Universität Erfurt

Max-Weber-Kolleg

Benjamin Sippel: Doktorand

Universität Erfurt

Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien

Postfach 900 221

99105 Erfurt

Vita

Ausbildung

  • seit 10/2014 Doktorand am Erfurter Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien, gefördert durch ein Christoph-Martin-Wieland-Stipendium der Universität Erfurt
  • 2011-2014 M.A.-Studium der Geschichtswissenschaft an der Universität Erfurt Masterarbeit: Fragmente aus einem Alltag. Auf den Spuren des Webers Tryphon aus Oxyrhynchos
  • 2008-2011 B.A.-Studium der Geschichtswissenschaft und der Philosophie an der Universität Erfurt

Anstellungen

  • seit 05/2015 Projektunterstützung im Stabsbereich ProUni – Forschung und Nachwuchsförderung der Universität Erfurt
  • 2016-2017 Wissenschaftlicher Mitarbeiter im ERC-Projekt Lived Ancient Religion: Questioning Cults and Polis Religion
  • 2014 Wissenschaftliche Hilfskraft bei dem Forschungsprojekt "Industriefotografie in Thüringen. Digitalisierung und integrierte Erschließung von Thüringer Fotobeständen zu Gewerbe und Industrie" (Prof. Dr. Alf Lüdtke)

Forschungsprojekt

Das Alltags- und Sozialleben des Tempelpersonals im kaiserzeitlichen Fayum

Betreuer: Prof. Dr. Andrea Jördens (Heidelberg), Prof. Dr. Richard Gordon (Erfurt)

Die Amtsträger der ägyptischen Kulte spielten in der Gesellschaft des Landes eine besondere Rolle: als religiöse Spezialisten pflegten sie die Texttradition und organisierten öffentliche Festspektakel; als Funktionäre des Herrscherkultes legitimierten sie Machtansprüche; Tempel stellten als Arbeitgeber, Grundbesitzer und Verbraucher regionale Wirtschaftszentren dar. Dementsprechend genossen die Kultfunktionäre noch in römischer Zeit Privilegien, etwa die Befreiung von der Kopfsteuer und Liturgien, während mit dem Archiereus in späterer Zeit ein eigener Prokurator für ihre Belange zuständig war. So nimmt es nicht Wunder, dass die Amtsträger der ägyptischen Tempel in der Forschung gemeinhin als Eliten stilisiert werden, die sich durch größere kulturelle, politische oder wirtschaftliche Relevanz von der übrigen Bevölkerung des Landes unterschieden. Gleichwohl künden manche Textzeugen noch in der frühen Kaiserzeit von verfallender Kultarchitektur und Tempelkollegien, die unter Personalmangel litten: manche Forschungsmeinung sieht hierin die Folgen eines unter römischer Herrschaft stattfindenden gesellschaftlichen Wandels.

In meiner Dissertation bestreite ich diese Thesen nicht grundsätzlich, ich ziele jedoch auf eine stärkere Nuancierung ab: als Teil einer religiösen Elite waren priesterliche Amtsträger in eine Gesellschaft eingegliedert, in der sie Erwartungen erfüllen und ihre Privilegien legitimieren mussten. Ihr Status war nicht bloß gegeben, sondern er musste stets von neuem erworben und verteidigt werden, etwa durch individuelle und kollektive Strategien des Netzwerkens, des Ressourcenmanagements und der Selbstrepräsentation. Ich untersuche daher in einer Reihe von Fallstudien, unter welchen Bedingungen und mithilfe welcher Strategien sich ägyptische Kultfunktionäre in bestimmte gesellschaftliche Schlüsselpositionen brachten, wie sie diese verteidigten oder unter welchen Dynamiken sie diese Positionen und Privilegien verloren.

Als Untersuchungsräume bieten sich die Siedlungen am Rande des Fayumbeckens mit ihrem reichen Fundus an papyrologischen und epigraphischen Quellen an, insbesondere Bakchias, Narmuthis, Soknopaiu Nesos, Tebtynis und Theadelphia. Beleuchtet werden dabei (1) Strategien sozialer Distinktion durch Namengebung und Endogamie, (2) soziale Funktionen der Tempel, (3) inwiefern priesterliche Amtsträger abseits des Tempelbetriebes als Schreiber, Kamelzüchter oder Darlehensgeber Schlüsselpositionen in lokalen Netzwerken einnahmen und schließlich (4) mit welchen Strategien sie Konflikte in verschiedenen Konstellationen aushandelten.

Die Studie soll dazu beitragen, die sozialen Eigenheiten einzelner fayumischen Siedlungen stärker herauszuarbeiten. Zudem wird ein Erklärungsmodell angeboten, das das jähe Verschwinden ägyptischer Tempel seit dem dritten Jahrhundert nicht allein im Licht überregionaler religiöser und politischer Wandlungsprozesse beschreibt, sondern auch in den Kontext lokaler Entwicklungen einordnet. Der Wert mikroperspektivischer Studien sowie die Chancen, die die demotischen und bilinguen Textzeugen für die Forschung eröffnen, werden hierbei unterstrichen.

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