Universität Erfurt

MAX-WEBER-KOLLEG

Benjamin Sippel: Ehemaliger Doktorand

Ehemaliger Doktorand des Max-Weber-Kollegs

Academia.edu

Forschungsprojekt

Das Alltags- und Sozialleben des Tempelpersonals im kaiserzeitlichen Fayum

Meine Dissertation stellt fünf ägyptische Tempel des kaiserzeitlichen Fayum auf Basis papyrologischer, epigrafischer und archäologischer Zeugnisse vergleichend gegenüber. Hauptuntersuchungsfelder sind (1) die Namengebungspraktiken priesterlicher Familien, (2) Interaktionen der Tempelkollegien mit Stiftern und Klienten, (3) Erwerbsmöglichkeiten und Karriereoptionen abseits des religiösen Dienstes und (4) Konfliktfelder, in die die Tempelkollegien verstrickt waren. Die Wahl der Untersuchungsräume fiel auf fünf Siedlungen am Rande des Fayum, die mit Abstand die meisten historischen Quellen zu ägyptischen Tempeln und priesterlichen Familien der Kaiserzeit bieten und darüber hinaus als Gegenstand internationaler Forschungsprojekte im Zentrum aktueller Debatten stehen: Bakchias, Narmuthis, Soknopaiu Nesos, Tebtynis und Theadelphia.

Im größeren Zusammenhang fordert die Arbeit drei Prämissen heraus, die die bisherige Forschung zu den ägyptischen Kulten der Kaiserzeit maßgeblich mit geprägt haben: Die pauschale Konzeption ägyptischer Kultfunktionäre als „indigener Eliten“ wird verworfen, indem die Handlungsmächtigkeit der Amtsträger und Kollegien in konkreten Konflikt- und Entscheidungssituationen beleuchtet wird; die Grenzen unseres Erkenntnisvermögens über die ägyptischen Tempel und Kulte römischer Zeit werden unter anderem dadurch hinterfragt, dass die wesentlichen Unterschiede zwischen den Tempeln am Rande des Fayum offengelegt werden; insbesondere wird der These widersprochen, im 3. Jh. habe ein „Tempelsterben“ eingesetzt, denn dieses Narrativ basiert einerseits auf einer Fehlinterpretation der Überlieferungsgeschichte der historischen Quellen und andererseits auf einer veralteten Einschätzung der römischen Herrschaftspraxis als angeblich repressiv gegenüber den ägyptischen Kulten.

Vor diesem Hintergrund soll die Arbeit denen, die sich mit ägyptischen Tempeln und ihren Amtsträgern in der Kaiserzeit auseinandersetzen, einen Überblick und Anregungen zu weiterführender Forschung bieten. Angesprochen sind Althistoriker und Ägyptologen, Papyrologen und Religionswissenschaftler, aber auch Interessierte aus anderen Disziplinen. Derzeit bereite ich die Publikation der Arbeit vor, die für das Jahr 2020 zu erwarten ist.

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