Cornelia Müller

Kurzbiographie

  • Seit Oktober 2016: Mitarbeiterin und Dozentin im Master-Studiengang „Management sozialen Wandels“ an der Hochschule Zittau/Görlitz
  • 2011 – 2016: Mitarbeiterin in mehreren Projekten an der Hochschule Zittau/Görlitz, u.a. Interreg-Projekt „Gesunde Schule und Qualifizierung – Zdrowa Szkoła i Kształcenie“ (2011-2014)
  • 2010 – 2011: Mitarbeiterin an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig
  • 2009 – 2010: Auftragsforschung am Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e..V., Dresden
  • 2009: Projektleiterin für Dokumentarfilm „Friedliche Revolution und Leipziger Schulen“ am Schulmuseum – Werkstatt für Schulgeschichte Leipzig
  • 2009: Wissenschaftliche Redaktion zur Zeitschrift „Archäologie in Sachsen-Anhalt“, Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
  • 2007 – 2008: Herausgeberin und Mitautorin der Ortschronik Neschwitz, Kultur- und Heimatfreunde Neschwitz e.V.
  • 2007 – 2008: Projektleiterin und Kuratorin für deutsch-polnische Ausstellung „Janusz Korczak – Kindern eine Stimme geben“ (Förderprogramm Interreg IIIa), Universität Leipzig, Erziehungswissenschaftliche Fakultät
  • 2006 – 2007: Projektleiterin für verschiedene Jugendprojekte am Schulmuseum – Werkstatt für Schulgeschichte Leipzig
  • 2004 – 2006: Mitarbeiterin im Gebietsreferat Leipzig am Landesamt für Archäologie Dresden
  • 2004 – 2005: Edition und Fortschreibung der Ortschronik Horka, Gemeinde Horka und Pfarrgemeinde Horka 
  • 2002 – 2003: Projektleiterin für Jugendprojekte zum Volksaufstand 1953, Schulmuseum – Werkstatt für Schulgeschichte Leipzig
  • 1996 – 2002: Magister-Studium an der TU Dresden: Neuere und Neueste Geschichte (Hauptfach), Politikwissenschaft (Nebenfach), Sächsische Landesgeschichte (Nebenfach)

Forschungsinteressen

  • Geschichte der Oberlausitz
  • Bildungsgeschichte insbesondere zur Reformpädagogik
  • Kinder im Holocaust
  • Wandel zur modernen Gesellschaft

Dissertationsprojekt

Feuer und Brandbekämpfung im 18. und 19. Jahrhundert am Beispiel der Oberlausitzer Städte Bautzen, Görlitz und Löbau

Der Dissertation liegt folgende Frage zugrunde: Wie bildete sich im Verlauf des 18. und 19. Jahrhunderts die heute bestehende Form der Brandbekämpfung vorwiegend mittels Freiwilliger Feuerwehren in Bautzen, Görlitz und Löbau heraus?

In einem einführenden Kapitel werden zunächst die Brände in den Städten der Oberlausitz analysiert: Können den Bränden bestimmte Regelmäßigkeiten oder Häufungen bezüglich Jahr, Jahreszeit, Tageszeit und Ursache zugeordnet werden? Gab es Perioden, in denen Brände gehäuft auftraten und daher der Bedarf an Brandbekämpfung besonders hoch war? Stehen solche Zeitabschnitte in Verbindung mit Weiterentwicklungen struktureller oder technischer Art in der Brandbekämpfung?

Brände haben die Städte und Dörfer (nicht nur in der Oberlausitz) immer wieder bedroht und zerstört. Als Vertreter des  Sechsstädtebundes, die innerhalb der Oberlausitz eine gewichtige Rolle in Politik und Wirtschaft in dieser Region gespielt haben, werden exemplarisch die Städte Bautzen, Görlitz und Löbau betrachtet. Wie wandelte sich hier die Brandbekämpfung im Übergang vom ständischen zum modernen, industriell geprägten Gesellschaftssystem? Interessant ist dabei die jeweilige Einbindung in die städtische Ordnung und welche Vorgaben bezüglich Organisation, Zuständigkeitsbereich und Aufgabengebieten gemacht wurden ‒ zunächst individuell durch die jeweiligen städtischen Räte und im Zuge des 19. Jahrhunderts zentral von staatlicher Seite und für alle Städte gleichlautend.

Die Oberlausitz selbst nimmt bezüglich ihrer Rechtsstellung eine Sonderrolle innerhalb des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation ein, die bis zur vollständigen Inkorporation in den sächsischen bzw. preußischen Staat im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts andauerte. Der Sechsstädtebund wiederum bestand als einziges Beispiel vieler weiterer Städte-Vereinigungen zum gegenseitigen Schutz- und Trutzzweck seit seiner Gründung im 14. Jahrhundert bis zu seiner Auflösung nach der Teilung der Oberlausitz 1815 fort. Daher ist es für die Untersuchung auch von Interesse, ob und wie sich der Bund und seine Mitglieder mit dem Thema Brandbekämpfung beschäftigt haben.

Es soll untersucht werden, wie Brandbekämpfung in den angesprochenen Städten im 18. und 19. Jahrhundert organisiert gewesen ist und welche Entwicklungsetappen zum heutigen Brandbekämpfungs-System geführt haben. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wandelte sich die Stände- in eine Klassengesellschaft mit umfangreichen gesellschaftlichen Änderungsprozessen. Dabei warennach dem Wiener Kongress  Bautzen und Löbau als sächsische Städte anderen (politischen, wirtschaftlichen) Einflüssen ausgesetzt als das Preußen angehörende Görlitz. Die allmähliche Herausbildung des modernen Brandbekämpfungssystems ist dafür ein Beispiel. Es führte zunächst zur Herausbildung eines (professionellen) Ehrenamtes und am Ende des 19. Jahrhunderts zu einem eigenständigen Berufsfeld mit der Begründung von Berufsfeuerwehren und zu eigenen Industriezweigen für Brandbekämpfungstechnik. 

Bei der Darlegung des Wandlungsprozesses soll geprüft werden, inwieweit sich die Konzeptionen von Max Weber, Émile Durkheim, Norbert Elias und Anthony Giddens über die Transformation der traditionalen zur modernen Gesellschaft bestätigen lassen. So erscheint einerseits Webers Darlegungen zum Wirkungsgrad der Rationalisierung auf gesteigerte Effektivität und Leistungsfähigkeit bei der Brandbekämpfung und einheitliche Strukturen in den Organisationen als zutreffend. Gleichzeitig ist Durkheims Analyse des Wandels von der ständischen zur modernen Gesellschaft am Beispiel der Arbeitsteilung und den daraus folgenden unterschiedlichen Solidaritätsformen relevant, denn Weber geht nicht darauf ein, wie gesellschaftlicher Wandel befördert wurde. Elias‘ Zivilisationstheorie hilft dabei zu ergründen, wie die Änderungen in der Brandbekämpfung zu Änderungen im sozialen Habitus geführt haben (könnten). Giddens arbeitete in seinen „Konsequenzen der Moderne“ heraus, dass sich das Vertrauens- und Sicherheitsverhältnis der ständischen Gesellschaft von der der modernen unterschied. 

Mit Bautzen, Görlitz und Löbau wird die Brandbekämpfung in drei Städten verglichen, die über Jahrhunderte innerhalb eines Rechtsraumes in einer engen Beziehung zueinandergestanden hatten und deren weitere Entwicklung nach 1815 durch die Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Rechts- und Politikräumen geprägt worden ist. Da ein wichtiger Abschnitt der Urbanisierung im 19. Jahrhundert mit der Reichsgründung beendet worden ist, wird der Untersuchungszeitraum bis 1871 ausgedehnt.

Publikationen

Publikationen

  • Müller, Cornelia: Die Welt um die Hildagsburg im frühen Mittelalter, in: Sonderband zur Grabung Elbeu, hg. von Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt (in Druck)

  • Müller, Cornelia: Korczak, Kinderfreunde und Kinderrepubliken, in: Facettenreich im Fokus. Janusz Korczak und seine Pädagogik – Historische und aktuelle Perspektiven, hg. von Rosemarie Godel-Gaßner und Sabine Krehl, Jena 2013, S. 185‒195.

  • Fahr, Jochen; Müller, Cornelia; Pacak, Peter: Das schwedische Feldlager von Latdorf bei Bernburg von 1644 (Salzlandkreis, Sachsen-Anhalt) – Ergebnisse der Ausgrabungen am Kalkteich 22 und an der L 73, in: Schlachtfeldarchäologie. 1. Mitteldeutscher Archäologentag vom 9. bis 11. Oktober 2008 in Halle (Saale), hg. von Harald Meller, Halle (Saale) 2009, S. 151‒162.

  • Kultur- und Heimatfreunde Neschwitz: Gemeindechronik Neschwitz – Njeswačidło, bearbeitet von Cornelia Müller und Andreas Wirth, Bautzen 2009, 404 Seiten, mit elf eigenen Beiträgen.

  • Müller, Cornelia: Cortnitz in Raum und Zeit, in: Arbeits- und Forschungsberichte zur Sächsischen Bodendenkmalpflege 50 (2008/09), S. 231‒250.

  • Müller, Cornelia: Schrecken des Krieges in Stadt und Land. Der Dreißigjährige Krieg in und um Latdorf, in: Die Ausgrabungen am Kalkteich 22 in Latdorf – „Die Chemie stimmt“, hg. von Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Sonderband 9, Halle (Saale) 2008, S. 95‒104.

  • Holscher, Ludwig August Theodor; Müller, Cornelia: Horka – Ein geschichtliches Lesebuch, hg. von Evangelischer Kirchengemeinde Horka und Gemeinde Horka, o. O. 2005, 396 S.

  • Magisterarbeit: Die Preisfragen der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Görlitz, 1779 bis ca. 1850 (2002) (unveröffentlicht)

Zeitzeugenfilme

  • Müller, Cornelia: „Freiheit und Verantwortung. Leipziger Schulen im Aufbruch 1989“, Schulmuseum – Werkstatt für Schulgeschichte Leipzig 2010.

  • Müller, Cornelia u.a.: „Der rote Stern. Antisemitismus in der DDR“, Schulmuseum – Werkstatt für Schulgeschichte Leipzig, 2007.

  • Müller, Cornelia: „Schule in Leipzig am 17. Juni 1953“, Schulmuseum – Werkstatt für Schulgeschichte Leipzig, 2003.