Josef Menges und seine Tiere. Eine globale Verflechtungsgeschichte von Mensch-Tier Beziehungen

Ziel des Projektes ist es, anhand einer mikrogeschichtlichen Betrachtung des Tierfängers und -händlers Josef Menges (1850-1910) das Spannungsfeld zwischen Mensch, Tier, Wissen und kolonialer Globalität neu auszuloten. Das Forschungsvorhaben wird dabei von zwei zentralen Thesen geleitet: Im Sinne einer globalen Wissensgeschichte, die mit Nachdruck auf die transnationalen Verflechtungen moderner Wissensgenerierung verwiesen hat, lautet die erste These, dass Tiere die spezifische Situation vor Ort und die Generierung von Wissen entscheidend mitprägten. Zudem soll Menges dabei als Mittlerfigur im mehrfachen Sinne betrachtet werden, der nicht nur die Tiere etwa von Afrika nach Europa vermittelte, sondern auch als Mittler zwischen Tieren und Menschen fungierte. So werden auch Mensch-Tier Beziehungen analysiert und untersucht, wie Globalisierungsprozesse, die über und durch Tiere konstruiert wurden. Die zweite These geht daher davon aus, dass der globale Raum entscheidend auch durch Tiere geformt und über sie vermittelt wurde und dass Mensch-Tier Beziehungen eine bedeutsame Facette kultureller Verfasstheit von Globalität darstellen.

Der Tierhandel von Josef Menges wird im Projekt in seinen globalen, politischen, wissenschaftlichen und kulturellen Kontext eingebettet. So wird untersucht, wie die Produktion, Zirkulation und der Transfer von Wissen durch die Mobilität von Tieren geprägt wurde. Besondere Bedeutung kommt dabei auch dem Local Knowledge und der Rolle afrikanischer Akteure zu, wie auch dem Zusammenspiel von Mittlern und Netzwerken. Indem die logistischen, wissenschaftlichen und ökonomischen Bedingungen des Tierhandels analysiert werden, lassen sich Verflechtungen zwischen verschiedenen Zentren und Akteuren untersuchen. Neben der räumlichen und sozialen Dimension der Wissensproduktion werden auch Praktiken, die die Arbeit mit Tieren bestimmen – wie Beobachtung, Fang, Haltung und Transport – in den Blick genommen, sodass auch Mensch-Tierverhältnisse analysiert werden können. Globalisierung wird so zur doppelt verflochtenen Beziehungsgeschichte – zwischen verschiedenen Regionen einerseits und zwischen Mensch und Tier andererseits.

Methodisch möchte das Projekt das Potenzial der Human-Animal Studies mit Ansätzen der Post-Colonial-Studies verbinden, um anhand einer Betrachtung von Mensch-Tier Beziehungen im Sinne einer Historischen Anthropologie, die sich als symmetrische Anthropologie versteht, andere Wissenssysteme und Perspektiven einzubeziehen. Damit wird ein Ansatz gewählt, der auf mikrogeschichtlicher Ebene Akteure mit ihren Deutungen und Handlungsspielräumen in den Fokus stellt.

Bearbeiterin: Annika Dörner, M. A.

Bild: „Ausladung einer Sendung afrikanischer Thiere aus dem Schiffe „Urano“ in Triest. Nach der Natur aufgenommen von H. Leutemann.“ In: Die Gartenlaube, 1874.