Universität Erfurt

Max-Weber-Kolleg

Dr. Jan Leichsenring: Assoziierter Post-Doktorand

Universität Erfurt
Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien
Postfach 900221
99105 Erfurt

Vita

geb. 11. September 1979 in Zwickau/Sa.

bis 2008 Studium der Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte in Leipzig

2008 Magister Artium im Hauptfach Philosophie in Leipzig

Oktober 2008 – Mai 2012 Kollegiat am Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien, Dissertationsprojekt: "Ewiges Recht? Zur normativen Bedeutsamkeit gegenwärtiger Naturrechtsphilosophie"

seit Dezember 2012 Postdoktorand am Max-Weber-Kolleg; Habilitationsprojekt: „Die Idee des Lebens. Der Beitrag des Idealismus zur wissenschaftlichen Rede über Leben, Praxis und Sinnorientierungen“

Forschungsprojekt

Die Idee des Lebens. Der Beitrag des Idealismus zur wissenschaftlichen Rede über Leben, Praxis und Sinnorientierungen

Mit diesem Projekt wird die Verknüpfung von zwei Themengebieten angestrebt: zum einen die heutige Rezeption des philosophischen Idealismus, zum anderen die Frage, wie ein Lebensbegriff beschaffen sein könnte, der für den Gegenstandsbereich der Geistes- bzw. Kulturwissenschaften relevant wäre. Der Begriff der Lebenswissenschaften wird heute weithin von den Biowissenschaften für sich reklamiert, offenbar in der Annahme, das Eigentliche des Lebens sei naturwissenschaftlich zu beschreiben. Demgegenüber ist Leben als Kulturphänomen mit den sich darin vollziehenden Prozessen der Sinnorientierung und Handlung gesondert zu betrachten. Zu diesem Zweck wurden in jüngerer Zeit Versuche unternommen, etwa Literaturwissenschaft oder Theologie als Lebenswissenschaft zu denken. Damit wird an einen weiteren Lebensbegriff angeknüpft, der menschliches Leben u. a. auch als soziale Relationiertheit in einem Raum von Gründen, Zwecken und Selbstverständnissen denkt. Gleichzeitig drohen Begriffe des Lebens und der Lebenswissenschaft leicht entgrenzt und semantisch entleert zu werden.

Dieses Projekt soll dazu beitragen, eine solche Lebenskonzeption genauer zu fassen, indem Autoren des deutschen Idealismus befragt werden, was sie zu ihr beitragen können. Dabei ist an den ausdrücklichen Umgang mit Lebensbegriffen bei Jacobi und Hegel, aber auch an Schellings Naturphilosophie zu denken. Die Leitfrage lautet hierbei, ob oder wie sich die dort entwickelteneinzelnen Elemente zu einer Konzeption des Lebens verbinden lassen, die nicht im Gegenstandsbereich der Biowissenschaften aufgeht, sondern menschliches Leben als Kulturphänomen bezeichnet. Methodisch ist v.a. von Interesse, wie der Idealismus Lebensäußerungen in Praxis und als Grundlage von Praxis behandelt, ferner dass dieser die Kontingenz von Wissensformationen zu erfassen und dass er Ganzheitskonzeptionen zu entwickeln vermag – vernunfttheoretisch etwa die Einheit der Vernunft in ihren verschiedenen Vermögen, ontologisch die Einheit der Welt in Notwendigkeit und Freiheit, handlungstheoretisch die Einheit der Teilpraxen in einer Gesamtpraxis.

Entgegen einer vielfach geäußerten Kritik wird hier das idealistische Systemdenken nicht als Versuch aufgefasst, abgeschlossene Welterklärungen vorzulegen, sondern als eine Methode, systematisch in dem Sinne vorzugehen, dass seine einzelnen Begriffe und Teilgebiete relationiert werden, um rational nachvollziehbar und veränderbar zu sein. Als Kernbegriffe werden Subjektivität, Praxis (Tätigkeit) und Organizität angesetzt, die menschliches Leben näher bezeichnen. Meine Hypothese zu einem kulturbezogenen Lebensbegriff besagt, dass dieser die kooperative Teilhabe an irreduziblen Sinnorientierungen beinhalten muss. Davon ausgehend sind idealistische Theorien daraufhin zu befragen, ob sie solche Vollzüge des Sinnhaften als Momente des Lebens einzelner Menschen und ihrer sozialen Relationiertheit zu denken gestatten. Zu erwarten sind von dieser Studie einerseits neue Erkenntnisse über den deutschen Idealismus, andererseits Anschlusspunkte für die Kulturwissenschaften und ihre Rede über Lebensphänomene.

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