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Tschichold-Projektzyklus endet mit einer Schau in Basel

Zum Abschluss seines sechsjährigen Tschichold-Projektzyklus' hat der Erfurter Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Patrick Rössler soeben eine Ausstellung in der Baseler Schule für Gestaltung eröffnet. Sie ist dort noch bis zum 17. Juni zu sehen.

Prof. Dr. Patrick Rössler bei der Ausstellungseröffnung in Basel
Prof. Dr. Patrick Rössler bei der Ausstellungseröffnung in Basel

Der strahlend rote Kreis scheint allgegenwärtig: Auf Plakaten und Broschüren, Buchumschlägen und Werbezetteln der 1920er-Jahre prangte das auffällige Symbol. Und heute leuchtet es von den Reklamewänden der Stadt Basel, lädt ein zur großen Retrospektive der „Revolutionäre der Typographie“. Sie markiert den Schlusspunkt eines sechsjährigen Forschungs- und Ausstellungsprojekts von Prof. Dr. Patrick Rössler, Experte für das Grafik-Design im 20. Jahrhundert. „Typografische Spitzenstücke in solch einer Dichte und Qualität waren öffentlich noch nicht zu sehen,“ beschreibt der Professor der Universitt Erfurt den besonderen Charakter der Schau.

Denn erstmals ist eine Auswahl aus der „Vorbilder-Sammlung“ des deutsch-schweizerischen Typografen Jan Tschichold zu sehen, der 1936 der Schule, an der er lehrte, ein Konvolut von rund 1.500 kleinformatigen Drucksachen überließ. Drucksachen, die er über zehn Jahre hinweg zusammengetragen hatte. Vertreten sind berühmte Gestalter aus dem Bauhaus-Umfeld wie László Moholy-Nagy und Herbert Bayer, ebenso Künstler wie Kurt Schwitters und El Lissitzky – allesamt Pioniere des modernen Grafikdesigns. Die Ausstellung, zu der ein umfangreiches Begleitbuch erschienen ist, ermöglicht das Studium der Originale, die die Aufbruchsstimmung jener Epoche greifbar machen und die in Tschicholds Büchern meist nur in Schwarz-Weiß oder in stark veränderter Farbgebung abgebildet sind. Außerdem ist der gesamte Bestand nun digitalisiert und im Internet für weitere Forschungen recherchierbar.

Der Basler Dreiklang aus Buch, Ausstellung und Digitalisaten setzt dabei die Aufarbeitung des Schaffens von Jan Tschichold fort, die mit dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) an der Universität Erfurt geförderten Projekt zum Arbeitsnachlass des Typografen in der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig begonnen wurde. „Dieser Forschungszyklus ist ein gutes Beispiel dafür, dass es in den Archiven auch zu jenen Themen noch Spannendes zu entdecken gibt, über die vermeintlich schon alles gesagt ist,“ bilanziert Rössler die intensive Recherchetätigkeit in Kooperation mit seinen Partnern vor Ort. In der Gesamtschau weitet sich der Blick nun von Tschichold auf ein Netzwerk von 45 internationalen Gestaltern und auf ein Kapitel der europäischen Avantgarde, das unsere Wahrnehmung der gedruckten Medien bis heute bestimmt.

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