Universität Erfurt

Max-Weber-Kolleg

Geschichtsschreibung als Gegenwartsbewältigung. Der Weg des Literaten Ferdinand Gregorovius zur Geschichte

Ferdinand Gregorovius (1821–1891) gehörte bis weit ins 20. Jahrhundert hinein zu den meist gelesenen deutschsprachigen Historikern. Wilhelm Dilthey erschien er als „der hervorragende Geschichtsschreiber“, der zeige, dass „die Ereignisse nichts von ihrem Zauber verlieren, wenn sie auf die historische Wahrheit zurückgeführt werden“. Und noch Golo Mann bekennt, dass sich seine „Ansichten von dem, was Geschichtsschreibung sein kann, nicht muß, aber doch auf ihrem Höhepunkt sein sollte“ an der Lektüre von Gregorovius’ Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter gebildet hätten. Das mittlerweile abgeschlossene Projekt hat die Voraussetzungen des Gregorovius’schen Geschichtswerks zwischen Protestantismus, Hegelianismus und individueller Lebensbewältigung anhand bislang unbekannter Quellen beleuchtet und nach den Wirkungen dieser Grundkonstellation auf die Erfahrung und Produktion von „Geschichte“ zur Diskussion gestellt.

Die wissenschaftliche Annäherung an den Historiker vollzog sich hauptsächlich über zwei Editionsprojekte, die beide vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien getragen und im Zusammenwirken mit dem Verlag C.H. Beck in München erarbeitet worden sind. Teilprojekt A edierte den Briefwechsel des späteren Wahlrömers Gregorovius mit Freunden und Kollegen in seiner alten akademischen Heimat Königsberg; der Band liegt seit August 2013 gedruckt vor. Teilprojekt B hat das publizistische Schaffen des liberalen Intellektuellen in der Revolutionszeit 1848–1850 aufbereitet. Die 92 Leitartikel, die Gregorovius in dieser Zeit für die Neue Königsberger Zeitung verfasst hat, sind im Sommer 2017 in einer kommentierten Edition erschienen.

Vom 6. bis 7. März 2014 fand in Erfurt eine Tagung statt (Programm), die Gregorovius' Beitrag zur Historiographie und zur Geschichtswahrnehmung im 19. Jahrhundert neu profiliert hat. Aus den Beiträgen ist der Band „Transformationen des Historischen" entstanden, seit Oktober 2015 im Verlag Mohr Siebeck vorliegt. 

Doreen Hochberg, letzte Änderung: 4.12.2017

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