Universität Erfurt

Max-Weber-Kolleg

Maik Patzelt: Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Universität Erfurt
Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien
Postfach 900221
99105 Erfurt

 

 

 

Vita

2010-2012 M.A.-Studium der "Geschichte" an der Humboldt-Universität zu Berlin,
Schwerpunkt Alte Geschichte, Nebenfach-Äquivalent ("persönliche Profilbildung") Gräzistik,
Titel der Masterarbeit: "Neue Betrachtung zur Struktur des Ersten Boiotischen Bundes. Versuch einer Bestimmung der exponierten Stellung Thebens im Bund anhand personaler Strukturen"

2007-2010 B.A.-Studium der "Europäischen Geschichten" an der Technischen Universität Chemnitz,
Titel der Bachelorarbeit: "Historische Betrachtung zu den ludi publici der Römischen Republik"

2009-2010 Studentische Hilfskraft bei Prof. Dr. Eckhard Meyer-Zwiffelhoffer und darauf bei Prof. Dr. Stefan Pfeiffer am Lehrstuhl für Antike und Europa, Institut für Europäische Geschichte, TU Chemnitz

geb.: 23.09.1987 in Bad Saarow-Pieskow

Betreuer: Prof. Dr. Jörg Rüpke (Max-Weber-Kolleg)

Forschungsprojekt

Das "Richtige" und das "Falsche" Beten

Äußerungen und Überlegungen zur richtigen Art des Betens in der Antike stehen in einem Kontext, der schon vor den Abhandlungen der christlichen Theoretiker einsetzte. Es war daher allem Anschein nach für einige von äußerster Wichtigkeit, das richtige vom falschen Beten getrennt zu wissen. In der Forschung führten solche Überlegungen zu einer idealtypischen Systematisierung korrekten und unkorrekten Betens. Die Kennzeichnungen eines falschen Betens wurden hierbei vorwiegend axiomatisch aus den Verhöhnungen und Kriminalisierungen berichtender antiker Autoren übernommen.

Dies betrifft neben zahlreichen Gebärden insbesondere die Beurteilung über leises und lautes Beten. Nicht selten etwa werden leise Gebete als „magisch“, übelwollend und hinterhältig gekennzeichnet, wobei demgegenüber Äußerungen zu finden sind, die darüber ein völlig entgegengesetztes Bild liefern. So wird beispielweise eine tiefste Sorge oder Aufrichtigkeit im persönlichen Umgang mit einem Gott attestiert. Anstatt diesen Widerspruch einzusehen, versuchte sich die Forschung bislang daran, auch solche Äußerungen in einen systematischen Katalog unmoralischen und unsittlichen Verhaltens zu integrieren, was aber den hier angerissenen Widerspruch von Devianz und Normativität innerhalb ein und derselben Grundhandlung kaum erklärt. Es gilt daher, einen völlig neuen Ansatz zu verfolgen, um die Bedeutung vermeintlich devianten Betens besser fassen zu können.

Die zentrale Frage muss daher sein, welche Intentionen die jeweiligen Autoren verfolgten, wenn sie bestimmte Gebärden gezielt als deviant markierten? Inwiefern ist hier ein Topos zu erkennen, der eine (emotionale) Reaktion des Rezipienten provozieren sollte? Inwiefern ist hier ein Normierungsanspruch religiösen Verhaltens sowie dessen versuchte Deutungshoheit zu fassen? Inwiefern sind beide Ebenen zugleich feststellbar? Inwiefern -und warum- also ging es um das gezielte Bedienen oder gar Konstruieren eines Stereotyps sowie um eine Teilhabe an einem Diskurs über bestimmte Gebetsgebärden? Hinzu kommt, insofern sich ein Normierungsversuch nachzeichnen ließe, inwieweit solche Versuche fruchteten oder aus gegebenen Gründen völlig scheiterten.

Eingedenk dieser zentralen Fragen gilt es, die Beurteilungen über dezidierte Gebetsgebärden in ihrem größeren Kontext zu betrachten. Die Lebensumwelt der adressierten Gruppen gilt es nicht weniger zu berücksichtigen als die des Autors selbst. Gleichermaßen darf auch nicht der narrative Kontext des überlieferten Zeugnisses außer Acht gelassen werden. Denn die gezielte Konstruktion oder gar Rezitation eines Gebets in seinem spezifischen Kontext wird ein Ziel verfolgt haben, das den modernen Betrachtern bislang evtl. nicht augenfällig geworden ist.

Die Ansätze der lived religion können hierbei helfen, innere Zusammenhänge dieses religiösen Streitfalls systematisch zu erfassen. Dies wird insbesondere die christliche Tradition hinsichtlich ihrer (un)bewussten Adaption, Neukonzeptualisierung und Ablehnung dezidierter Gebetsgebärden betreffen.

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