Dr. Martin Christ

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Junior Fellow (Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien)

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Dr. Martin Christ

Zur Person

  • Seit 10/2018 wissenschaftlicher Mitarbeiter (Habilitand), Max-Weber-Kolleg  
  • 10/2017-09/2018 Teach@Tübingen Fellow, Universität Tübingen
  • 10/2013-09/2017 Promotion (Vollstipendium des Arts and Humanities Research Councils), University of Oxford, Betreurin: Prof. Dr. Lyndal Roper, Thema: Biographies of a Reformation: Religious Change and Confessional Coexistence in Upper Lusatia, c. 1520-1635
  • 10/2014-09/2015 Gastdoktorand an der Technischen Universität Dresden, Betreuer: Prof. Dr. Gerd Schwerhoff (finanziert durch die Alexander von Humboldt Stiftung)
  • 10/2012-09/2013 Master of Letters in Reformationsgeschichte (Distinction), St. Andrews, Betreuerin: Prof. Dr. Bridget Heal
  • 10/2009-09/2012 Bachelor of Arts (First Class Honours), University of Warwick

Forschungsschwerpunkte

  • Stadtgeschichte: Urbane Begräbnisse und Totenbräuche vom sechzehnten bis zum neunzehnten Jahrhundert (besonders in München und London).
  • Reformationsgeschichte: Reformation, Konfessionalisierung und konfessionelle Koexistenz in Böhmen und im Alten Reich.
  • Konversionsforschung: Glaubenswechsel in der Frühen Neuzeit in Europa und Nordamerika, besonders zum Luthertum.

Forschungsprojekt

Die Toten vor den Toren: Begräbnisse außerhalb der Stadt in München und London, 1520-1870 

Das Projekt beschäftigt sich mit einer der grundlegendsten urbanen Veränderungen der Frühen Neuzeit: dem Bedeutungswandel des vorstädtischen Bestattungsraumes. Während im sechzehnten Jahrhundert nur „Unehrenhafte“, Fremde oder Pesttote „vor dem Stadttor“ beigesetzt wurden, kam es im Untersuchungszeitraum zu einem neuen Verständnis des Gebietes extra muros, sodass spätestens ab der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts fast alle Bürgerinnen und Bürger europäischer Städte vor der (ehemaligen) Stadtmauer begraben wurden.Dabei spielten religiöse und urbane Faktoren, wie die Reformation, neue Hygienekonzepte oder die steigende Bevölkerungsdichte eine hervorgehobene Rolle.

Das komplexe Verhältnis zwischen Lebenden und Toten wurde grundlegend neu geordnet und die Bestattungen außerhalb des Stadtzentrums auch gegen signifikante Widerstände seitens der Bürgerinnen und Brüder durchgesetzt.Gleichzeitig gab es auch wichtige Ausnahmen zu den Begräbnissen außerhalb der Stadtmauern, wie z.B. Regenten, die weiterhin innerhalb der Stadt begraben wurden. Deshalb sind Residenzstädte für eine Untersuchung, die die urbane Nekrogeographie als Ganzes untersucht, besonders geeignet.

Das Projekt untersucht, welche innerstädtischen Grablegen beibehalten wurden, wie die alten Friedhöfe geschlossen wurden und die neuen Begräbnisorte verwaltet wurden, welche Praktiken dort stattfanden und welche Akteursgruppen dabei eine Rolle spielten. Es hinterfragt Meisternarrative der Sepulkralforschung, wie einer zunehmenden Säkularisierung des Friedhofes vor den Toren der Stadt oder der Verdrängung der Toten aus frühneuzeitlichen Städten und argumentiert stattdessen, dass die Toten und deren Gedächtnis auch noch präsent waren, als sie vor den Toren der Stadt begraben wurden.

Der Vergleich zwischen zwei wichtigen urbanen Zentren, München und London, gibt die Möglichkeit die Dynamiken der Neuverortung der Toten und des städtischen Raumes in vergleichender Perspektive zu betrachten. Die anglikanisch geprägte Handelsmetropole London und das katholische München ermöglichen dabei religiöse, wirtschaftliche und städteplanerische Aspekte vergleichend zu analysieren. Das Projekt fragt, wie sich die städtische Gemeinschaft durch die Neuordnung der Toten in diesem Zeitraum veränderte und wie sich religiöse, städtische und höfische Faktoren dabeigegenseitig beeinflussten.  

Publikationen

  • ‘Catholic Cultures of Lutheranism? Confessional Ambiguity and Syncretism in Sixteenth-Century Upper Lusatia’, in Kat Hill (Hg.), Cultures of Lutheranism: Reformation Repertoires in the Early Modern World (Past and Present Supplements 12), 2017, S. 165-188.
  • ‘The Town Chronicle of Johannes Hass: History Writing and Divine Intervention in the Early Sixteenth Century’, German History, 1/2017, S. 1-20.
  • ‘Von Münzen, Ketzern und Chimären - Zur Darstellung religiöser Persönlichkeiten des frühen 16. Jahrhunderts in den Ratsannlen des Johannes Hass‘, in Lars-Arne Dannenberg, Mario Müller (Hg.), Studien zur Stadtchronistik (1400-1850)  (Beihefte zum Neuen Lausitzischen Magazin 20, 2018), S. 131-151.