Forschung

Laufende Forschungsprojekte

DFG-Projekt: Migration von Juden im Spätmittelalter. Das Beispiel Erfurt

Die nach den Verfolgungen 1349 im Jahr 1354 neugegründete zweite Erfurter jüdische Gemeinde erscheint in besonderer Weise als Zielort wie auch als Ausgangsort von Migration jüdischer Familien von Bedeutung zu sein. Einzigartig ist wohl die Zuwanderung etlicher Familien aus Schlesien, Mähren und Böhmen. Zugleich zogen zahlreiche Familien von Erfurt aus in die umliegenden Orte. Auch aufgrund der hohen Dichte jüdischer Siedlungen in Thüringen kann die Zeit nach 1349 als Blütezeit jüdischen Lebens in der Region gelten.

Das Projekt geht nicht allein der Fragestellung nach, woher die Familien kamen und wohin sie zogen. Untersucht werden vor allem die möglichen wirtschaftlichen oder politischen Voraussetzungen oder Gründe für den Wohnortwechsel einer Familie. Ebenso stehen die Folgen von Ab- oder Zuwanderung für die einzelne Familie sowie für das Sozialgefüge der jüdischen Gemeinde im Blickfeld.

Projektleitung und -bearbeitung: Dr. Maike Lämmerhirt

DFG-Projekt: Der König als Teil des Netzwerks. Herrschaftspraxis unter Wenzel IV. (1361-1419) in Böhmen und im Reich

Das Projekt untersucht, wie Herrschaft zur Zeit König Wenzels IV. funktionierte. Die fast durchgehend negative Bewertung dieses Herrschers  sowohl durch die zeitgenössische Historiographie als auch durch die moderne Forschung brachte ihm den Beinamen "der Faule" ein. Auf der anderen Seite herrschte er 22 Jahre lang über das römisch-deutsche Reich und über 40 Jahre als böhmischer König. Die langen Regierungszeiten zeigen, dass er Wege gefunden haben muss, seine Herrschaft durchzusetzen und aufrechtzuerhalten. Diese Wege sollen im Projekt vor allem anhand des erhaltenen Urkundenmaterials nachvollzogen und analysiert werden.

Projektleitung und -bearbeitung: Dr. Christian Oertel

PostDoc-Projekt: Zwischen Hunger und Völlerei: Ernährungstrends im Europa des Mittelalters

Das Forschungsprojekt will Ernährungstrends des Mittelalters sichtbar machen. Dabei wird davon ausgegangen, dass Hunger und Völlerei zwei dominante Pole mittelalterlicher Ernährung sind. Die Verbindung und Zwischenstufen dieser beiden Extreme werden jedoch in den Ernährungstrends sichtbar, die eine bewusste Beschäftigung mit Essen aufzeigen. Oftmals entstanden Ernährungstrends aus der Not des Hungers heraus oder aus der Sorge Maßlosigkeit zu begrenzen, sie erlauben somit vielfältige Einblicke in die Sozialstruktur und Mentalität eines mittelalterlichen Gemeinwesens. Das Forschungsvorhaben will sich den Ernährungstrend des europäischen Mittelalters aus drei unterschiedlichen Perspektiven widmen: aus medizin- und philosophiegeschichtlicher, aus religions- und körpergeschichtlicher sowie aus wirtschafts- und globalhistorischer Perspektive. Dabei können die einzelnen Subdisziplinen zwar als Schlagworte getrennt werden, verdichten sich aber in der Analyse von Ernährungstrends im Mittelalter. Letztlich kann nur das Zusammenspiel der Perspektiven ein erklärendes Bild über die Ernährungstrends des Mittelalters erzeugen.

Projektleitung und -bearbeitung: Julia Seeberger, M.A.

Promotionsprojekt: Dem Seelenheil verpflichtet. Gründungen und Förderungen von Klöstern im Spätmittelalter am Beispiel der Herren von Lobdeburg (Arbeitstitel)

Im Mittelpunkt stehen der Aufstieg des Hauses Lobdeburg und das religiöse Engagement der Familie, die sich sowohl in der Gründung und Förderung von Klöstern als auch durch die Inanspruchnahme des Bischofsamtes von Würzburg erkennen lassen. Das Geschlecht der Herren von Lobdeburg ist urkundlich seit dem 12. Jahrhundert belegt, als sie sich von Franken in den thüringischen Raum begaben und dort ihren Herrschaftsmittelpunkt errichteten. Der Zeitrahmen ist daher vom 12. Jahrhundert bis zum Aussterben des Adelsgeschlechtes im 15. Jahrhundert abgesteckt. Im Hinblick auf die Gründung und Förderung monastischer Institutionen ist nach der Motivation und den Gründen für die Wahl der Klöster und deren Orten zu fragen. Ebenso wird nach Kriterien zu suchen sein, die das religiöse Engagement der Adelsfamilie beeinflussten.

Die lobdeburgische Klosterlandschaft soll als Konstrukt betrachtet werden. Visualisiert durch ein Netzwerkmodell soll unter anderem aufgezeigt werden, wie intensiv Vertreter des Adelsgeschlechtes in Kontakt mit gegründeten und/oder geförderten Konventen standen, in welcher Art und Weise sie miteinander verflochten waren und welche Motive vordergründig erschienen, um die Verbindung aufrecht zu halten.

Bearbeitung: Tanja König, M.A.

Betreuung:    Prof. Dr. Sabine Schmolinsky, Prof. Dr. Immo Eberl

Promotionsprojekt: Die Landstadt und das Fürstentum. Das Selbstverständnis Eisenachs als „Hauptstadt“ Thüringens im Mittelalter (Arbeitstitel)

Die mittelalterliche Geschichte der Stadt Eisenach ist eines der Desiderate der Thüringer Landesgeschichtsforschung. Lag die Stadt bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts nicht nur geographisch im Zentrum der ludowingischen Herrschaft, wurde sie nach der Übernahme der Landgrafschaft Thüringen durch die Wettiner immer stärker zu einer Stadt unter vielen. Die urkundliche und chronikalische Überlieferung aus Eisenach – vor allem des 14. und 15. Jahrhunderts – betont daher immer wieder die besondere Bedeutung der Stadt und auch ihren Anspruch als „Hauptstadt“ der Landgrafschaft zu gelten. Die Arbeit soll daher untersuchen, welche Faktoren zu diesem Selbstverständnis führten und wie diese und das Selbstverständnis sich unter den wechselnden Zeitbedingungen änderten. Einen besonderen Platz nehmen dabei die zahlreichen geistlichen Institutionen der Stadt ein, die – einst als Form fürstlicher Verbundenheit mit dem Ort gegründet – später immer mehr zu einer, vor allem wirtschaftlichen, Belastung werden, die in einer sehr unruhigen Reformationszeit gipfelt.

Dabei soll auch die mittelalterliche Geschichte Eisenachs aufgearbeitet werden, die bislang nur in recht kritisch zu betrachtenden Werken untersucht wurde. Einen wichtigen Aspekt stellt daher die historische Grundlagenforschung dar. Der Untersuchungszeitraum wird dabei von den zwei Bezugspunkten Stadt und Landgrafschaft bestimmt und erstreckt sich von der Entstehung der Stadt im 12. Jahrhundert bis zur Zersplitterung der einheitlichen wettinischen Herrschaft in Thüringen im 16. Jahrhundert.

Bearbeitung: Erik Limburg, M.A.

Betreuung:    Prof. Dr. Sabine Schmolinsky

Promotionsprojekt: Die Formierung einer Adelsfamilie im Spannungsfeld politischen und religiösen Wandels. Das Beispiel der Grafen von Tonna-Gleichen (Arbeitstitel)

Die Familie der Grafen von Tonna-Gleichen kann als eines der bedeutendsten Adelsgeschlechter des mittelalterlichen Thüringen gelten. Dieser hervorragenden Position steht bislang eine unzureichende wissenschaftliche Erforschung gegenüber. Für die Untersuchung der Geschichte des mittelalterlichen Thüringen hat darüber hinaus die Verknüpfung moderner adels-, verfassungs- und landesgeschichtlicher Fragestellungen und Methoden mit frömmigkeitsgeschichtlichen und religionswissenschaftlichen Perspektiven bis heute kaum Beachtung gefunden. Das Dissertationsprojekt fragt daher, neben den Grundlagen und Möglichkeiten adliger Herrschaft, in besonderer Weise nach dem Aspekt der Hinwendung einer Familie zu unterschiedlichsten religiösen Formen, wie etwa der Förderung junger religiöser Bewegungen und Orden, der Gründung von Klöstern und der Teilhabe an der Kreuzzugsbewegung. Nicht zuletzt in der Memorialpraxis der Familienmitglieder wird die Verschränkung von adligem Selbstverständnis, Frömmigkeit und Familienbewusstsein erkennbar.

Bearbeitung: Nici Gorff, M.A.

Betreung:      Prof. Dr. Sabine Schmolinsky, Prof. Dr. Matthias Werner

Promotionsprojekt: Durch Worte kämpfen. Konfessionelle Polemik monotheistischer Religionen (14.-18. Jahrhundert) (Arbeitstitel)

Schriftliche Auseinandersetzungen zwischen Gelehrten seit der Reformation waren oftmals durch hitzige Wortgefechte gekennzeichnet. Thema waren die Andersgläubigen, Personen oder Gruppen, die nicht nach den gängigen Regeln der jeweiligen Religionsgemeinschaft lebten. Ketzer, Häretiker und Ungläubige waren Bezeichnungen, die in Polemiken nicht nur für Juden und Muslime galten, sondern auch für die katholische Kirche, die Lutheraner oder die Reformierten. Mit der Reformation verschob sich der Wortgebrauch. Die Auseinandersetzungen zwischen den Gelehrten wurden härter und personifizierter.


Ziel des Dissertationsprojektes ist es, anhand von polemischen (Druck-)Schriften und Predigten christlicher Gelehrter zu untersuchen, inwieweit sie durch sprachliche Benennung andere religiöse Gruppen charakterisierten und stigmatisierten. Auf Grundlage von Judith Butlers Theorie der „Hate speech“, welche besagt, dass Sprache durch eine eigene Handlungsmacht verletzen kann, wird untersucht, inwieweit die Benennungen und Stigmata verletzende Wirkung hatten. Dies soll anhand der Rezeptionsgeschichte der verwendeten Begrifflichkeiten näher erforscht werden. Hierbei spielt vor allem auch die Eigenwahrnehmung von Öffentlichkeit der jeweiligen Autoren hinsichtlich ihrer Schriften eine wichtige Rolle.


Um nachzuvollziehen, ob es Veränderungen in der Begriffsverwendung und –Wahrnehmung gab, ist es wichtig, die Untersuchung bereits vor der Reformation anzusetzen, weshalb das Projekt schriftlichen Kontroversen in der Zeit vom 14. bis zum 18. Jahrhundert untersucht.

Bearbeitung: Anne Weinbrecht, M.A.

Betreuung:    Prof. Dr. Susanne Rau, Prof. Dr. Sabine Schmolinsky

Thüringisches Klosterbuch

Thüringisches Klosterbuch

Abgeschlossene Forschungsprojekte

Promotionsprojekt: Konfliktaustragung im norddeutschen Raum des 14. und 15. Jahrhunderts. Untersuchungen zu Fehdewesen und Tagfahrt

dirks

In der Dissertation wird das Vorgehen Adliger bei Konflikten mit ihres gleichen und mit Städten untersucht. Dabei steht vornehmlich das Konfliktmanagement mittels der sogenannten Tagfahrt im Mittelpunkt der Studien. Was taten die Fehdegegner im 14. und 15. Jahrhundert, vor allem im norddeutschen Raum, um ihre einmal begonnenen Feindseligkeiten wieder beizulegen? Wie sahen mögliche Schritte der Deeskalation und der Schaffung von Frieden aus? Im Gegensatz zur Forschung zu den Land- und Gottesfrieden steht dabei nicht das präventive Element im Zentrum, sondern verschiedene Möglichkeiten und Versuche einer gütlichen Beilegung bereits laufender Auseinandersetzungen. Das bisherige Bild der Forschung, das eine zunehmende Beeinflussung der Konfliktführung durch rechtliche Elemente, wie den Anspruch der Kaiser und Landesherren auf eine allgemeine Stärkung des Schiedsgerichtes, konstatiert, vernachlässigt überwiegend das Element der Verhandlungsführung.

Die Studie untersucht mehrere Fallbeispiele von Fehden, in denen Tagfahrten für die Beilegung der Auseinandersetzungen eine große Rolle spielten. Die Erkenntnisse aus diesen Fallbeispielen werden dann unter verschiedenen Gesichtspunkten, vor allem auf Tagfahrten fokussiert, verglichen.

Durch einen solchen Vergleich wird nicht nur Fehde als Begriff und Sache zur Diskussion gestellt, sondern auch Kommunikationspraktiken der unterschiedlich verfassten Akteure analysiert, die bis hin zu „Kommunikation unter Anwesenden“ auf Tagfahrten reichen.

Bearbeiter: Florian Dirks

Promotionsprojekt: Mittelalterliche Klein- und Kleinststädte im nördlichen Thüringer Becken. Ein Vergleich ihrer Entstehung und Entwicklung

In den letzten Jahrzehnten hat sich die deutsche Städteforschung verstärkt den kleineren Städten und ihrer Rolle in den jeweiligen Räumen zugewandt. Gerade der thüringische Raum ist vor allem durch seine Vielzahl an Klein- und Kleinststädten geprägt, welche zum Teil sehr dicht nebeneinander liegen. Dieser Umstand macht die Städtelandschaft in Thüringen nahezu einzigartig.

Im Forschungsprojekt soll deshalb an fünf ausgewählten Beispielen untersucht werden, wie sich die jeweiligen Orte zu Städten entwickeln konnten und welche Funktion sie im zentralörtlichen Gefüge wahrnahmen. Ausgewählt wurden dafür die im nordwestlichen Thüringer Becken liegenden Städte Thamsbrück, Bad Langensalza, Bad Tennstedt und Schlotheim sowie der im Mittelalter als Dorf, Flecken und Stadt bezeichnete Ort Herbsleben. Zunächst sind an Hand eines Fragenkataloges alle fünf Orte in Einzeluntersuchungen zu bearbeiten. In einem zweiten Schritt sollen dann die Ergebnisse vergleichend betrachtet werden. Ziel ist es dabei, zu überprüfen, ob, wie die Forschung durchaus meint, die kleineren Städte maßgeblich aus territorialpolitischen und militärstrategischen Gesichtspunkten angelegt worden sind und sie deshalb kaum oder nur rudimentäre städtische Strukturen ausgebildet haben.

Die hierfür ausgewählten Orte sind in ihrem Status als Stadt nicht gleich, sondern befinden sich auf „verschiedenen Stufen von Stadt.“ Auf der untersten Ebene ist der von Zeitgenossen als Dorf, Flecken oder Stadt bezeichnete Ort Herbsleben anzusiedeln. Ob es sich hierbei um eine städtische Kümmerform handelt, wird zu überprüfen sein. Eine Stufe höher stehen dann die Gründungsstädte Thamsbrück und Schlotheim. Bei diesen ist zu untersuchen, inwiefern hier der durchaus in die Kritik gekommene Begriff Minderstadt anzuwenden ist oder nicht besser der neutralere Begriff Kleinststadt benutzt werden sollte. Auf der obersten Stufe, stehen die Städte Bad Tennstedt und Bad Langensalza, wobei der letztere Ort noch einmal eine günstigere Entwicklung nahm und neben der Reichsstadt Mühlhausen in der Region ein wichtiges wirtschaftliches Zentrum war.

Bearbeiter: Sven Leininger