Profil

Die Erfurter Wissenschaftsgeschichte versteht sich als historische Wissensforschung. Sie folgt dem Programm einer historischen Epistemologie und betont deren politische wie praktische Dimension. Wissenschaften begreifen wir als relationale Gefüge, als Ensembles von Praktiken und Gewohnheiten, von Normen und Idealen, Kommunikationen, Medien und Objekten. Wir untersuchen Konstellationen, in denen Wissen selbst thematisch wird, fragen nach der Entstehung und Stabilisierung von Wissen, nach seinen Transformationen und Dekonstruktionen, nach Normal- und Ausnahmezuständen, nach historischen Qualifikationen objektiven, perspektivischen oder wahren Wissens.

Unsere Forschungen konzentrieren sich auf die Geschichte der Geistes- und Sozialwissenschaften sowie der Psychologie vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Konkret forschen wir u.a. zur Wissenschaftsgeschichte Osteuropas, der Geschichte der Sozialpsychologie, der Geschichte der Gewohnheit und der historischen Praxeologie der Wahrheit.

Die Professur für Wissenschaftsgeschichte ist am Max-Weber-Kolleg angesiedelt und eng mit dem Historischen Seminar, dem Forschungszentrum Gotha und dem Nachwuchskolleg Wissensgeschichte der Neuzeit verbunden. Darüber hinaus veranstalten wir alljährliche Pre- und Postdoc-Workshops: den Studientag Literatur und Wissenschaftsgeschichte (u.a. mit der FU Berlin und dem MPI für Wissenschaftsgeschichte), die Werkstatt Wissenschaftsgeschichte (mit der LMU München und der Uni Jena), die Schreibwerkstatt Psychologiegeschichte (mit dem Forum Geschichte der Humanwissenschaften), den Workshop South/Eastern and Central European Histories of Science and Humanities (mit dem IGITI Moskau und der Universität Wien).

In der Lehre im BA-Studiengang wird die Wissenschaftsgeschichte breit abgedeckt (von der Wissenschaftlichen Revolution bis heute; u.a. auch Geschichte der Biologie und der Anthropologie), in den MA-Studiengängen in Geschichte und der Sammlungsbezogenen Wissens- und Kulturgeschichte forschungsorientiert gelehrt.

Die inhaltliche und methodische Ausrichtung der Professur spiegelt sich auch in der Schriftenreihe Historische Wissensforschung (HWF).

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