Universität Erfurt

20 Jahre Kommunikationswissenschaft in Erfurt

Aktuelle studentische Forschungsprojekte

Im Laufe des Master-Studiums Kommunikationsforschung: Politik & Gesellschaft führen die Studierenden im Rahmen verschiedener Lehrveranstaltungen wie z. B. den Methoden-Seminaren oder im Angeleiteten Lehren und Forschen eigene Forschungsprojekte von der theoretischen Basis bis zur Datenauswertung durch. Besonders interessante Projekte können dann auch bei Tagungen des Fachbereichs eingereicht oder publiziert werden.

Haustürwahlkampf zur Thüringer Landtagswahl 2014 (Winja Weber)

Da das Forschungsfeld des Haustürwahlkampfs in Deutschlands bisher noch unerforscht ist, beschäftigten wir uns im Zuge eines Masterseminars mit dem Haustürwahlkampf zur Thüringer Landtagswahl 2014. Ziel der Studie war es, mehr über den Stellenwert, die Organisation und den Ablauf von Haustürwahlkampf herauszufinden.

Zunächst wurden hierfür qualitative Leitfaden-Interviews mit den Wahlkampfmanagern der fünf größten Parteien in Thüringen geführt, um erste Informationen zu sammeln. Mit den Ergebnissen dieser Interviews wurde ein standardisierter Fragebogen entwickelt und an die Wahlkampfhelfer der Parteien geschickt, welcher sich genauer mit der Organisation im Vorfeld, dem konkreten Ablauf eines Gesprächs an der Haustür, der Datengenerierung und Evaluation, sowie Einstellungen und Merkmalseigenschaften der Wahlkampfhelfer beschäftige.

Die Ergebnisse zeigten, dass Haushalte im Vorfeld hauptsächlich aufgrund von Wählerpotentialanalysen  ausgewählt werden. ¾ der Befragten gaben an, Schulungen von ihren Parteien angeboten bekommen zu haben, welche sich vorwiegend mit praktischen und faktenbezogenen Inhalten wie beispielsweise dem Ablauf eines Gesprächs beschäftigten. Ein Gespräch an der Haustür dauerte durchschnittlich drei Minuten, in welchen vorwiegend auf den Wahlkampf hingewiesen wurde und einzelne Kandidaten vorgestellt wurden. Konkrete Inhalte der Parteien spielten eher eine untergeordnete Rolle. Eine Dokumentation der  Gespräche erfolgte meist während oder direkt nach einem Gespräch durch technische Hilfsmittel.

Die Ergebnisse belegten zudem erhebliche Unterschiede in der Relevanz und dem Ablauf von Haustürwahlkampf zwischen den Parteien. So schreiben die großen Parteien SPD und CDU dem Haustürwahlkampf einen weitaus größeren Stellenwert zu als die restlichen Parteien, was sich wiederum in der Professionalität wiederspiegelte.

Die Studie enstand im Rahmen des Seminars "Quantitative Methoden: Untersuchungen zur Thüringer Landtagswahl" bei Dr. Nicole Podschuweit im Sommersemester 2014

Parasoziale Meinungsführerschaft auf YouTube (Anne Reinhardt)

Seminargruppe bei den VideoDays 2015 in Köln

Im Rahmen des Seminars „Erforschung parasozialer Beziehungen mit quantitativen Methoden“ gingen die Studierenden der Frage nach, inwiefern YouTube-Stars die Rolle eines parasozialen Meinungsführers bei ihren Rezipienten einnehmen. Beruhend auf der Meinungsführerforschung und der Theorie der parasozialen Interaktion und Beziehung nach Horton & Wohl (1956) wurde die besondere Stellung der Videoplattform „YouTube“ im Alltag von Kindern und Jugendlichen in den Fokus der Betrachtung gesetzt, auf der zum Teil sehr reichweitenstarke Online-Akteure regelmäßig Informationen und Meinungen an ein überwiegend junges Publikum weitergeben. Mittels einer quantitativen Befragung im Rahmen der VideoDays 2015 in Köln wurden 238 Probanden im Alter zwischen 12 und 18 Jahren von den Studierenden zur Beantwortung der folgenden Forschungsfragen herangezogen: Sind YouTube-Stars Meinungsführer für ihre Rezipienten? Unterscheiden sich YouTube-Stars als parasoziale Meinungsführer von realen Meinungsführern aus dem persönlichen Umfeld der Zuschauer? Das Ergebnis der standardisierten Befragung macht deutlich, dass der Lieblings-YouTuber mit zunehmender Intensität der parasozialen Beziehung auch verstärkt als Meinungsführer von den Rezipienten wahrgenommen wird. Ratgeber im persönlichen Umfeld der Kinder und Jugendlichen, wie beispielsweise der beste Freund, verlieren dennoch nicht an Bedeutung. Vielmehr übernimmt der parasoziale Akteur eine ergänzende Meinungsführerschaft für einzelne Themengebiete, die im Freundeskreis weniger von Interesse sind.

Die Studie entstand im Rahmen des Seminars "Erforschung paraozialer Beziehung mittles quantitativer Methoden" bei Dr. Nicole Podschuweit und Cynthia Meißner, M.A. im Sommersemester 2015.

Der Einfluss von Unterhaltungsformaten auf die Organspendebereitschaft der Zuschauer (Winja Weber)

Bild: RTL/Rolf Baumgartner

Im Jahr 2010 führten Transplantationsskandale an mehreren Universitätskliniken Deutschlands zu einem steigenden medialen Interesse am Thema Organspende. Auch in der Daily Soap „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ wurde das Thema aufgegriffen und die Zuschauer konnten die Suche nach einem Spenderherz durch den Protagonisten Tuner sowie die Fälschung von Wartelisten im Krankenhaus verfolgen. Vor diesem Hintergrund stellte sich die Frage, inwieweit die Serie Einstellung und Handlungsbereitschaft der GZSZ-Zuschauer hinsichtlich Organspende beeinflusst. Theoretische Fundierung der Studie bildete die Kultivierungshypothese, nach der die Zuschauer eine bestimmte Vorstellung über die reale Welt aus dem Fernsehen übernehmen. Parasoziale Interaktionen können diese Kultivierungseffekte beeinflussen. Diese beschreiben die scheinbare Interaktion zwischen Zuschauer und Medienfigur. Über die Zeit hinweg können so Zuschauer enge Beziehungen zu Medienakteuren aufbauen (PSB). Vor dem Hintergrund der Kultivierungshypothese gingen wir davon aus, dass GZSZ-Zuschauer die Wichtigkeit von Organspende und die Manipulation durch Ärzte höher einschätzen als keine GZSZ-Zuschauer und eine starke PSB zum Protagonisten diesen Effekt verstärkt. Um dies zu untersuchen, wurden 149 Personen, darunter 52 GZSZ-Nutzer, online befragt.
Die Ergebnisse zeigten, dass das Aufgreifen des Themas Organspende in einer Daily Soap Einfluss auf die Einstellung der Rezipienten haben kann. So schätzen Zuschauer von GSZS die Wichtigkeit der Organspende höher ein und glauben stärker daran, dass Ärzte bei der Vergabe von Spenderorganen betrügen. Vor allem die parasoziale Beziehung hatte hierbei einen starken Einfluss. Diese Ergebnisse bestätigen Befunde der Entertainment Education-Forschung, die Serien das Potenzial zuschreiben, Gesundheitsbotschaften effektiv an bestimmte Zielgruppen zu transportieren.

Die Studie entstand im Rahmen des Seminars "Gesundheitskommunikation - Die Bedeutung der Medien für Gesundheit und Krankheit" bei Prof. Dr. Constanze Rossmann im Wintersemeser 2014/15.

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