Universität Erfurt

Max-Weber-Kolleg

Prof. Dr. Andreas Anter: Kooptiertes Mitglied des Kollegrats/Vertreter der Staatswissenschaftlichen Fakultät der Uni Erfurt

Lehrstuhl für Politische Bildung
Universität Erfurt
Nordhäuser Str. 63
99089 Erfurt

Lehrgebäude 1, Raum 265

Forschungsprojekt am Max-Weber-Kolleg

Max Webers „Staatssoziologie“. Sozialwissenschaftliche Methodik und juristische Topik

Max Webers „Staatssoziologie“ besteht aus verstreuten Fragmenten und zwei inzwischen edierten studentischen Vorlesungsmitschriften. Sie sind weit davon entfernt, sich zu einem konsistenten Bild zu fügen. Der Staat erscheint je nach Kontext mal als „politischer Anstaltsbetrieb“, mal als „Herrschaftsverhältnis“, mal als „Handlungskomplex“, mal als „Maschine“, mal als „Knäuel von Wertideen“.

Das Vorhaben beschäftigt sich mit der Frage, welche theoretischen und methodischen Perspektiven sich in den staatssoziologischen Fragmenten generell unterscheiden lassen und in welchen ideengeschichtlichen Traditionen sie zu sehen sind. Diese Frage richtet sich insbesondere auf die disziplinäre Dimension. Von besonderer Relevanz ist hier das Verhältnis von sozialwissenschaftlicher und rechtswissenschaftlicher Methodik. Da Webers Positionen von juristischen Argumentationsfiguren gefärbt sind, stellt sich generell die Frage der Bedeutung juristischer Topoi in der Entwicklung der Staatssoziologie.

Webers Konzepte wurden in juristischen wie sozialwissenschaftlichen Disziplinen durchaus rezipiert, wenngleich sich die Rezeption hauptsächlich auf die Positionen zum Gewaltmonopol beschränkte. Die übrigen staatssoziologischen Aspekte wurden zumeist entweder vernachlässigt oder aber auf grobe Weise verzerrt. Inwieweit ist Max Webers Interpretation des Staates als eines Handlungskomplexes geeignet, die heute noch vorherrschende Sicht des Staates als eines substanzhaften Gebildes zu überwinden? Inwieweit vermag Webers Ansatz insbesondere die Verengungen einer spezifisch juristischen Betrachtungsweise zu vermeiden?

Aufgrund der vorgenommenen Rekonstruktion soll geprüft werden, inwieweit Webers Konzepte zur Bearbeitung heutiger staatstheoretischer Problemlagen herangezogen werden können. Hier stehen drei Aspekte im Vordergrund: erstens das Problem des Gewaltmonopols als Bedingung der Möglichkeit staatlicher Existenz, zweitens das Legitimitätsproblem moderner Staaten und drittens die Frage eines differenzierten, prozessualen Staatsverständnisses.

Zur Website von Prof. Anter:

Navigation

Untermenü

Werkzeugkiste

Nutzermenü und Sprachwahl