Annexionen und Sezessionen im Zeitalter des globalen Kalten Kriegs

Artikel 2/4 der UN-Charta verbot Staaten jegliche gegen die territoriale Integrität anderer Staaten gerichtete aggressive Handlungen. Allerdings war der Sicherheitsrat, dem eigentlich die Aufgabe oblag, Verstöße gegen diesen Artikel zu ahnden, im Zeichen des Kalten Krieges zumeist von einer gegenseitigen Blockade geprägt. Dennoch erwies sich das Prinzip der territorialen Integrität im Zeitalter des Kalten Kriegs als erstaunlich wirksam. Um diese relative Stabilität zu erklären, wird der Umgang der internationalen Politik mit Annexionen und Sezessionen untersucht.

Im Mittelpunkt des Interesses steht die Rolle, die dabei den nach dem Zweiten Weltkrieg unabhängig werdenden Staaten zukam. Die Dekolonisation führte zu einem rapiden Wandel in der Staatenwelt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Eintritt der postkolonialen Staaten in die internationale Politik führte zu neuen Mehrheits- und Machtverhältnissen in den Vereinten Nationen und änderte die Spielregeln des Kalten Krieges. Mit diesem Fokus soll ein Beitrag zur Erforschung des Einfluss der „Dritten Welt“ auf die internationale Ordnung geleistet werden. Bislang galt das Interesse hierzu vor allem dem erfolgreichen Voranbringen einer anti-imperialistischen Agenda oder den erfolglosen Forderungen nach einer gerechteren Weltwirtschaftsordnung. Anliegen dieses Projektes ist es zu zeigen, dass der Einfluss der postkolonialen Staaten über diese Punkte hinausging und sie auch zur Konsolidierung eines Systems souveräner Staaten mit unverletzlichen Grenzen beitrugen.

Förderung: Fritz Thyssen Stiftung(seit Oktober 2018)

Bearbeiter: Dr. Christian Methfessel

Bild: Baudouin I speaking with Moise Tshombe at a reception following the first session of the Belgo-Congolese Round Table.