Universität Erfurt

Max-Weber-Kolleg

Michael Wutzler: Doktorand

Universität Erfurt
Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien
Postfach 900221
99105 Erfurt

Vita

2003-2004 Zivildienst "Elterninitiative Vogtland e.V."

2004-2005 Auslandsaufenthalt in Australien und Neuseeland

2005-2011 Studium der Soziologie, Neueren Geschichte, Wirtschafts- und Sozialgeschichte sowie Philosophie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Universität Bern

Magisterarbeit: "Dämmerstunden – Soziologie und Natur: Wandel, Möglichkeiten, Grenz(ziehung)en"

2008-2011 wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Sozialisationstheorie und Mikrosoziologie am Institut für Soziologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena

2012-2013 Lehrbeauftragter am Institut für Soziologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena

seit 2012 ausgebildeter Mediator

seit Oktober 2013 Doktorand am Max-Weber-Kolleg

seit Oktober 2014 Stipendiat der Ernst-Abbe-Stiftung

Forschungsprojekt

Fallverläufe und Falldynamiken in der Kinder- und Jugendhilfe. Eine fallrekonstruktive Studie zu Aushandlungsprozessen von Kindeswohl

Das Verhältnis von öffentlicher und privater Verantwortung für das Aufwachsen von Kindern unterliegt gegenwärtig einem starken Wandel. Der Zugriff auf Familie funktioniert verstärkt über die subtile, dezentrale und fließende Erzeugung sowie Vernetzung von Öffentlichkeit. In diesem Zusammenhang ist Kindeswohl nicht nur rechtlich eine zentrale Kategorie. In der Aufarbeitung der Literatur zur Problematik des Kindeswohls zeigt sich, dass der Unsicherheit, Diffusität und Offenheit des Begriffes insbesondere mit den Versuchen begegnet wird, Kindeswohl (multi-)perspektiv (produktiv verknüpfend, aber auch disziplinär abgrenzend), über bloße Konturen hinaus auszubuchstabieren und passend dazu professionelle Verfahrensstandards zu erarbeiten Dabei wird jedoch kaum thematisiert, welcher gesellschaftliche Raum des Aufwachsens sich infolge dieser historisch-spezifischen Problematisierung von Kindeswohl konstituiert, noch wird rekonstruiert, welche Bedeutung die praktischen Aushandlungen zwischen verschiedenen Akteuren in unterschiedlichen Arenen für das gegenwärtige Verständnis und die je konkrete Gestaltung von Kindeswohl besitzen.

Mein Forschungsvorhaben fragt danach, wie Kindeswohl in den Auseinandersetzungen zwischen der Kinder- und Jugendhilfe und Familien reproduziert und somit öffentliche und private Verantwortung für das Aufwachsen von Kindern vermittelt werden. Dies soll nicht als einseitiger oder dichotomer, sondern als ausgehandelter Prozess verstanden und fallrekonstruktiv untersucht werden. Wie wird Kindeswohl durch die verschiedenen Akteure (explizit oder implizit) in die Aushandlungsprozesse eingebracht, strategisch eingesetzt, interaktiv verhandelt, geformt und reproduziert? Wie entwickelt sich dies im Verlauf der Aushandlungsprozesse sukzessive? Rekonstruiert werden soll, wie sich der Fallverlauf bzw. wie sich Falldynamiken in Aushandlungsprozessen von Kindeswohl fallspezifisch auswirken.

Die Literatur zur Praxis der Kinder- und Jugendhilfe ist vielfältig, nicht eindeutig und zeigt ein sehr ambivalentes und widersprüchliches Feld. So kann die sozialpädagogische Praxis als eine die sozialisatorische Vielfalt anerkennende, fürsorgliche und fördernde sowie ressourcenorientierte Hilfe und Stärkung der elterlichen Verantwortung und familialen Resilienz beschrieben werden. Oder als eine aktivierende, präventive und defizitorientierte Kontrolle und über Transparenz organisierte, geglättete, gesellschaftliche Inklusion heranwachsender Kinder und Jugendlicher. Das Forschungsvorhaben zielt auf einen Bereich der sozialen Wirklichkeit, in dem das, was als familiär gilt, in heterogener Weise immer wieder in Krisen gerät, neu ausgehandelt werden muss und Kindeswohl – aufgrund des historischen Entstehungskontextes sowie des gegenwärtigen Wandels – in einem besonderen Spannungsverhältnis zwischen privaten und öffentlichen Interessen, Verantwortungen und Erwartungen an Familie stehen.

Soziale Arbeit ist genuine Fallarbeit und die Fallrekonstruktion ist eine zentrale Methode, dieses Handlungsfeld zu analysieren. Im Fall wird das Besondere im Zusammenhang mit den allgemeinen Schwierigkeiten aufgezeigt; und es werden fördernde und hinderliche Bedingungen, Widersprüche sowie Folgen in der Abwägung und Abgrenzungen vom Kindeswohl im Verlauf des Aufeinandertreffens und Aushandelns rekonstruiert.

Publikationen

Wutzler, Michael (2016): Familienbilder und Kooperationsfamilien in der Praxis der Kinder- und Jugendhilfe. Neue Praxis 5/2016, S. 427-449.

Wutzler, Michael (2016): Verteilte Verantwortungen - Von der geschlossenen affektiven familialen Privatheit zum offenen Netz emotionalen Engagements. Journal für Psychologie 1(24).

Wutzler, Michael (2013): Allgemeine, ökologische Modernisierung. Über Joseph Hubers „Allgemeine Umweltsoziologie“. KZfSS 1(65), S. 178-181.

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