Universität Erfurt

Lehrstuhl für Pastoraltheologie und Religionspädagogik

Stefan Ottersbach, Dipl.-Theol.: Doktorand

Promotionsprojekt "Evangelisierung - Lebensfreude - Pastoral"

Nach einem Studientag zur pastoralen Situation im Bistum Essen brachte es Louis, ein
Jugendlicher aus dem Partnerbistum Hong Kong, auf den Punkt: an vielen pastoralen Orten
erscheine ihm das Bistum angesichts seiner Geschichte und des enormen
Bedeutungsverlustes der Kirche im Ruhrgebiet - im Gegensatz zu der sehr lebendigen, aber
gesellschaftlich schon immer unbedeutenden Kirche in Hong Kong - „psychological frustrated“.
Hier wird ins Wort gehoben, was viele empfinden: die christlichen Kirchen – und mit ihnen der
Gottesglaube - sind in vielen Teilen Europas in eine Krise geraten. Der außenstehende
Beobachter bezieht sich auf zwei wesentliche Seiten dieser Krisenerfahrung kirchlicher
Pastoral: er weist einerseits auf den Verlust innerer Freude bei jenen, die sich in Kirche
engagieren, hin. Andererseits hebt er die Resignation angesichts schwindender
gesellschaftlicher Anschlussfähigkeit ins Wort. (Fehlende) „Freude“ und (geringe)
gesellschaftliche „Relevanz“ werden hier als Krisenindikatoren kirchlicher Pastoral benannt.
Als Reaktion auf diese Krise fanden in den letzten Jahren in vielen deutschen Bistümern
organisational-strukturelle Anpassungen statt. Parallel dazu gibt es mit dem Rekurs auf das
„Missions-/ Evangelisierungsparadigma“ eine theologische Reaktion auf die Krise. Im
aktuellen Pontifikat sind hierbei „Freude“ und „Relevanz“ zu Schlüsselworten geworden.
Gleichzeitig zeigt ein Blick in den Bereich der Lebenshilfeliteratur, dass „(Lebens-)Freude“ zu
einem gesellschaftlich bedeutsamen Thema avanciert ist. Auffällig ist nun aber der sich
zeigende „garstig breite Graben“ zwischen an vielen klassischen pastoralen Orten spürbarer
„psychologischer Frustration“ einerseits und der für die christliche Verkündigung
grundlegenden „Freude des Evangeliums“ (P. Franziskus) andererseits. So sehr P. Franziskus
die Menschen fasziniert, so sehr bleibt jedoch bei vielen ein Befremden hinsichtlich des
Evangelisierungsparadigmas bestehen.
Vor dem skizzierten Hintergrund widme ich mich mit der Dissertation einem in der
spätmodernen Pastoralkrise angemessenen Evangelisierungsverständnis. Zentraler Aspekt
wird hierbei der Topos christlicher Freude als Relevanzbrücke zu beschreibbaren
gesellschaftlichen Suchbewegungen nach Lebensfreude. Auf dieser Basis werden dann
theologische Aspekte einer kirchlichen Organisationsentwicklung sichtbar, wie sie heute Not
tut.

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