Simon Franzen

Kurzbiographie

  • ab 02/2019: wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur "Geschichte und Kulturen der Räume in der Neuzeit"
  • 2016-2019: Masterstudium im Elitestudiengang Osteuropastudien an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Universität Uppsala/Schweden
  • 2013-2016: Bachelorstudium der Geographie und Geschichtswissenschaft an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und der Universität von Ostfinnland in Joensuu

Forschungsschwerpunkte

  • Religionsgeschichte der Frühen Neuzeit, insbesondere reformierte Konfessionskulturen und religiöse Minderheiten
  • Ostmitteleuropa und der Ostseeraum während der Frühen Neuzeit
  • Wirtschafts- und Sozialgeschichte, insbesondere aus raumhistorischer Perspektive
  • die Frühe Neuzeit in der Historiographie der DDR und des sozialistischen Osteuropas
  • Historische Geographie/Kartographie
  • Krieg, Gewalt, Migration und Kriegsprävention in der Frühen Neuzeit
  • Landesgeschichte Thüringens, Hessens und der Rheinlande

Dissertationsprojekt

„Die Bedeutung räumlichen Wissens für die vormodernen Staatsformierungsprozesse am Beispiel des Herzogtums Sachsen-Gotha (1640 – 1715)“ (Arbeitstitel)

Das 1640 durch Erbteilung entstandene Herzogtum Sachsen-Gotha (ab 1672 Sachsen-Gotha-Altenburg) inszenierte sich als fortschrittliches vormodernes Gemeinweisen. Ein zentrales Element in dieser auch retrospektiv formulierten Bewertung des ernestinischen Territoriums als „Musterstaat“ war die Verwaltung. Das Dissertationsvorhaben untersucht, wie Wissen über den Hoheitsraum des Herzogtums durch die Verwaltung gewonnen, gespeichert, verarbeitet und genutzt wurde. Räumliches Wissen wird dabei in seiner vollen Breite verstanden und umfasst beispielsweise ökonomische Informationen, Bevölkerungsstatistiken sowie Beschreibungen der Verläufe der Grenzen zwischen lokalen Verwaltungseinheiten oder zu benachbarten Territorien.

Anhand der Betrachtung des in der Verwaltung Sachsen-Gothas präsenten Raumwissens kann ein Einblick in die Strukturen und Abläufe einer Verwaltung des 17. Jahrhunderts gewonnen werden. Untersuchungsfragen umfassen: Mit welchen Erhebungsmethoden wurde räumliches Wissen erfasst und in Form welcher Medien wurde es fixiert? Welche Akteure partizipierten im Prozess der Wissenserhebung und welche Strategien wandten sie an, um auf die Erhebung der Informationen Einfluss nehmen zu können? Welche institutionelle Bedeutung kam den Amtsleuten als Vertreter lokaler Verwaltungseinheiten in diesem Prozess zu? Welche Wahrnehmungen und Konstruktionen charakterisierten das Raumverständnis der herzoglichen Verwaltung? Wie reagierte die Verwaltung, falls Schwierigkeiten in der Wissenserhebung auftraten oder die erhobenen Informationen nicht den bürokratischen Vorstellungen entsprachen?

Neben der Auswertung von Verwaltungsschriftgut sollen auch Geographische Informationssysteme (GIS) zur Visualisierung und Analyse des durch die Verwaltung erhobenen und genutzten Raumwissens angewandt werden. Das Vorhaben versteht sich somit nicht nur als Beitrag zur Kulturgeschichte der Verwaltung und zur Raumgeschichte, sondern soll auch Beispiel für die Integration von digitalen Methoden in die geisteswissenschaftliche Forschung sein.

Publikationen

Ein Zehntel Hafen. In: GRUNERT, Heiner und KÜHRER-WIELACH, Florian (Hrsg.): Grenzen im Fluss –  Magazin des 13. Jahrgangs des Elitestudiengangs Osteuropastudien an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Universität Regensburg. Regensburg 2017, S. 20-23.

Karelienfieber. Das (fast) vergessene Schicksal schwedischer und finnischer Einwanderer in der Autonomen Sozialistischen Republik Karelien in den 1920er und 1930er Jahren. In: Erinnerungskulturen. Erinnerung und Geschichtspolitik im östlichen und südöstlichen Europa – Weblog der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien, 18.01.2019. Online abrufbar unter: https://erinnerung.hypotheses.org/4976.