Universität Erfurt

Wissenschaftsgeschichte

Martin Gronau

    Universität Erfurt

    Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien

    Postfach 900 221

    99105 Erfurt

     

     

Vita

  • seit 2018: Ini-Stipendiat der Universität Erfurt
  • 2016-2017: Lehrbeauftragter an der Universität Innsbruck
  • 2014-2015: Junior Fellow am Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften (Wien)
  • 2013-2016: Mehrmonatige Forschungsaufenthalte als Gastdoktorand an den Universitäten Pavia und Wien, der Humboldt-Universität zu Berlin, der Fudan University Shanghai und der McGill University Montréal.
  • ab 2011: Binationale Promotionsstudien an den Universitäten Innsbruck und Frankfurt im Fach Alte Geschichte (und Altorientalistik); Arbeitstitel der Dissertation: „Von Menschen und politischen (Un)Tieren. Das Sinnbild des θηριώδης βίος im politischen Diskurs der griechischen Klassik“.
  • bis 2010: Studium des Gymnasiallehramts für die Fächer Altgriechisch, Geschichte und Gemeinschaftskunde an der Technischen Universität Dresden und der Università degli Studi di Siena.

Forschungsprojekt

Die Philologie der Physiker. Zur humanistischen Inspirationsgeschichte der Quantentheorie.

Im Jahr 2017 wurde dieses Gemeinschaftsprojekt (mit Magdalena Gronau) von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften mit dem ‚Bader-Preis für die Geschichte der Naturwissenschaften‘ ausgezeichnet. Das Forschungsvorhaben vereint altphilologisches und naturwissenschaftliches Spezialwissen und bringt es mit kulturwissenschaftlichen Perspektiven in Verbindung.

Das Projekt setzt es sich zum Ziel, die interdisziplinären Wechselwirkungen zwischen theoretischer Physik und (Alt)Philologie im intellektuellen Umfeld der frühen Quantenphysik historisch zu ergründen. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass die Korrespondenzen und Schriften der bedeutendsten, vornehmlich aus dem deutschen Sprachraum stammenden Quantentheoretiker reich sind an Rekursen auf altgriechische Begriffs- und Bildwelten. Diese waren ihnen durch die profunde altphilologische Bildung zugänglich, die sie u.a. an renommierten humanistischen Gymnasien erhalten hatten. Darüber hinaus standen zahlreiche Physiker und Nobelpreisträger wie Erwin Schrödinger, Werner Heisenberg oder Wolfgang Pauli bis ins Alter in engem Austausch mit bedeutenden Altertumswissenschaftlern und Philologen, konnten so ihr Antike-Wissen beständig erweitern und in ihren Spätwerken sogar wissenschaftsgeschichtliche Ausflüge zu den vermeintlichen antiken Ursprüngen der Quantentheorie unternehmen.

Das Projekt widmet sich diesem Phänomen auf mehreren Ebenen, die in Abhängigkeit von ersten Forschungsbefunden unterschiedlich akzentuiert werden sollen. Zum einen zielt es auf eine Untersuchung des humanistisch geprägten intellektuellen Umfelds ab, in welchem es zu einem produktiven Austausch zwischen der florierenden Altphilologie und der gerade im Entstehen begriffenen modernen Physik kam. Als Studie zur fachübergreifenden Antike-Faszination ergänzt das Vorhaben damit bisherige Forschungen zur ‚Milieubedingtheit‘ (Schrödinger) der Quantenphysik um zentrale, bisher kaum beachtete Aspekte. Indem das Projekt die „Philologie der Physiker“ ins Zentrum rückt, folgt es zum anderen aktuellsten Forschungsansätzen, die einen Brückenschlag zwischen Wissenschaftsgeschichte und Geschichte der (Alt-)Philologie anregen – auch auf der Ebene ihrer jeweiligen Praktiken. Wie beeinflusste die „philologische Schule“, die die Quantentheoretiker durchlaufen hatten, ihre Arbeits- und Erkenntnistechniken? Konnte die Synergie von Physik und Philologie letztlich sogar zu einer neuen Lesart des „Buches der Natur“ führen? Auf einer eher ideengeschichtlichen Ebene soll schließlich untersucht werden, inwiefern die humanistischen Inspirationsquellen der Physiker die späteren sprachlich-philosophischen Interpretationen quantenphysikalischer Phänomene beeinflusst haben, die sonst nur in komplexen mathematischen Formalismen fassbar waren. Umgekehrt wird hier zu klären sein, ob die mit der Quantentheorie einhergehende epistemische Revolution auch zu Neulesungen naturphilosophischer Quellentexte aus dem Altertum führen konnte.

Durch die fundierte und perspektivenreiche Analyse derartiger Wechselwirkungen leistet das Projekt einen grundlegenden Beitrag zur Erhellung der Wissenschaftsgeschichte nicht nur der Quantentheorie, sondern auch der zeitgenössischen Altphilologie.

Forschungsinteressen

  • Politische Kommunikation und Ideengeschichte der griechischen Antike;
  • Kulturanthropologie: Kultur- und Katastrophentheorien, Urzustandskonzepte, kulturelle Selbsterniedrigungsdiskurse, Tiermetaphorik
  • Kulturtechniken der Einverleibung und der Anverwandlung: Rezeptionsgeschichte; Translationstheorie; Anthropophagie

Auszeichnungen

  • 2017: Bader-Preis für die Geschichte der Naturwissenschaften‘ (gemeinsam mit Magdalena Gronau) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
  • 2014-2015: Junior Fellowship des Internationalen Forschungszentrums Kulturwissenschaften in Wien
  • 2010-2013: Stipendium des Internationalen Graduiertenkollegs ‚Politische Kommunikation von der Antike bis ins 20. Jahrhundert‘ der Universitäten Bologna, Frankfurt a.M., Innsbruck, Pavia, Trento.

Publikationen (Auswahl)

  • Politische Aporetik als Ausweg aus der Ausweglosigkeit? Paradigmen der griechischen Antike. In: Philipp Hubmann, Marie-Luisa Frick, Martin Gronau (Hg.): Politische Aporien. Akteure und Praktiken des Dilemmas, Wien 2016, 23–51.
  • Polybios. In: Rüdiger Voigt (Hg.): Staatsdenken. Zum Stand der Staatstheorie heute, Baden-Baden 2016, 34–39.
  • Primitives Essen? Überlegungen zum kulturanthropologischen Beigeschmack klassischer Menschenfresserei. In: Sebastian Fink, Friedrich Pöhl (Hg.): Kannibalismus, eine anthropologische Konstante?, Wiesbaden 2015, 65–101.
  • Zur (Un)Kultur des (Un)Politischen, oder: Demokratiekritik in der politischen Sprache der griechischen Klassik. In: Timo Heimerdinger, Eva-Maria Hochhauser, Erich Kistler (Hg.): ‚Gegenkultur‘, Würzburg 2013, 105–145.

Wissenschaftliche Vorträge

  • 2016/09 Geschichte in bewegten Bildern. Chancen und Grenzen der geschichtswissenschaftlichen Filmanalyse. Braunauer Zeitgeschichte-Tage, Braunau.
  • 2016/04 Of Bees, Birds, Ants ... and Men. Swarm Imagery and Social Self-Description in Classical Greece. McGill Classics-Oberseminar, Montréal.
  • 2015/03 Der antike Schwarm. Überlegungen zur Archäologie (bio)politischer Verwirrung. Öffentlicher Abendvortrag am IFK, Wien.
  • 2014/11 Kannibalismus in der Antike – Ein Überblick. Internationale Tagung: Kannibalismus, Innsbruck.
  • 2014/11 Zur Aktualität antiker Katastrophentheorien. Szenarien des Untergangs bei Thukydides und Aristoteles. 15. Österreichischer Althistorikertag, Salzburg.
  • 2014/06 Zur Biokinetik antiker Katastrophen. Szenarien des Untergangs in Historiographie und Philosophie der griechischen Klassik, International Conference on Oswald Spenglers Intellectual Heritage: Krise und Untergang als historisches Phänomen, Iasi.
  • 2013/09 A sheep among wolves. Two traditions of the primitive way of life in Berossos? 10. IGK-Klausurtagung, Erfurt.
  • 2013/06 Epik, Lyrik, Poesie: Dichtung als Medium politischer Kommunikation (gemeinsam mit Jonas Scherr). IGK-Stipendiatentagung: I media nella comunicazione politica, Bologna.
  • 2013/06 Von Menschen und politischen (Un)Tieren. Die politische Sprache des Isokrates im Kontext klassischer Kulturanthropologie. Workshop: Comunicazione politica dall’antichità, Rom.
  • 2013/05 Motifs of Primeval Brutishness in Ancient Mesopotamia and Greece, or: Comparative Considerations on (Pre)Classical Culturalism. Workshop on Intercultual Affairs (Intellectual Heritage of the Ancient Near East Project), Helsinki.
  • 2013/05 Homo culturalis. Vergleichende Überlegungen zu Kult(ur)anthropologie und Transzendenzdenken im klassischen Griechenland und Alten Orient. 15th International Congress for Ancient East-Mediterranean Studies (ICAEM): Political Functions of Sanctuaries in the Ancient East-Mediterranean Regions: a comparative approach, Tartu.
  • 2013/04 Primitives Essen? Eine Analyse des kulturanthropologischen Beigeschmacks klassischer Menschenfresserei. Workshop der Innsbrucker Forschergruppe Cultural Encounters and Transfers: Kannibalismus. Eine anthropologische Konstante?, Innsbruck.
  • 2012/09 Von Menschen und politischen (Un)Tieren. Angewandte Anthropologie in der politischen Rhetorik des Isokrates. 9. IGK-Klausurtagung, Trento.
  • 2012/06 Das Wesen der Politik im Streit der Disziplinen, oder: Begriffe des Politischen zwischen philosophischer Theorie und historischer Praxis? IGK-Stipendiatentagung: Manifestation(en) des Unfassbaren. Politisches Denken als Forschungsgegenstand der Geschichtswissenschaften, Frauenchiemsee.
  • 2012/02 Zur (Un)Kultur des (Un)Politischen, oder: Demokratiekritik in der politischen Sprache der griechischen Klassik. Workshop der Innsbrucker Forschergruppe Cultural Encounters and Transfers: Figuration Gegenkultur, Innsbruck.
  • 2011/09 Der Mensch als Tier – der Mensch als Gott. Vorstellungen der Urgesellschaft im politischen Diskurs der griechischen Antike, 8th IGK-Klausurtagung, Chiavari.

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