Universität Erfurt

MAX-WEBER-KOLLEG

Simone Wagner: Doktorandin

Universität Erfurt

Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien

Postfach 900 221

99105 Erfurt

Vita

  • WS 2011/12-SS 2015: Studium des Bachelors mit den Fächern Geschichte (Hauptfach) und Philosophie (Nebenfach) an der Albert‑Ludwigs‑Universität Freiburg
  • WS 2012/13-SS 13, WS 2014/15-WS 2018/19: Hilfskraft am Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte I und der Abteilung Landesgeschichte
  • WS 2013/14-SS 2014: Erasmusjahr an der Katholieke Universiteit Leuven
  • SS 2015: Bachelorarbeit zum Thema „Abtsviten im Reformkontext um 1000 – Die Viten Johannes' von Gorze, Abbos von Fleury und Maiolus' von Cluny im Vergleich“
  • WS 2015/16-SS 2018: Studium des Masters Mittelalter- und Renaissancestudien in Freiburg; Masterarbeit zum Thema „Die Äbtissin Elisabeth von Falkenstein im Konflikt. Kommunikation über die Autorität der Äbtissin im Stift Säckingen um 1500“
  • WS 2018/19: Alumni-Preis der Philosophischen Fakultät Freiburg
  • ab SS 2019: Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Max-Weber-Kolleg Erfurt in der Kollegforschungsgruppe „Religion and Urbanity. Mutual Formations“

Forschungsprojekt

Autorität und Geschlecht. Konflikte um Äbtissinnen und Pröpste in südwestdeutschen städtischen Stiften (15./16. Jahrhundert)

Laien verbinden mit mittelalterlichem religiösen Leben meist Benediktinerklöster. Stifte hingegen sind weitgehend unbekannt. Auch die ältere Forschung hat vor allem Damenstifte wenig beachtet. Dabei sind Stifte besonders interessant. Kanoniker und Kanonissen eines Stifts mussten keine ewigen monastischen Gelübde ablegen und konnten freier als in einem Kloster leben. Es gab keine strenge Klausur für Frauen. Die Rahmenbedingungen für männliche und weibliche Herrschaft waren daher ähnlicher als in einem Kloster.

In der geplanten Arbeit werden männliche und weibliche Beispiele gemeinsam betrachtet und danach gefragt, wie sich die Autorität von Äbtissinnen und Pröpsten im Stift im 15. und frühen 16. Jahrhundert konstituierte und inwiefern sie angegriffen werden konnte. Ab der Mitte des 15. bis ins frühe 16. Jahrhundert häuften sich Konflikte um das stiftische Vorsteher*innenamt. Sowohl das Kapitel als auch städtische Akteure gerieten mit Äbtissinnen und Pröpsten in Konflikt. Äbtissinnen und Pröpste begegneten in dieser Zeit ähnlichen Herausforderungen. Geschlecht bestimmte religiöse Autorität nicht in dem Maße, wie lange angenommen. Auch der Stand und die religiöse Lebensform waren wichtige Faktoren religiöser Autorität. Daneben verschränkten sich stiftische und städtische Diskurse während der Konflikte. Die Analyse der Argumente und der Selbstdarstellung der Akteure in den Konflikten verdeutlicht, was über Äbtissinnen, Pröpste und ihr Amt sagbar war und welche diskursiven Grenzen den jeweiligen Ansprüchen gesetzt wurden.

Als Quellengrundlage dienen Dokumente der pragmatischen Schriftlichkeit, die im Laufe der Konflikte produziert wurden. Besonders aussagekräftig für die Fragestellung sind Formen von Prozessschriftgut, die den Anspruch der einzelnen Akteure zeigen. Zudem werden normative Quellen herangezogen. Als Untersuchungsbeispiele dienen südwestdeutsche Stifte. Das Projekt will das bisher wenig genutzte Potenzial der Erforschung stiftisch lebender Gemeinschaften im Südwesten nutzen und durch den Vergleich mehrerer Gemeinschaften eine breitere Perspektive auf Frauen- und Männerstifte werfen. Eine vergleichende Studie kann so neue Erkenntnisse über die vormoderne Geschlechtergeschichte gewinnen und zugleich einen wichtigen Beitrag zur Erforschung einer verschränkten stiftischen und städtischen Geschichte leisten.

Navigation

Werkzeugkiste

Nutzermenü und Sprachwahl