für den Einzelnen öffnen oder schließen können. Dazu zählen nicht nur Fragen des Zugangs zu globalen Kommunikationskanälen oder der politischen Gestaltung von Globalisierung, sondern auch tradierte kollektive Prägungen von Bildern und Wissen über die Welt, die über die Angebote der lokalen oder nationalen Medien zirkuliert werden.  

Grundsätzlich gilt, dass „globale Momente“, also direkte oder medienbasierte grenzüberschreitende Interaktionen, eine globale Erweiterung der Lebenswelt bedeuten. Doch wann führen unterschiedliche mittelbare und unmittelbare globale Kontakte über die lokalen Lebenswelten hinaus zur Fortschreibung bestehender Wissens-, Bedeutung-, und Interaktionsstrukturen und wann zu deren Erweiterung und Irritation? Erst letztere macht im Sinne Habermas’ Neuverhandlungen in Alltagsgesprächen notwendig und schafft damit die Grundlage für eine nicht bloß quantitative, sondern auch qualitative Erweiterung globaler Vernetzung im Alltag. 

Der Workshop forciert also eine innovative, interdisziplinäre und zugleich integrative Auseinandersetzung mit globaler Kommunikation und will damit den theoretischen Fachdiskurs über globale Entwicklungen beleben. 

Die leitenden Fragen des Workshops lassen sich wie folgt formulieren: Wie gestaltet sich globaler Dialog jenseits politischer und ökonomischer Systeme? Wie interagieren und kommunizieren Individuen, Gruppen und Gemeinschaften mit Hilfe von Medien oder durch die direkte interpersonale Kommunikation über die Grenzen lokalen Alltags hinweg und wie verändert diese Interaktion das soziale und kulturelle Leben, globale Wissensproduktion und gegenseitiges Verständnis? Wie und unter welchen Bedingungen wird also im lokalen Alltag globales Wissen über die Welt konstruiert und weitergegeben und welche Handlungskonsequenzen ergeben sich für Einzelne wie auch für die Gemeinschaft aus globalen Interaktionen? Kurz gefragt: wie global sind wir eigentlich? 

Dabei ist es nicht das Ziel, ausschließlich empirische Antworten auf diese Fragen zu finden, sondern vor ihrem Hintergrund Forschungsperspektiven zu erörtern, Instrumentarien und Konzepte zu diskutieren und neue Anschlussfragen zu formulieren. Die anvisierte Diskussion über den Status Quo globaler Kommunikationsforschung im deutschsprachigen Fachdiskurs und deren potenzielle Weiterentwicklung in Hinblick auf eine stärkere Integration sozialer Kommunikation soll einen ersten Impuls geben, um die zeitgemäße Entwicklung der Kommunikationswissenschaft voranzutreiben, die grenzüberschreitenden Kommunikationsbeziehungen jenseits von Medien- und Sozialsystemen einen angemessenen Stellenwert gibt. 

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