Universität Erfurt

Max-Weber-Kolleg

Dr. phil. Kathi Beier: Junior Fellow

Universität Erfurt

Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien

Postfach 900 221

99105 Erfurt

Vita

  • 2015 – 2017: Gastwissenschaftlerin am Hoger Instituut voor Wijsbegeerte der KU Leuven, Belgien
  • 2011 – 2015: Universitätsassistentin am Institut für Philosophie der Universität Wien, Österreich
  • 2009 – 2011: Lehrkraft für besondere Aufgaben am Philosophischen Seminar der Georg-August-Universität Göttingen
  • Februar 2010: Promotion in Philosophie am Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien der Universität Erfurt
  • 2004 – 2009: Doktorandin am Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien der Universität Erfurt (Stipendiatin der Jutta-Heidemann-Stiftung)
  • Jan-Juli 2007: Graduate Visiting Student am Worcester College der Oxford University, United Kingdom (Stipendiatin des DAAD und der Universität Erfurt)
  • August 2002: Magistra Artium (M.A.) in Philosophie und Geschichte an der Universität Leipzig

Lehrtätigkeit

Forschungsschwerpunkte

Ethik (v.a. Tugendethik); Theorien praktischer Irrationalität (v.a. Selbsttäuschung, Lüge, Willensschwäche); Geschichte der Philosophie (v.a. Antike und Mittelalter), Metaphysik (v.a. Begriff der Substanz)

Forschungsprojekt

Gründe der Tugend - Zur Fundierung der aristotelischen Tugendethik bei Thomas von Aquin / Grounds of Virtue - Thomas Aquinas and the Foundation of Aristotle's Virtue Ethics

In meinem Projekt untersuche ich die Frage, welche Rolle Thomas von Aquin bei der Aufnahme und Weiterentwicklung der aristotelischen Tugendethik zukommt. In der Forschung stehen sich dazu zwei Ansichten gegenüber. Während die einen den aristotelischen Grundton der thomistischen Ethik deutlich vernehmen und eine grundsätzliche Harmonie zwischen beiden Denkern feststellen, betonen die anderen vor allem die Unterschiede in der jeweiligen Lehre von den Tugenden; insbesondere wehren sie sich gegen die Auffassung, Thomas sei gewissermaßen nur ein „getaufter Aristoteles“.

Der Streit ist eingebettet in die allgemeinere Fragestellung, wie das Verhältnis von antiker und scholastischer Philosophie zu bestimmen sei. Lässt sich berechtigterweise von einer „Hellenisierung des Christentums“ sprechen, d.h. einer Überformung der mittelalterlichen Philosophie durch die antike, vor allem griechische? Oder lässt sich die Wirkungsmacht christlichen Denkens nicht gerade erst dadurch erklären, dass es der heidnischen Philosophie etwas Neues entgegenzustellen wusste? Ein Kriterium dafür, diesen Streit zu entscheiden, ist sicherlich die Frage, ob sich die Aussagen der antiken Philosophen mit denen des christlichen Mittelalters vereinbaren lassen. Das Projekt geht dieser Frage mit Blick auf die Tugendlehren von Aristoteles und Thomas von Aquin nach. Dazu werden die folgenden historisch-systematische Thesen vertreten und begründet:

(i) Gegen die Ansicht einer Reihe von Aristoteles- und Thomas-Forschern wird gezeigt, dass beide Denker am selben Projekt der Begründung einer Tugendethik arbeiten. Man muss weder der Tugendlehre des Aristoteles noch der des Thomas von Aquin Gewalt antun, um ihren gemeinsamen Kern und ihre gemeinsame Stoßrichtung zu erkennen. Vielmehr ist es die Tatsache, dass die aristotelische Tugendethik weder relativistisch noch partikularistisch zu begreifen ist, sondern einen anthropologisch fundierten objektiven und universalen Anspruch vertritt, die es Thomas ermöglicht, unter gänzlich veränderten kulturellen und religiösen Umständen darauf aufzubauen.

(ii) Die Tugendethik des Aristoteles ist realistisch, objektivistisch und universal, weil sie die Notwendigkeit der Tugend aus der besonderen Natur des Menschen heraus begründet, ohne sich dabei eines unzulässigen „naturalistischen Fehlschlusses“ schuldig zu machen.

(iii) Dass Thomas von Aquin in seinem ethischen Denken auf Aristoteles aufbaut, zeigt sich in allen seinen eigenständigen Werken. Doch gerade weil Thomas Aristoteliker ist, steht er dem Denken des Aristoteles nicht unkritisch gegenüber. Das wird vor allem in seinem Bemühen deutlich, die oft recht skizzenhaft vorgetragenen Überlegungen des Aristoteles stärker zu begründen, ihre innere Ordnung zu rekonstruieren und sie in einem größeren systematischen Kontext zu sehen. So schafft es Thomas, die bei Aristoteles entwickelte Lehre von den Tugenden auszubauen und für eine christliche Ethik mit dezidiert universalem Anspruch fruchtbar zu machen.

(iv) Die Unterschiede, die es in der thomistischen Ethik im Vergleich mit der aristotelischen zweifellos gibt und die insbesondere das nun christlich verstandene Verhältnis zwischen Mensch und Gott und die besondere Rolle der göttlichen Gnade sowie die so genannten „theologischen“ Tugenden (Glaube, Liebe, Hoffnung) betreffen, sind als Erweiterung und Ergänzung zur Tugendethik des Aristoteles zu verstehen, nicht als deren Gegensatz. Denn für Thomas steht fest: Gratia non tollit, sed perficit naturam.

(v) Gelingt es, die Einheit und den universalen Kern der Tugendlehren von Aristoteles und Thomas von Aquin aufzuzeigen, wird auch die Kraft und Reichweite des tugendethischen Denkens im Allgemeinen deutlicher. Das kann auch zur Stärkung des tugendethischen Ansatzes in aktuellen moralphilosophischen Debatten beitragen.

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