Universität Erfurt

Max-Weber-Kolleg

Forschungsprojekt : von Prof. Dr. Katharina Waldner

Mysterienkulte, Jenseitsvorstellungen und Individualisierung in der antiken Religionsgeschichte

Das Projekt „Mysterienkulte, Jenseitsvorstellungen und Individualisierung in der antiken Religionsgeschichte“ wird im Rahmen der Kolleg-Forschergruppe „Religiöse Individualisierung in historischer Perspektive“ in Kooperation mit Wolfgang Spickermann und Veit Rosenberger durchgeführt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die antiken Mysterienkulte als ein eigener Typ von Religion (re)konstruiert, der – im Gegensatz zu der kollektivistischen Polisreligion – individuelle Bedürfnisse nach „Erlösung“ befriedigt habe und so als Vorläufer des Christentums gelten könne; dies verband sich für die Mysterienkulte der römischen Kaiserzeit mit der Behauptung, dass Mysterienkulte ein typisch „orientalisches“ Phänomen seien. Allein die Rekonstruktion dieser Forschungsgeschichte ermöglicht es, den wichtigsten Beitrag der modernen antiken Religionsgeschichte zum Diskurs um Individualisierung von Religion zu erfassen. Nicht dies steht jedoch im Mittelpunkt des Projektes, sondern eine Relektüre der antiken Quellen insbesondere der archaischen und klassischen Zeit. Denn da die Begrifflichkeit der älteren Forschung („Mysterienreligionen“, „Erlösungsreligion“, Orientalismus) zu Recht kritisiert und überwunden wurde, geriet die Frage nach der individuellen Dimension von Mysterienkulten, die bereits in der Antike als eigener Typus von Ritualen wahrgenommen wurden, in Vergessenheit. Dies gilt auch für deren Verbindung zu Jenseitsvorstellungen, die seit dem sechsten vorchristlichen Jahrhundert am deutlichsten im Fall der Mysterien von Eleusis und den Dionysos-Mysterien fassbar ist. Hier setzt mein Projekt erneut an und fragt, welcher Stellenwert der Option der Mysterien-Einweihung im System der antiken Polisreligion zukam. Die Mysterienrituale werden dabei im vielfältigen Diskurs über Jenseitsvorstellungen kontextualisiert. Diesen Diskurs selbst gilt es erneut zu rekonstruieren, denn er erlaubt Aussagen darüber, wie Persönlichkeit und Individuum in dieser Gesellschaft konzeptualisiert wurden. Die Einweihung in Mysterien erscheint so neben Bestattungsbräuchen als rituelle performance eben dieser Konzepte und damit auch von Individualität.

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