Universität Erfurt

Max-Weber-Kolleg

Dr. Asaph Ben-Tov: Junior Fellow

Universität Erfurt
Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien
Postfach 900 221

99105 Erfurt

asaphbentov(at)hotmail.com
Forschungszentrum Gotha

Forschungsprojekt

Der Auszug aus der Philologia Sacra


Die Verfechter der orientalischen Studien im 17. und 18. Jahrhundert erwarben ihre Ausbildung fast ausnahmslos in der altphilologischen Tradition ihrer Zeit, bevor sie ihre Aufmerksamkeit nach Osten richteten. Dies gilt insbesondere für den deutschsprachigen Raum, in dem spärliche diplomatische und kommerzielle Interessen in der Levante keinen bedeutenden Impetus für orientalische Studien verleihen konnten. Die deutsche gelehrte Begegnung mit dem Orient war fast ausschließlich textorientiert und fand sowohl ihren geistigen als auch ihren institutionellen Sitz im Leben im Rahmen der späthumanistischen Tradition, insbesondere im Dienst der Philologia Sacra – der Indienstnahme philologischen Wissens für die Erläuterung der Bibel.
Mein Forschungsprojekt befasst sich mit Fragen des Wandels dieser gelehrten Tradition unter akademischen Orientalisten und Altphilologen zur Zeit der Frühaufklärung (ca. 1660-1740). Untersucht wird eine umfassende Gruppe von Professoren aus verschiedenen, primär protestantischen Universitäten im Alten Reich, insbesondere anhand des reichen Korpus von Dissertationen und Disputationen der Zeit. Der hier betrachtete Wandel bezieht sich auf zwei parallele Vorgänge, die in den Jahrzehnten um 1700 bezeugt werden. Der eine betrifft den Gelehrten, oder konkreter, seine Herangehensweisen an den Textkorpus, der seine Bedeutung in der christlich-humanistischen Tradition fand. Diese prägte seit dem Auftreten des Humanismus sowohl das Verständnis der Gelehrten vom Zweck ihres Handelns als auch deren Antiken- und Orientbild. Zum anderen führt die zunehmende Individualisierung antiker Phänomene zu einer De-Konfessionalisierung des Antikenbildes. Ein späthumanistisches, konfessionell durchdrungenes Bild der Weltgeschichte als ein harmonisches Ganzes, in dessen Mitte die christliche Offenbarung steht, ging in ein zunehmend rigoros historisiertes Weltbild über, in dem sich nicht-christliche Phänomene ihre autonome Geltung und Würde aneigneten. Gleichzeitig verlor die Weltgeschichte, die nicht mehr als universal im traditionellen Sinn gelten konnte, ihre vermeintliche Kohärenz und wurde allmählich in Teilgeschichten aufgespalten. 

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