„…das Unternehmen, die Narren zu heilen…“ – Zur Herstellung und Funktion der Kategorie Heilung im Kontext der psychiatrischen Praxis der Heil- und Pflegeanstalt Sonnenstein in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts

„Irren ist heilbar!“ So lautete das Credo der noch jungen psychiatrischen Wissenschaften zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Europa. Diese Heilungsmaxime verfolgte man auch im Königreich Sachsen, als dort 1811 die erste staatliche Heilanstalt im deutschsprachigen Raum eröffnet wurde. Doch was genau hatte es mit der Heilung psychischer Krankheiten auf sich? In welchem diskursiven Gefüge kam die Idee einer möglichen Heilbarkeit auf? Welche Akteure waren daran beteiligt? An welche Verhaltensweisen knüpfte sich das Prädikat geheilt?

Ziel des Projektes ist es, durch die Untersuchung des Konzepts Heilung, Aussagen über die Konstitution bürgerlicher Selbstbilder und Gesellschaftsideale in einer Zeit der wirtschaftlichen und sozialen Umbrüche zu treffen. Dazu werden neben zeitgenössischen wissenschaftlichen Publikationen auch die Verwaltungs- und Patientenakten der Anstalt Sonnenstein diskursanalytisch untersucht. Heilung wird dabei nicht nur innerhalb eines wissenschaftlichen Diskurses betrachtet, sondern als eine gesellschaftliche Wissensformation begriffen. Dieses Wissen war gleichermaßen Produkt eines bestimmten diskursiven Settings und Produzent neuer gesellschaftlich relevanter Normen, Werte und Kategorien.

Mit dem „Unternehmen, die Narren zu heilen“ wurde Sonnenstein zu einem Mikroraum eines wirkmächtigen Wissenssystems, sodass in dieser Arbeit Diskursgeschichte, Wissensgeschichte und Mikrogeschichte verbunden werden. Heilung, so eine These der Studie, kam dabei eine stabilisierende, ordnende Funktion innerhalb einer Gesellschaft zu, deren Gefüge sich durch Aufklärung und Industrialisierung im Wandel befand.

Bearbeiterin: Elisa Schaarschmidt, M.A.

Bild: Ansicht von Pirna mit Festung Sonnenstein um 1757 © Wikimedia Commons.