Universität Erfurt

Max-Weber-Kolleg

Eleonore Schulz: Doktorandin

Universität Erfurt
Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien
Postfach 900221
99105 Erfurt

 

Forschungsprojekt

Theologische Freiheitskonzepte zwischen 1789 und 1848

In meinem Dissertationsprojekt untersuche ich Freiheitskonzepte deutschsprachiger Theologen im Zeitraum zwischen Französischer Revolution und den Märzaufständen 1848. Dabei gehe ich von der Annahme aus, dass in diesem Zeitraum die bis heute prägenden politischen und ökonomischen Modelle und Debatten aufkamen bzw. sich durchsetzten. Der Freiheitsbegriff und seine verschiedenen Definitionen spiegeln diese Entwicklung in besonderer Weise wider. So lassen sich die politischen Bewegungen und Interessen dieser Zeit sowie ihre philosophische Reflexion anhand ihrer Freiheitskonzepte differenzieren – von einer der Ständeordnung verhafteten Deutung als nur innerlich zu lebender Freiheit, die die Schöpfungsordnung nicht gefährdet, über die liberale Deutung von Freiheit als durch rechtliche Gleichheit aller Bürger realisiert bis hin zur Befreiung des Menschen durch die Umgestaltung der Besitzverhältnisse und die Auflösung von Standes- und Klassenunterschieden.

Mich interessieren Freiheitskonzepte von Theologen, die in jener Zeit gesellschaftlich engagiert waren, etwa als Anhänger der Französischen Revolution, als Publizisten im Vormärz oder als Politiker und Abgeordnete. Dementsprechend breit ist die zu untersuchende Quellenauswahl: Zeitschriften, Zeitungen, Predigten, Schriften, Parlamentsprotokolle. Der Freiheitsbegriff dient dabei als Indikator für die theologische Wahrnehmung gesellschaftlicher Entwicklungen.

Leitfrage bei der Quellenanalyse ist zum einen die soziale und politische Relevanz des jeweiligen Freiheitskonzeptes, insbesondere mit Blick auf zeitgenössische Debatten in den entstehenden Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, und damit auch die Frage nach der Platzierung der Theologie im Verhältnis zu anderen Wissenschaften. Zudem frage ich, inwiefern Freiheitskonzepte konfessionsverbindend sind und was sie für das kirchliche Selbstverständnis bedeuten, auch im Hinblick auf gesellschaftliche Aufgabe und Funktion der Kirche(n) heute.

Zur Beantwortung dieser Leitfragen betrachte ich die Freiheitskonzepte in den jeweiligen Quellen anhand der folgenden Kategorien: Position zum Verhältnis von Freiheit und Gleichheit, Thematisierung von individueller und institutioneller/kollektiver Freiheit, Rezeption der Reformation als Befreiungsgeschichte, die allgemeine geschichtsphilosophische Positionierung sowie konkrete Freiheitsforderungen, sowohl bezüglich des kirchlichen als auch des allgemeinen gesellschaftlichen Lebens. Ziel ist die Entdeckung unbekannter, aber gesellschaftlich relevanter theologischer Positionen und darauf aufbauend eine Reflexion über den theologischen Umgang mit den dominierenden aktuellen Freiheitskonzepten.

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