Tiere handeln. Mensch-Tier-Verhältnisse zwischen dem Horn von Afrika, Deutschland und der Welt

Lebende Elefanten, Giraffen, Strauße und Dromedare, Antilopengeweihe und andere Jagtrophäen ebenso wie die Bälge in Europa unbekannter Schakale – die Liste der Tiere, die im 19. Jahrhundert global gehandelt wurden, war lang. Neben den zahlreichen Tieren waren auch ganz unterschiedliche Menschen in diesem Unternehmen involviert, das auf globale und lokale Verbindungen ebenso zurückgriff wie diese auch verfestigte und hervorbrachte. Anhand des Tierhandels um 1900 lassen sich daher die komplexen Verhältnisse und vielfältigen Verflechtungen sowohl zwischen dem Horn von Afrika, dem Kaiserreich und anderen Weltteilen als auch zwischen Menschen und Tieren untersuchen.

Methodisch soll dabei das im Rahmen der Postcolonial Studies entwickelte Konzept einer Verflechtungsgeschichte den Anregungen aus den Human-Animal-Studies folgend um die Kategorie Spezies erweitert werden. Damit wird die Geschichte des Tierhandels als doppelt verflochtene Geschichte gedacht, in der nicht nur koloniale Metropole und Peripherie, sondern auch Tiere und Menschen auf einer Analyseebene betrachtet werden können.

Gewählt wird ein mikrogeschichtlicher Zugriff um den Tierhändler Josef Menges (1850-1910), wodurch das Projekt transimperiale Verbindungen aufzeigen und den Fokus auf soziale Praktiken legen kann. Die gewählten Quellen erlauben es, die Verflechtungen deutlich hervorheben und somit struktur- als auch akteurszentrierte Studien zu verbinden. Im Zentrum stehen dabei die relationalen Verbindungen der unterschiedlichen Akteure und Tiere.

Der Tierhandel um 1900 als Produkt enger Beziehungen zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Unterhaltung, aber auch Macht und Gewalt sowohl gegenüber Tieren als auch Menschen schuf Anlässe, in denen Spezies aufeinandertrafen; er wirkte als Motor für Wandlungs- und Transformationsprozesse von Tier-Mensch-Verhältnissen. Dementsprechend geht es darum, Qualitäten unterschiedlicher gesellschaftlicher Praktiken mit Tieren in ihren jeweiligen Kontexten präziser zu erfassen und zu diskutieren. Indem untersucht wird, wie ein Tier zum „Handelsgut“, „Zootier“, „Museumsobjekt“ oder etwa „Kriegstier“ wurde, können soziokulturelle und geschichtliche Entwicklungen analysiert werden. Gerade auch, weil diese Verhältnisse von vielfältigen Machtasymmetrien geprägt waren, sollen tierliche Perspektive und ihr Beitrag miteinbezogen werden. Tier-Mensch-Verhältnisse und gerade die Transformationen derselben erlauben dabei intime Einblicke in menschliche Gesellschaften und Ordnungsmechanismen, Fantasien, Vorstellungen und Gewaltregime in einer unter kolonialen Vorzeichen verflochtenen Welt.

Bild: „Ausladung einer Sendung afrikanischer Thiere aus dem Schiffe „Urano“ in Triest. Nach der Natur aufgenommen von H. Leutemann.“ In: Die Gartenlaube, 1874.

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Doktorandin
(Forschungskolleg Transkulturelle Studien / Sammlung Perthes)
Forschungskolleg Transkulturelle Studien / Sammlung Perthes (Schloss Friedenstein, Pagenhaus) / Raum 0.04