Universität Erfurt

Max-Weber-Kolleg

Sabine Gabriel: Gast-Doktorandin

Universität Erfurt
Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien
Postfach 900221
99105 Erfurt

 

 

Forschungsprojekt

Die Bedeutung des Körpers aus individueller und gesellschaftlicher Perspektive. Eine ethnographische und biografische Studie von Berufstanzenden und Anorektiker*Innen

Unsere Körper sind in gesellschaftliche Konstitutionen eingelassen und normativ stark aufgeladen. Diese hoch anerkannten gesellschaftlichen Werte besitzen einen erheblichen Einfluss auf die Konstruktion Körper und sind konstitutiv für beispielsweise gesunde, erotische, schöne, geschlechtliche usf. Körper. Der Körper ist ein Medium zur Kommunikation, zur Inszenierung des sichtbarwerdenden Selbst und letztendlich zur Ausbildung, respektive zur Annahme von Identitäten. Dieses Allroundmedium Körper ist uns mit den vermittelnden, (re)-präsentierenden und wahrnehmenden Funktionen also prinzipiell in mehrfacher Weise gegeben. In diesem Sinn lässt uns  unser Körper sowohl Handeln als auch Erleben und ist damit die essentielle Stellgröße im Leben.

Dieses Handeln und Erleben setzt die Annahme voraus, dass der Körper überaus sinn- und identitätsstiftend ist. Das wiederum impliziert einen Auseinandersetzungsprozess des einzelnen Menschen mit sich und der Welt. Selbst- und Körperthematisierungen sind miteinander verschränkt. Der Körper wird also begleitet vom individuellen Erfordernis der Auseinandersetzung des Selbst mit der äußeren, aber gleichfalls auch inneren Welt. Der Körper ist dabei stets anwesend. Im Goffman’sche Sinne haben wir ihn sozusagen immer mit dabei. Dieses permanente Zugegensein des eigenen Körpers und der Anderen im eigenen Dasein erfordert eine gewisse Art der Reflexionsleistung, die sich in den individuellen Biografien wiederspiegelt. 

Damit erscheint es aufschlussreich diese individuellen Prozesse der Auseinandersetzung des Selbst mit besonderem Fokus auf den Körper zu untersuchen. Die Forschungsfrage, von der ich ausgehe, ist: Welche Bedeutung hat ein Körper innerhalb von biografischen Prozessen? Zum jetzigen Zeitpunkt ist anzunehmen, dass die Bedeutung des Körpers für biografische Verläufe zum einen auf der Ebene von Orientierungsprozessen am Körper gekennzeichnet sein könnte und zweitens auf der Ebene der Körperführung. Auf der zweiten Ebene erfolgte also ein Ausrichten des Körpers in der Lebensführung. Anders kann gefragt werden, welchen Zusammenhang zeigen Biografie und Körper?

Der Fokus der Untersuchung liegt auf zwei Personengruppen, denen u.a. auf Grund von körperbetreffenden Grenzerfahrungen ein gesteigertes Bewusstsein für die Bedeutung ihres Körpers zugesprochen werden kann. Die dazugehörigen Vorüberlegungen sind nicht unwesentlich für die Erhebung erzählter Lebensgeschichten. Zum einen liegt der Fokus auf professionell Tanzende und dabei vor allem auf Menschen, die professionell oder semiprofessionell Ballett tanzen. Zum anderen stehen Menschen, die als anorektisch gelabelt gelten, im Blickfeld dieser Forschung. Personen dieser beiden Gruppen sind in expliziten Institutionen – in diesem Fall Theater, Ballettsaal bzw. in Selbsthilfegruppe sowie in Beratungsund Unterstützungseinrichtungen – beobacht- und befragbar.

Hinsichtlich des methodischen Vorgehens unterliegt dieses Promotionsvorhaben den Prämissen der Grounded Theory Methodologie und versucht mittels eines kontrastiven Fallvergleichs (minimalen und maximalen Kontrasts) zweier Hauptsamplegruppen eine gegestandsbegründete Theoriegenerierung. Das Datenmaterial wird mittels narrativer Interviews erhoben, die wiederum narrationsanalytisch (in Anlehnung an Fritz Schütze) ausgewertet werden. Auch wird eine zeitlich begrenzte, teilnehmende Beobachtung durchgeführt. Die strukturierten Beobachtungsprotokolle werden ebenfalls ausgewertet. Allerdings soll der teilnehmenden Beobachtung – im Sinne einer flexiblen und kontextbezogenen Forschungsstrategie – eine explorative, ergänzende Rolle zukommen. Ziel der Untersuchung ist das Aufspüren und Untersuchen der Körper(-lichkeit) als beständige Hintergrundmusik der sozialen Welt. Dies erfolgt im Hinblick auf die permanente wechselseitig bedingende Modifikation von Sozialen durch den Körper und von Körperprozessen durch Soziales. In engem Zusammenhang dazu steht die Sicht der untersuchten Personen auf ihren Körper und auf ihr(e) Bild(er) eines gesellschaftlichen Körpers.

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