Dr. Ansgar Teichgräber

Biographie

Ansgar Teichgräber studierte von 2008 bis 2013 Alte Geschichte, Mittelalterliche Geschichte und Klassische Archäologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Università degli studi di Pavia (Italien), war dann bis 2014 wissenschaftliche Hilfskraft an der Kommission für Alte Geschichte und Epigraphik des Deutschen Archäologischen Instituts in München und anschließend bis 2017 Doctoral Fellow an der Graduiertenschule „Distant Worlds“ an der LMU München. 2018 schloss er dort seine Dissertation zum Thema „Die Finanzen der nordafrikanischen Kirchen in vorvandalischer Zeit“ ab. Von 1. März 2019 bis 31. März 2021 war er Elternzeitvertreter für eine ganze Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Antike Kultur an der Universität Erfurt, an der er sich zu habilitieren beabsichtigt.

Publikationen

  • Was also ist unser Lohn? Die Finanzen der nordafrikanischen Kirchen in vorvandalischer Zeit. (Jahrbuch für Antike und Christentum, Ergänzungsband. Kleine Reihe 16) Münster 2020. 248 S. 
  • Kallidamas im Übergang: Komplexe Grenzen in IG II² 1214, in: C. Bachmann / J. Leithoff / K. Waldner (Hgg.):  Liminalisierung. Konfigurationen des Übergangs in antiken Kulturen. (Potsdamer Altertumswissenschaftliche Beiträge 76) Stuttgart 2021, 49-62
  • Verwalter im Klerus der spätantiken Kirchen Nordafrikas, in: R. Haensch – Ph. von Rummel (Hgg.), Himmelwärts und erdverbunden? Religiöse und wirtschaftliche Aspekte spätantiker Lebensrealität, Rahden / Westfalen 2021, 373-382

Seminare

  • SoSe 19: Trajan / Theorien und Methoden der Kulturgeschichte
  • WiSe 19/20: Nordafrika in der Antike / Antike Wirtschaft
  • SoSe 20: Monarchie, Aristokratie, Demokratie / Die hellenistische Polis
  • WiSe 20/21: Integriertes Proseminar / Die Gesellschaft der römischen Republik

Habilitationsprojekt „Grenzen in der griechischen Polis“

Griechische Poleis waren von zahlreichen inneren Grenzen durchzogen. Dazu gehörten etwa die Grenzen zwischen territorialen Untereinheiten, z. B. der Demen in Athen, die Grenzen sakraler Bezirke oder die Grenze zwischen asty und chora. Diese Grenzen hatten jedoch nicht bloß eine räumliche, sondern auch soziale und religiöse Dimensionen. So wurde die Zugehörigkeit zu einem attischen Demos vererbt, weswegen im Laufe der Zeit immer mehr Athener nicht mehr im Gebiet ihres eigenen Demos lebten und die Zugehörigkeit eine stärker soziale Komponente erhielt. Außerdem war der Zugang zu bestimmten Kulten nur den Angehörigen eines Demos erlaubt und andere attische Bürger von diesen Kulten ausgeschlossen, womit auch eine religiöse Dimension der Grenzen zwischen den Demen sichtbar wird.

Um die vielfältigen Aspekte der Grenzen innerhalb der griechischen Poleis angemessen erfassen zu können, soll der Interpretation das Konzept der „komplexen Grenzen“ zugrunde gelegt werden (vgl. D. Gerst – M. Klessmann – H. Krämer – M. Sienknecht – P. Ulrich, Komplexe Grenzen. Aktuelle Perspektiven der Grenzforschung, Berliner Debatte Initial 29/1, 2018, 3–11). Dieses geht für die Analyse von Grenzen von vier Prämissen aus:

  • 1. Grenzen müssen aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden, d. h. neben der räumlichen Dimension müssen soziale oder religiöse Dimensionen beachtet werden.
  • 2. Grenzen sind relationale Prozesse, dementsprechend stehen die verschiedenen Aspekte einer Grenze miteinander in Verbindung und beeinflussen sich gegenseitig. Hierbei spielen auch die Akteure und Dinge eine Rolle, die eine Grenze definieren oder sichtbar machen.
  • 3. Grenzen sind durchlässig, weswegen berücksichtigt werden muss, für wen und wann diese Grenzen galten und wie die Durchlässigkeit organisiert war.
  • 4. Grenzen sind nicht an sich gegeben, sondern Ergebnisse vergangener Prozesse und werden von den verschiedenen Akteuren ständig weiterentwickelt.

Insgesamt setzt sich das Projekt zum Ziel, die Struktur und Entwicklung der Gesellschaft in den griechischen Poleis aus einem neuen Blickwinkel zu beleuchten und so zum besseren Verständnis der internen Organisation der Poleis beizutragen.