Pflanzen, Karten, Amulette. Wissensdinge der Palästinaforschung 1877-1929

Der Nahe Osten war seit dem 19. Jahrhundert Gegenstand kolonialer Projekte und theologischer Forschung. Welche Vorstellungen über Umwelt, Raum und Kulturgeschichte begründeten wissenschaftliche Sammlungen und Karten der Region? Stand die Aussicht auf eine zukünftige deutsche Kolonie oder die Projektion auf ein Land der Bibel im Mittelpunkt der Erzählung der zusammengestellten Belege? Wie knüpften zionistische Forschende an die christliche Palästinaforschung an?

Auf Grundlage von Objektüberlieferungen und Karten entwirft die Untersuchung einen anderen Blick auf die deutsche Palästinaforschung, sie zeigt, dass am Ende des 19. Jahrhunderts naturwissenschaftliche Forschungen biblische Raumvorstellungen verdrängten. Ein biblischer Orientalismus, der Palästina als Urlandschaft der Bibel wahrnahm, diente als Gegenerzählung zu kolonialer Modernisierung durch Eisenbahnen und intensive Landwirtschaft.

Im Zionismus wurden Karten und Sammlungen je nach politischer Einstellung aufgegriffen. Während der Zionistische Weltbund 1913 die Karten Heinrich Kieperts übersetzte, benutzte der Revisionist Ze’ev Jabotinsky 1925 die Karten des Verlags Wagner und Debes in Leipzig als Vorlage für seinen Hebräischen Atlas. Revisionisten, nationalreligiöse und linke Zionisten nutzen Karten der Palästinaforschung, legten sie aber unterschiedlich aus und begründeten unterschiedliche Raumvorstellungen.

Durch den Blick auf bisher wenig untersuchte Quellen werden Wendungen und Diskursverschiebungen in der Wissensgeschichte der Palästinaforschung sichtbar.

Bild: Karl v. Raumer, Friedrich v. Stülpnagel: Palästina, 3. Aufl., Gotha 1853–1862 © Sammlung Perthes.

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Doktorand
(Forschungskolleg Transkulturelle Studien / Sammlung Perthes)