Universität Erfurt

Die katastrophische Feerie

Die katastrophische Feerie: DFG-Projekt

Das Projekt

Das von der DFG geförderte Forschungsprojekt „Die katastrophische Feerie“ wagt das Zusammendenken einer ungewöhnlichen Verbindung von Wunderbarem und Katastrophe als thaumatrope Denkfigur der Moderne (vgl. ausführlichen Text). Im Zentrum des Vorhabens steht das Unterhaltungsgenre der Feerie, die als Boulevard- und Jahrmarkttheater des 19. Jahrhunderts mit ihren spektakulären Inszenierungen in der Forschung bisher fast gänzlich unbeachtet blieb. Dieses französische Phänomen eines Märchentheaters reiht Tableaus aneinander, statt stringente Geschichten zu erzählen. Der Effekt ist rein visuell: Die Zuschauer bestaunen die Zaubertricks, unerhörte Katastrophen − von Abstürzen der Helden bis zu Vulkanausbrüchen − und Feuer speienden Ungeheuer. Die Technik feiert auf der Bühne ein Bild nach dem anderen. Trotz der nicht zusammenhängenden Inhalte genießt die Feerie großes Ansehen und wird in der modernen Erzählliteratur von Flaubert über Proust bis hin zu Céline immer wieder aufgegriffen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts übernahm das Kino die Gattung und findet seither immer neue Formen der Spektakularität im Medium des Films.

Das Projekt fragt nach den Gründen für die Strahlkraft dieses kleinen Genres, das sich vor allem im 20. Jahrhundert transmedial durchzusetzen weiß. Wie ist die transformatorische Leistung der Feerie für das Denken von spektakulärer Diskontinuität einzuschätzen? Das Vorhaben zielt darauf ab, die bisher vernachlässigten kulturtheoretischen Implikationen der Feerie produktiv zu machen und fragt dabei nach einer möglichen Interpretation der Feerie als Denkfigur, in der sich die grundlegenden Ambivalenzen und Imaginationsformen der Moderne zeigen, die sich wunderbar und katastrophisch zugleich ausnehmen.

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