Universität Erfurt

Lehrstuhl für Moraltheologie und Ethik

Herzlich Willkommen auf der Homepage des Lehrstuhls für Moraltheologie und Ethik!

Die theologische Ethik ist eine ethische Reflexion, welche die moralischen Überzeugungen auf ihren Zusammenhang mit religiösen Grundannahmen zur Deutung der Welt, des Menschen und seines Handelns bedenkt. Sie kann auf solche Verknüpfungen zwischen Glaube und moralischen Vorstellungen im alltäglichen Verständnis zurückgreifen (zum Beispiel: „Die Schadstoffbelastung der Atmosphäre zerstört die Welt als Schöpfung [Gottes]“). Dabei will die Moraltheologie zeigen, wie auf dem Hintergrund der christlichen Gotteserfahrung der tiefe Widerspruch zwischen der unvertretbaren Verantwortung des Menschen und seiner infrage gestellten Verantwortungsfähigkeit heute bewältigt werden kann. Sie eröffnet letztlich das Wissen um die Geborgenheit des Menschen in Gott als einen Horizont. Er lässt die gegenwärtige Zeit die Chancen des freiheitlich und technisch entwickelten Lebens entfalten, aber auch seine Grenzen gelassen und realistisch annehmen. Es geht um die Menschlichkeit, die in dieser Mitte liegt. >>>

Publikationen:

Herbert Meyer

Medizin als Heilsversprechen. Die überforderte Gesundheit als theologisch-ethisches Problem. Würzburg 2018.

Die vorliegende empirische Untersuchung macht ins Äußerste gesteigerte Erwartungen an die Medizin im Umfeld des radikal säkularisierten Lebensgefühls aus. Auf sie gilt es angemessen mit einem differenzierten kirchlich-pastoralen und medizinisch-therapeutischen Handeln zu reagieren. Kirchliche Verkündigung scheint innerhalb der glaubensfernen Kontexte nur noch schwer verständlich. Medizin tritt als Ersatzgebilde für religiöse Hoffnungen auf. Kirche scheint ihren Platz dort zu haben, wo Medizin und Naturheilkunde an ihre Grenzen kommen. Die Erwartungsstruktur gegenüber Medizin und Glaube erfordert deshalb ein kooperatives Handeln medizinischer und seelsorgerischer Kompetenz und Professionalität, um den Patienten eine umfassende psychophysische Hilfe zur Verfügung zu stellen. Sie reicht bis in die spirituelle Assistenz angesichts der Bedrohung von Krankheit, Behinderung und Tod hinein.

XXII, 200 Seiten, ISBN 978-3-429-04498-7

Bernhard Kohl

Die Anerkennung des Verletzbaren. Eine Rekonstruktion der negativen Hermeneutik der Gottebenbildlichkeit aus den Anerkennungstheorien Judith Butlers und Axel Honneths und der Theologie Edward Schillebeeckx’. Würzburg 2017.

Ausgehend vom Theologumenon der Gottebenbildlichkeit des Menschen wird diskutiert, wie deren ursprünglich intendierte funktionale Aussage im Horizont pluralistischer Kultur wiederhergestellt und gegenüber einer material-ontologischen Auslegung fruchtbar gemacht werden kann. Dafür wird im Anschluss an die kritische Theorie J. Butlers – insbesondere ihre Konzepte von Autonomie und Vulnerabilität –, den anerkennungstheoretischen Ansatz A. Honneths und an die Theologie E. Schillebeeckx‘ der Weg einer negativen Anthropologie und Ethik vorgeschlagen.
Somit wird eine Hermeneutik entworfen, die sich an der Verletzbarkeit des Menschen orientiert. Sie gewährleistet eine ethische und anthropologische Offenheit, die den Menschen als das bildlose Bild Gottes gegen gewaltvolle Zugriffe und fixierende Rahmungen je neu zur Geltung bringt.

XLIV, 420 Seiten, ISBN 978-3-429-04399-5

Daniel Bertram

Die Würde des vorgeburtlichen Menschen in der Wahrnehmung der Eltern und im ethischen Diskurs, Würzburg 2016.

Seit 1988 haben sich wiederholt von einer Fehl- oder Totgeburt betroffene Eltern mit Petitionen an den Gesetzgeber gewandt, um die Rechte der verstorbenen Kinder und ihre Rechte als Eltern zu stärken. Sie haben vor dem Hintergrund ihrer eigenen unmittelbaren und tiefen Erfahrung aktiv am Diskurs über fehl- und totgeborene Kinder partizipiert.
Die Arbeit reflektiert die Relevanz dieses Diskurses. Dabei wird eine Konvergenz zwischen vorreflexivem Erleben der Eltern und systematischer Argumentation beschrieben. Stets im Mittelpunkt der Studie steht die Frage nach der Anerkennung einerseits des vorgeburtlichen Menschen, auch und im Besonderen im Fall seines pränatalen Todes, sowie andererseits des Verlusts der verwaisten Eltern und der Trauer der Betroffenen.

XXVI, 206 Seiten, ISBN 978-3-429-03960-8

Matthias Bender

Verhältnismäßigkeit in der modernen Medizin. Von den außergewöhnlichen Mitteln zur Behandlungsqualität als personaler Abwägung, Würzburg 2016.

Medizinische Behandlungen bieten heute viele Chancen in den Bereichen der Lebensrettung und der Heilung von Krankheit. Diese Bemühungen können unter Umständen zu einer bloßen Verlängerung des Sterbeprozesses und so zu einer starken Belastung des Patienten führen. Dies wirft die Frage auf, wie die letzte Lebensphase in menschlicher Weise bewältigt werden kann und nach welchen Kriterien Entscheidungen für medizinische Behandlungen gefällt werden können. Darin wird deutlich, wie sehr statt der Fixierung auf objektive Indikationen, Techniken und Maßnahmen eine personale Dimension im Vordergrund steht und wie notwendig eine individuelle Abwägung in der Entscheidung ist und dabei der einzelne Patient im Fokus zu stehen hat.

XXXV, 179 Seiten, ISBN 978-3-429-03914-1

Martin Fischer

Dienst an der Liebe. Die katholische Ehe-, Familien- und Lebensberatung in der DDR, Würzburg 2014.

Die katholische Ehe-, Familien- und Lebensberatung in der DDR war ein pastoraler Dienst für Menschen in Konfliktsituationen. Die von Konzil und Pastoralsynode inspirierte Sorge um den Menschen wurde zu ihrer Motivation, mit der sie sich einen festen Platz im Kanon der seelsorglichen Aufgabenfelder der Kirche erarbeitet hat. Mit ihrem interdisziplinären Ansatz gelang es der kirchlichen Beratungskultur, die klassische Seelsorge zu ergänzen. Sie leistete dabei einen konkreten „Liebesdienst“ an gefährdeten Ehen, der Liebe in den Familien und zwischen den Generationen. Sie wurde so zum Dienst an der Liebe. Mit ihrer Offenheit für die Nöte der Menschen war die katholische Beratungsarbeit in der Lage, auch nichtchristliche Bevölkerungsschichten zu erreichen. Die beratende Seelsorge trug so zu einem missionarischen Wirken der kleinen Diasporakirche in der DDR bei.

XXXVI, 352 Seiten, ISBN 978-3-429-03676-8

Sebastian Berndt

Gott haßt die Jünger der Lüge. Ein Versuch über Metal und Christentum: Metal als gesellschaftliches Zeitphänomen mit ethischen und religiösen Implikationen, Hamburg 2012.

Metal und Christentum – zwei Welten begegnen sich! Seit über vierzig Jahren kritisieren christliche Kreise massiv die Musikkultur des Heavy Metals. Diese theologische Doktorarbeit setzt sich ausführlich mit der Kritik auseinander. Sie versucht aber auch, die innere Logik des Metals verständlich zu machen: Der Metal bemüht sich, alltagsrelevant mit Erfahrungen des Bösen umzugehen. Diese Praxis fordert den christlichen Glauben heraus: Welche alltagsrelevante Antwort auf das Böse kennt er jenseits der abstrakt-philosophischen Theodizeefrage?

400 Seiten, ISBN 978-3-8472-7090-4

Josef Römelt

Das Geschenk der Freiheit. Christlicher Glaube und moralische Verantwortung, Innsbruck 2011.

Die Orientierung in Fragen der Ethik ist heute schwer geworden. Durch den gesellschaftlichen Pluralismus wird die Vielfalt der Einstellungen auch auf dem Feld der Moral bewusst. Alles scheint erlaubt zu sein. Verbindliche Gebote gibt es nicht mehr. Doch es ist wichtig, auch heute Mut zu festen moralischen Überzeugungen zu machen. Es geht nicht um Fundamentalismus, sondern um die Erfahrung, dass ein Mensch ohne Ideale heimatlos ist und irgendwie traurig. Der Glaube an Gott ist eine Hilfe, eine Antwort zu finden in der Frage danach, was Gewissen, moralische Normen und ethische Orientierung für die gegenwärtige Bewältigung des Lebens bedeuten können. Selbst der Umgang mit der dunklen Erfahrung der Schuld wird leichter: zu unterscheiden, wo es darum geht, realistisch zu sein, Verantwortung zu übernehmen und mit den Möglichkeiten und Grenzen des eigenen Lebens kreativ und vernünftig zu leben. Dann wird deutlich, dass die Freiheit nicht nur schwierig zu gestalten ist, sondern dass sie ein großes und wunderbares Geschenk ist.

117 Seiten, ISBN 978-3-7022-3110-1

Josef Römelt

Der kulturwissenschaftliche Anspruch der theologischen Ethik (Quaestiones disputatae, Bd. 242), Freiburg 2011.

Die Dynamik der modernen Welt scheint von den Naturwissenschaften und den Ingenieurbüros auszugehen. Hier werden die großen Entdeckungen und Erfindungen gemacht, die das Leben erleichtern und den Menschen nach vorne bringen. Doch Atomphysik und Kernspaltung, ökologische Krise und genetische Manipulation machen deutlich, dass die dadurch angestoßene Entwicklung auch mit großen Risiken verbunden ist. Die Geisteswissenschaften haben deshalb ihr Profil weiter entwickelt und versuchen als Kulturwissenschaften durch die wissenschaftliche Reflexion menschlicher Kultur in dieser Situation kritische Besinnung und Orientierung anzubieten. Es ist umstritten, wieweit dieser Anspruch reicht. In der moraltheologischen Aufnahme des kulturwissenschaftlichen Paradigmas aber wird deutlich, dass die Sehnsucht nach der sinnvollen Selbsterhaltung des menschlichen Lebens an der Wurzel des kulturellen Fortschritts und aller Entwicklung steht. Und der christliche Glaube ermöglicht vernünftige Konfliktbewältigung, weil er einen Horizont der Hoffnung eröffnet, dass der Mensch trotz aller Widersprüche zwischen seiner Freiheit und seiner Unfreiheit, seiner Verantwortung und seinem Versagen eine Zukunft hat. So wird die angstfreie und deshalb realistische Auseinandersetzung mit der menschlichen Macht und Ohnmacht in den ethischen Fragen um die Chancen und Grenzen des wirtschaftlichen Wachstums, um die Achtung der Balance der Natur, um den sinnvollen Einsatz medizinischer Eingriffe und technischer Manipulation möglich.

100 Seiten, ISBN 978-3-451-02242-5

Dorothé Schleenstein

Frauenspezifische Suchtproblematik aus theologischer Perspektive am Beispiel der Ess-Störungen, Frankfurt am Main 2010.

Dieses Buch bietet theologische Leitbilder, die anorektischen und bulimischen Frauen eine Hilfe im therapeutischen Prozess sein können. Im ersten, humanwissenschaftlichen Teil der Arbeit werden Problemzentren der Ess-Störungen aufgezeigt, um darin mögliche Wege aus der destruktiven Dynamik dieser Sucht zu entdecken. Im Dialog mit den psychologischen Theorien hat die theologische Forschungsarbeit ergeben, dass die alttestamentlichen Prophetinnengestalten Debora und Jaël als Identifikationsfiguren für anorektische und bulimische Frauen dienen können. Einen weiteren Schwerpunkt dieser Studie bildet die Lehre vom 'Heiligen Geist'. Die 'Heilige Ruach' (hebr. «Geist») lässt sich als eine wichtige Kraftquelle für essgestörte Frauen aufweisen, die unterstützend auf den therapeutischen Prozess wirken kann.

264 Seiten, ISBN 978-3-631-59870-2

Stefan Meyer-Ahlen

Ethisches Lernen: eine theologisch-ethische Herausforderung im Kontext der pluralistischen Gesellschaft, Paderborn 2010.

Vor dem Hintergrund einer pluralistischen Gesellschaft kommt Fragen der Wertevermittlung, der Werterziehung — oder allgemeiner — der Unterstützung bei der Suche nach verlässlichen Orientierungsangeboten für das eigene Handeln eine wachsende Bedeutung zu. Bei Überlegungen zum ethischen Lernen aus Pädagogik, Philosophie, Soziologie und Psychologie kann gezeigt werden, dass auch die religiöse Dimension eine Relevanz hat. Sie schafft einen zusätzlichen Ermöglichungsgrund und eine besondere Motivation, sich auf den je persönlichen Weg des Findens von Werten und Maßstäben zu machen. Anhand ausgewählter Positionen der Moraltheologie nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil lassen sich zudem Spezifika einer theologischen Ethik herausstellen, die zeigen, dass im christlichen Glauben, zentrale und entscheidende Dimensionen auszumachen sind, die zu ethischem Lernen motivieren und ein Finden der eigenen Wertmaßstäbe gelingen lassen können. Insbesondere kann in diesem Zusammenhang auf Überlegungen zu den Komplexen „Freiheit", „Dialogik" sowie „Versöhnung und Entlastung" verwiesen werden. Ethisches Lernen ist demzufolge zutiefst ein Anliegen der theologischen Ethik.

200 Seiten, ISBN 978-3-506-76902-2

Josef Pilvousek / Josef Römelt (Hgg.)

Die Bibliothek des Amplonius Rating de Berka und ihre verborgenen Schätze. Anmerkungen zur Wiederentdeckung "Erfurter" Augustinus-Predigten (Erfurter Theologische Schriften, Bd. 39), Würzburg 2010.

2008 wurden im Rahmen eines von der Katholisch-Theologischen Fakultät und der Universität Erfurt organisierten Vortrages „neue Erfurter Augustinus-Predigten“ als ein „Aufsehen erregender Fund“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Entdeckt hatte die bisher unbekannten echten Texte Isabella Schiller, damals Projektmitarbeiterin bei der Kirchenväterkommission an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
Der vorliegende Band nimmt dies zum Anlass, um eine breitere Öffentlichkeit mit der Bedeutung eines solchen Fundes vertraut zu machen. Es geht dabei nicht um die Herausgabe der Schriften selbst oder um eine umfangreiche theologische Besprechung ihrer Inhalte. Das Buch ist vielmehr so angelegt, dass dem Leser der bibliothekarische Hintergrund, die zeitgeschichtliche Einordnung der Sammlung, in welcher die Predigten gesichtet wurden, die Fragen nach der Auffindung und Feststellung der Echtheit der Texte und die Bedeutung des Kirchenvaters Augustinus zugänglich gemacht werden sollen.

110 Seiten, ISBN 978-3-429-03249-4

Nach oben

Josef Römelt, letzte Änderung: 28.06.2018

Werkzeugkiste

Suche

Nutzermenü und Sprachwahl