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Aaron Plattner

Zur Person

Curriculum Vitae

Studium:

  • 10/2010-08/2018 Lehramtsstudium Latein und Griechisch an der LFU Innsbruck
  • seit 02/2016 Bachelorstudium CleO (Classica et Orientalia) mit den Schwerpunkten Alte Geschichte und Klassische Philologie an der LFU Innsbruck

Berufliche Erfahrungen:

  • 03/2016-02/2018 Studentischer Mitarbeiter am Institut für Sprachen und Literaturen, Bereich Gräzistik und Latinistik an der Universität Innsbruck

Forschungsprojekt

Resonanz und Ekphrasis. Die Stimmen heiliger Räume, Rituale und Gegenstände bei Pausanias

Die Frage nach dem Verhältnis von Historizität und Fiktionalität im Werk des Pausanias ist problematisch. In der Forschung bleibt bis heute umstritten, welche Aussagekraft man seinen Angaben zuschreiben kann. In der älteren Forschung dominierte eine Sichtweise, die auf Kategorien historischer Genauigkeit basiert. So wurde die Periegesis tes Hellados (Περιήγησις τῆς Ἑλλάδος, dt. Beschreibung Griechenlands) häufig als ein Reisebericht angesehen mit der Funktion, anderen Menschen eine Anleitung für ihre eigene Griechenland-Reise in die Hand zu geben. Doch diese Theorie liefert keine befriedigende Erklärung dafür, warum es – wie auch schon früher mehrfach bemerkt – kaum möglich ist, mit Pausanias in der Hand quasi als antikem Baedeker einen bestimmten Ort zu bereisen. Denn immer wieder begegnen dem Leser Räume, Gegenstände und Informationen, die zwar im Text, aber nicht in der Wirklichkeit vorhanden sind – und umgekehrt. Bisweilen wird die Sache auch durch den Umstand erschwert, dass die Reihenfolge der Objekte im Text von der realen abweicht. Vor diesem Hintergrund versteht sich das Projekt als ein Beitrag zur Klärung der Frage, wie Pausanias’ Schrift in ihrer Eigenart adäquat zu beschreiben und interpretieren ist.

In Anknüpfung an die jüngere Pausanias-Forschung (Hutton, Pretzler, Pirenne-Delforge, Akujärvi) und anlässlich der resonanztheoretischen Ausrichtung des Doktoratskollegs „Resonante Weltbeziehungen in sozio-religiösen Praktiken in Antike und Gegenwart“ (Rosa) beabsichtigt das Projekt auf der Grundlage von drei Prämissen eine eigene Deutung von Konzeption und Intention des Textes. Ich erwarte mir, plausibel darlegen zu können, dass Pausanias weder als antiker Baedeker noch als ein eigentümliches Geschichtswerk zu begreifen ist, und formuliere stattdessen alternativ die These, dass er ein antiquarisch-gelehrter Museumsführer mit nostalgischem Identifikationsangebot durch die semantisierte Landschaft der römischen Provinz Achaea ist. Der Begriff „semantisiert“ bezieht sich in diesem Zusammenhang auf den Umstand, dass dem Leser fortwährend von Pausanias gezielt ausgewählte und aufbereitete Highlights (ἀξιολογώτατα, dt. die erwähnenswertesten Dinge) aus dem kulturellen Gedächtnis (Assmann) der Griechen begegnen; und der Begriff „Museum“ bezeichnet nicht einen Ort, wo Menschen eine Sammlung von Altertümern bestaunen, sondern einen Raum der kollektiven und gefühlsbetonten Erinnerung.

Das Projektziel ist der Gültigkeitsnachweis der skizzierten „Museumsführer-These“. Erreicht werden soll es durch die Validierung der folgenden drei Prämissen:

P1: Material

In einem der einleitenden Kapitel der Dissertation soll diskutiert werden, was Pausanias im 2. Jh. n. Chr. überhaupt noch von dem gesehen haben kann, was er erwähnt und mehr oder weniger extensiv beschreibt. Da diese Frage von der Archäologie und der Alten Geschichte bereits des Öfteren behandelt worden ist und in größtenteils aufgearbeiteter Form vorliegt, besteht die geplante methodische Vorgehensweise in diesbezüglichen kritisch-hinterfragenden Rückgriffen.

P2: Gattung

In einem weiteren einleitenden Kapitel soll Pausanias in diachroner Betrachtungsweise innerhalb des periegetischen Genres verortet werden, wie es nachweislich seit der Epoche des Hellenismus verbreitet war. Die geplante methodische Vorgehensweise besteht in dem Vergleich von Pausanias mit hauptsächlich Ps.-Skymnos (2. Jh. v. Chr.) und Dionysios v. Alexandria (2. Jh. n. Chr.).

P3: Der Paideia-Diskurs des 2. Jhs. n. Chr.

Den Hauptteil der Doktorarbeit bildet die Einordnung der Periegesis in den zeitgenössischen Bildungsdiskurs. Bei Pausanias sind nämlich nicht nur sämtliche charakteristischen Merkmale der kaiserzeitlichen griechischen Literatur offenkundig: der Attizismus, die Zweite Sophistik und die antiquarischen Interessen. Sondern beim genaueren Lesen fällt zudem auf, dass er die Objekte gezielt im Text organisiert. Die geplante methodische Vorgehensweise besteht in der Analyse eines nach vordefinierten Kriterien erstellten Katalogs von rund 30 Textpassagen, die Beschreibungen von Heiligtümern, sakralen Gegenständen und Ritualen enthalten. Der Begriff „Analyse“ meint konkret, dass die betreffenden Textpassagen a) mit Bezug auf die antiken Ekphrasis-Theorien in den Progymnasmata-Schriften und b) mit Bezug auf die modernen literaturwissenschaftlichen Zugänge der ästhetischen Illusion (Wolf) und der Erzählanalyse (Genette) auf ihren Grad an Anschaulichkeit (ἐνάργεια) und Leser-Immersion hin überprüft werden. Das Projekt geht von der Annahme aus, dass bei der Rezeption eines vergegenwärtigenden Mediums wie der Literatur der Grundsatz gilt: je größer die Anschaulichkeit und Leser-Immersion, desto wahrscheinlicher stellt sich beim Lesen ein potenziell resonantes Erlebnis ein. Vereinfacht gesagt: maximale Leser-Immersion = potenzielles Resonanzerlebnis. Deswegen wird im Text nach Markierungen, Mustern, Sequenzen, Perspektivierungen, Fokalisierungen usw. gesucht, die – absichtlich oder auch nicht – als Steuerungselemente von Anschaulichkeit und Leser-Immersion gewirkt haben könnten, um auf diese Weise die Realisierung eines Resonanz-Erlebnisses so wahrscheinlich wie möglich zu machen.

Publikationen

  • Auer, M. / Sitz, S., Die Firmalampenproduktion des EVCARPVS – eine Studie zur römischen Keramikproduktion. Mit Beiträgen von Gerwulf Schneider, Aaron Plattner und Lambrini Koutoussaki, in: Germania 92 (2014), 85-127.
  • (gemeinsam mit Irina Tautschnig) Index in: Kofler, W. / Novokhatko, A. (Hrsg.), Cristoforo Landinos Xandra und die Transformationen römischer Liebesdichtung im Florenz des Quattrocento, Tübingen 2016.
  • Plattner, A., Die proathenischen und prospartanischen Wanderungsbewegungen im Herakliden-Mythos nach Ps.-Apollodor, in: Rollinger, R. / Stadler, H. (Hrsg.), 7 Millionen Jahre Migrationsgeschichte. Annäherungen zwischen Archäologie, Geschichte und Philologie, Akten der internationalen Tagung „Ötzi und die Migration: ein zentrales Phänomen der Menschheitsgeschichte“, 8. Oktober 2016, Innsbruck 2019, 163–181.