Lehrveranstaltungen Wintersemester 2015/16

Lehrveranstaltungen von Prof. Dr. Susanne Rau

S-6/9: Zeitvorstellungen und Zukunftsvisionen in der Frühen Neuzeit

(B: E08, E10, EXX, W09, WXX / BA: E06, E09, W07, W09)
Dienstag, 14-16 Uhr, LG IV/D06

Normalerweise beschäftigt sich die Geschichtswissenschaft mit der Vergangenheit. In dem Seminar soll jedoch einmal gefragt werden, welche Vorstellungen frühere Gesellschaften von ihrer Zukunft hatten und mit welchen Bildern, Gefühlen und Räumen diesen verbunden waren. Dazu ist es wichtig, sich zuerst einmal näher anzusehen, welche Zeitkonzepte es in der Frühen Neuzeit gab und wie sich die Menschen im Alltag ihre Zeit organisierten (z.B. mit Hilfe von Kirchturmuhren oder Kalendern). Das Seminar startet mit der Lektüre neuerer Forschungsarbeiten, besucht gemeinsam das Weimarer Rendez-vous mit der Geschichte (Motto: „Wohin? Zukunftsvisionen gestern und heute“), um in einer weiteren Phase Quellen zu lesen und gemeinsam zu interpretieren. Bitte planen Sie den Besuch von wenigstens zwei Panels/Vorträgen im Rahmen des Weimarer Rendez-vous mit der Geschichte (13.-15. November) ein: www.weimarer-rendezvous.de



Literatur

Zum Einlesen: Peter Galison: Einsteins Uhren, Poincarés Karten. Die Arbeit an der Ordnung der Zeit. Aus dem Englischen von Hans Günter Holl, Frankfurt a.M.: S. Fischer 2003.

(Weitere Literatur wird im Seminar bekanntgegeben.)

Zukunftsvisionen: zur Geschichte und Gegenwart politischer Utopien

Seminar (B/BA: Stufu, MTheol KaTh)

Blockveranstaltung:
Einleitungsvorlesung in Jena 03.11.2015, 18.20 Uhr
Blockvorlesung in Weimar 13.11.2015, 18-20 Uhr
Blockvorlesung in Weimar 14.-15.11.2015, jeweils 10-20 Uhr
Nachbereitung in Jena 17.11.2015, 18-20 Uhr

Die Anmeldung erfolgt über das zentrale Verteilungsverfahren. Hinweise unter www.uni-erfurt.de/stufu/aktuelles. Eine Kooperationsveranstaltung mit der Universität Jena und dem Weimarer Rendez-vous mit der Geschichte. Kern der Veranstaltung ist das diesjährige „Weimarer Rendezvous mit der Geschichte“ zum Thema "Wohin? Zukunftsvisionen gestern und heute, das vom 13. bis 15. November in Weimar stattfindet.

Es wird erwartet, daß sich die Studierenden aus dem Angebot selbständig und nach Rücksprache mit den Dozenten mind. 8 Vorträge, Podiumsdiskussionen und andere Veranstaltungen heraussuchen. Der Besuch der Veranstaltungen wird in Weimar quittiert werden und ist hinterher nachzuweisen. Zusätzlich zu dem Weimarer Wochenende wird die Vorlesung mit zwei einführenden Sitzungen vorbereitet und mit einer weiteren nachbereitet.

Gegenstand des diesjährigen Geschichtsfestivals sind Zukunftsvorstellungen in der Geschichte. Wie malten sich die Menschen zu unterschiedlichen Zeiten ihre Zukunft aus? Was waren Anlässe für Optimismus und Hoffnung, welche für Pessimismus und Furcht? Es werden also nicht nur politische Utopien und Dystopien thematisiert, sondern auch alltägliche Umgangsweisen mit dem Zukünftigen sowie neben politikwissenschaftlichen, auch sozial- und kulturgeschichtliche Zugänge zum Thema.

Nähere Informationen finden Sie unter: www.weimarer-rendezvous.de Anmeldung: bis spätestens 16.10. per Email an susanne.rau[at]uni-erfurt.de

Literatur

Ferdinand Seibt: Utopica. Zukunftsvisionen aus der Vergangenheit, 2001; Wilhelm Voßkamp (Hg.): Utopieforschung, 3 Bde. 1985 etc.; Lucian Hölscher: Die Entdeckung der Zukunft, 1999.

Ko-6/9: Kolloquium zu laufenden Abschluss- und Qualifikationsarbeiten in der Neueren Geschichte

Mi 18:00-20:00, LG 4/D04

Beginn: 14.10.

Das Kolloquium bietet Gelegenheit zur Präsentation und Diskussion Ihrer laufenden Forschungsarbeiten. In einzelnen Sitzungen werden wir Vorträge auswärtiger Gastreferenten hören und diskutieren. Bitte melden Sie spätestens in der ersten Semesterwoche (per Email) Ihr Interesse an Teilnahme (mit oder auch ohne Scheinerwerb) an. 

Programm

SSE: Selbststudieneinheit zur Geschichte und Anthropologie des Raums

nach Vereinbarung

Lehrveranstaltungen des Lehrstuhls

Dr. Evelyn Korsch

S-6/9: Auf den Spuren der Diamanten. Wissenstransfer und kultureller Austausch zwischen Europa und Asien (1500-1800)

(M Ges: M13, M15, M16 / M SWK: M04 / MA Ges: M03, M04,M05)

Blockveranstaltung:
Fr, 23.10.2015, 12-18, LG I/124           Sa, 24.10.2015, 10-14, LG IV/D07
Fr, 08.01.2016, 16-20, LG IV/D07        Sa, 09.01.2016, 10-18, LG 4/D07
Fr, 22.01.2016, 16-18, LG IV/D05        Sa, 23.01.2016, 10-18, LG IV/D05

Zur Vorbereitung werden Interessenten gebeten, sich bis 16.10.2015 per Mail bei Dr. Evelyn Korsch zu melden: evelyn.korsch@uni-erfurt.de.

Bis zum ersten Fund von Diamanten in Brasilien im Jahr 1728 waren die Golconda-Minen in Indien die einzigen Zulieferer für den Diamantenhandel. Dieser fand über die Handelsplätze Madras und Surat statt, bevor die Steine ihren Weg nach Europa nahmen. Dort wurden rohe und bearbeitete Exemplare vorrangig in Venedig, Amsterdam und Antwerpen gehandelt. Später übernahm auch London eine wichtige Rolle. Der Diamantenhandel wurde weitgehend von Kaufleuten, die einer Diaspora angehörten, durchgeführt. Es handelte sich um Juden, Armenier und Hugenotten, die nicht nur konkurrierten, sondern auch profitorientiert kooperierten. Folgt man den Spuren dieser Netzwerke lassen sich die globalen Strukturen des Diamantenhandels ermitteln.

Wir erfahren, welche Akteure daran beteiligt waren, welche Objekte gehandelt wurden, welche speziellen Kenntnisse und Praktiken dafür erforderlich waren und wie Fachwissen sowie kulturelle Praktiken zwischen den Kontinenten transferiert wurden.

Anhand von Reiseberichten, welche die Erfahrungen auf den Handelsreisen beschreiben, lassen sich zudem Aussagen zur Wahrnehmung der fremden Länder und Bevölkerung machen. Im Laufe der Frühen Neuzeit erweiterte sich der „Horizont“ nicht nur geographisch, sondern vor allem auch mental (sog. „mental mapping“).

Diese Entwicklung soll mit Hilfe von Quellenmaterial aufgezeigt werden: neben Schriften von Diamantenhändlern wie Gasparo Balbi, Jean Chardin und Jean-Baptiste Tavernier auch solche anderer „neugieriger“ Reisender wie Duarte Barbosa, Francesco Carletti, Leonhart Rauwolf oder Pietro Della Valle.

Dr. Dr. Igor Sosa Mayor

Menschen, Objekte, Ideen unterwegs: Die Grand Tour in der Frühneuzeit

Seminar-6/9 (B: E08, EXX, W08, WXX / BA: E06, E09, W05, W08, W09)

Blockveranstaltung:
Fr, 16.10.2015, 14-17, IV/D08            Sa, 17.10.2015, 09-12, IV/D08
Fr, 20.11.2015, 14-17, IV/D05            Sa, 21.11.2015, 09-12, IV/D05
Fr, 11.12.2015, 14-17, IV/D05            Sa, 12.12.2015, 09-12, IV/D05
Fr, 15.01.2016, 14-17, IV/D05            Sa, 16.01.2016, 09-12, IV/D05
Fr, 29.01.2016, 14-17, IV/D05            Sa, 30.01.2016, 09-12, IV/D05


In Zeiten der Globalisierung sind wir gewohnt, dass Menschen, Objekte und Ideen über die ganze Welt reisen. Dennoch sind kultur- und sozialhistorisch das Reisen und seine Erscheinungen keine Selbstverständlichkeit. Fragen wie warum man überhaupt eine Reise eintritt, was oder wen man besucht, wie man dorthin reist, wie man kulturelle Vielfalt erlebt und verarbeitet, welche Objekte man mitnimmt, welche Ideen man auf der Reise modifiziert, usw. unterliegen historischen Variationen. Die Frühneuzeit ist eine Zeit erhöhter Mobilität, die sich zudem in tiefgreifenden Veränderungen der Reiseformen manifestierte. Das Reisen entwickelte sich zu einer äußerst komplexen kulturellen Praktik.

Das Seminar setzt sich zum Ziel, die mannigfaltigen Erscheinungsformen des Reisens in der Frühneuzeit zu analysieren, indem sie in weitere soziopolitische und wirtschaftliche Kontexte eingebettet werden, wie die Entwicklung des Sammelwesens, die Entstehung des frühmodernen Hofes (Grand Tour), die Erforschung neuer geographischer Räume, die Herausbildung neuer Formen der Wissens- und Bildungsaneignung, die Entstehung regionaler und protonationaler Identitäten, das Aufkommen neuer Formen des religiösen Reisens, usw. 

Literatur

Bender, Eva. Die Prinzenreise: Bildungsaufenthalt und Kavalierstour im höfischen Kontext gegen Ende des 17. Jahrhunderts. 1. Aufl. Schriften zur Residenzkultur. - Berlin?: Lukas-Verl, 2011.

Hornsby, Clare, Hrsg. The impact of Italy: the Grand Tour and beyond. London: The British School at Rome, 2000.

Leibetseder, Mathis. Die Kavalierstour: adlige Erziehungsreisen im 17. und 18. Jahrhundert. - Köln?: Böhlau. 2004.

North, Michael, Hrsg. Kultureller Austausch: Bilanz und Perspektiven der Frühneuzeitforschung?; Köln [u.a.]: Böhlau, 2009.

Roll, Christine, Hrsg. Grenzen und Grenzüberschreitungen: Bilanz und Perspektiven der Frühneuzeitforschung. e.V., 2010.

Treue, Wolfgang, Abenteuer und Anerkennung : Reisende und Gereiste in Spätmittelalter und Frühneuzeit (1400-1700), Padeborn, 2014.

Dr. des. Riccarda Suitner

(B: E05 / BA: E03, E06, W03, W04)
Montag, 16-18 Uhr, LG IV/D03

Die Teilnehmerzahl ist auf 30 begrenzt. Wer am Seminar teilnehmen möchte, melde sich bitte (bis zum 11.10.) im Metacoon-Kursraum mit dem Titel >Traktat über die drei Betrüger< an [http://www.uni-erfurt.de/e-learning/]. 

Schon seit dem Mittelalter war eine Legende bezüglich der Existenz eines blasphemischen Buches verbreitet, in dem die Stifter der drei monotheistischen Religionen – Moses, Jesus, Mohammed – angeklagt wurden, ihre Anhänger betrogen sowie ihre Macht und ihr Verhältnis zu Gott vorgetäuscht zu haben. Im Laufe der Jahrhunderte sind zahlreiche Hypothesen bezüglich der Verfasserschaft des Traktates aufgestellt worden: Averroes, Friedrich II., Machiavelli, Hobbes und Spinoza sind nur einige der Autoren, welche in Frage gekommen sind. Das Buch galt jedoch bis zum Jahr 1719 als verschollen, als ein Traktat „über die drei Betrüger“ anonym und in französischer Sprache (mit dem Titel Traité des trois imposteurs) erschien. Das in ganz Europa von dem plötzlichen und geheimnisvollen Auftauchen des Textes verursachte Staunen war enorm.

Das Seminar wird der Lektüre (in deutscher Übersetzung) dieses Textes sowie der Diskussion von Fragen gewidmet werden, die in der aktuellen Forschung nur partiell beantwortet worden sind: Wer ist der Verfasser? Wann und aus welchem Grund ist das Pamphlet verfasst worden? Der Traktat über die drei Betrüger ist eigentlich kein mittelalterlicher Text, sondern einer der bedeutendsten Texte der europäischen Aufklärung. Seine philosophischen, politischen und vor allem theologischen Thesen spiegeln die Theorien des 18. Jahrhunderts in ihrer radikalsten Form wider und machen ihn zu einem der ersten atheistischen Texte überhaupt. Das Seminar wird deshalb auch eine Einleitung zur Geschichte des Atheismus, zur Verbreitung von verbotener Literatur in der frühen Neuzeit und zur theologischen Debatte im Zeitalter der Aufklärung bieten. 

Literatur

Anonymus, Traktat über die drei Betrüger, hg. von Winfried Schröder, Hamburg 1992.