Universität Erfurt

Wissenschaftsgeschichte

Balance, Dissonanz und Konformität: Geschichte der Sozialpsychologie im 20. Jh.

Gegenstand ist die Geschichte der Sozialpsychologie vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis in die frühen 1970er Jahre, insbesondere die in den 1940er und 50er Jahren prominenten Untersuchungen zur psychischen Balance, Dissonanz und zur Konformität. Die Studie liest die psychologische Rationalisierung irrationalen Verhaltens als Ausdruck basaler kultureller Konstellationen der Jahrhundertmitte (u.a. Emigration, technokratisches Denken, Ideologiekritik, militärische Forschung, Konsum- und Einstellungsforschung). Im Zentrum stehen Balance- bzw. Dissonanztheorien, die Erklärungen zur Verbindung von Kognition und Gefühlshaushalt liefern und je eigene Praxeologien zur Deutung kommunikativer Interaktion bereitstellen. In der Praxis gründen diese Theorien auf einer inszenierten Authentizität, sie bedienen sich experimenteller Operationen, die soziale Interaktion minimieren und dennoch kognitive Realität herzustellen versuchen. Auf diese Weise stützen die entsprechenden Ansätze auf paradoxe Weise zeitgenössische Positionen einer kulturalistischen Wissenschaftsforschung, die auf Prozesse habitueller Selbstverstärkung kognitiver und praktischer Verhaltensmuster abheben. Mit der Anwendung der Dissonanztheorie im Rahmen der zeitgenössischen Werbepsychologie rückt zudem die Frage nach Möglichkeiten der gezielten und nachhaltigen Steigerung von Konsumbedürfnissen und den damit verbundenen Techniken/Technologien der (Auto-)Suggestion, Motivation und kreativen Irritation in den Blick. Damit leistet die Untersuchung einen Beitrag ebenso zur Geschichte der Entstehung und Entwicklung eines pragmatischen, situativen und emotiven Modells menschlicher Vernunft, wie zur Geschichte der Kulturtechniken der Suggestion.

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