Dr. des. Sandra Neugärtner

sandra.neugaertner@uni-erfurt.de

Wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Projekt "Lena Meyer-Bergners sozial-transformativer Moderne-Begriff in den globalen gesellschaftlichen Umbrüchen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts" (Seminar für Medien- und Kommunikationswissenschaft)

Besucheranschrift

Campus
Nordhäuser Str. 63
99089 Erfurt

Postanschrift

Universität Erfurt
Philosophische Fakultät
Seminar für Medien- und Kommunikationswissenschaft
Postfach 90 02 21
99105 Erfurt

Dr. des. Sandra Neugärtner

Lebenslauf

Kurzvita

  • Seit Januar 2021: Leitung eines DFG-Projekts auf Eigener Stelle
  • 2019:  Promotion zum Dr. phil. mit einer Dissertation zu „Das Fotogramm bei Moholy-Nagy als pädagogisches Medium. Von den optischen Künsten zu den optischen Medien“
  • 2017 bis 2018: Visiting Fellow an der Graduate School of Arts and Science, Harvard University, Department History of Art and Architecture (Cambridge/MA, USA)
  • Studium des Design, der Volkswirtschaftslehre, der Kunstgeschichte und der Kulturwissenschaften an der Hochschule Anhalt, der Humboldt-Universität zu Berlin und der Zürcher Hochschule der Künste
  • Förderung durch die Landesgraduiertenförderung Thüringen (2016-2019), den Deutschen Akademischen Austauschdienst (2017-2018), das Thüringer Programm zur Förderung von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchskünstlerinnen (2020)

Mitgliedschaften

  • Verband Deutscher Kunsthistoriker

Forschung

Forschungsschwerpunkte

  • Geschichte der Kunst seit 1900
  • Praktiken und Theorie der Avantgarden
  • Kunst und Technik
  • Kritik des Modernismus   

Forschungskonzept

Mein Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich der Geschichte der Kunst im 20. Jahrhundert in verschiedenen geopolitischen Kontexten – von der Geschichte der künstlerischen Avantgarde und der Moderne in westlichen Industriestaaten bis zur Kunst in kollektivierten Volkswirtschaften und postkolonialen Nationalstaaten mit indigenen Kulturen. Dabei interessieren mich besonders die gesellschaftspolitisch bedingten Dynamiken bei der Herausbildung künstlerischer Strategien – angefangen bei den Prozessen des Transfers und der Aneignung künstlerischer Praktiken im Kontext der Exilbewegungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts über die Diskurse der Antagonismen des Kalten Krieges bis zu den kulturellen Kräften des Widerstands gegen die „Universalien“ der westlichen Moderne nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Hier geht es mir um einen kritischen Blickwinkel auf die Forderungen nach einer Vereinheitlichung der Kunst und Revision ihrer Geschichte, die mit der Abkehr von den euroamerikanischen Modellen zusammenfallen.

Ein wichtiger Schwerpunkt meiner Forschung liegt zudem auf der Theorie und Geschichte der Fotografie im Spiegel des Übergangs der optischen Künste zu den optischen Medien im Zusammenhang mit dem Aufkommen der Massenmedien und der Massenkunst als entscheidende neue Determinante der Kunst des 20. Jahrhunderts. Auch hier stehen die Wechselwirkungen von Kunst und Gesellschaft im Vordergrund meiner Forschung, konkret die kulturellen, politischen und institutionellen Voraussetzungen der Kunst-Produktion und -Rezeption. Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Thema der Materialismen der Kunst und der Medienspezifität in Relation zur Geschichte der Institution und zur Geschlechtergeschichte.

Forschungsprojekte

Laufende Projekte

DFG-Projekt

Lena Meyer-Bergners sozial-transformativer Moderne-Begriff in den globalen gesellschaftlichen Umbrüchen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Das zentrale Ziel des geplanten Projekts besteht darin, am Beispiel von Lena Meyer-Bergner (1906–1981) einen Begriff der künstlerischen „Moderne“ zu erarbeiten, der konträre gesellschaftliche und politische Ideen, Konzepte und Prozesse berücksichtigt. Bergner absolvierte von 1927 bis 1929 eine Ausbildung in der Webereiwerkstatt am Bauhaus in Dessau. Eine Besonderheit ihres Studiums war dessen Ausweitung auf die Reklamewerkstatt und auf technische Fächer. 1931 ging sie in die UdSSR, wo Hannes Meyer, den Bergner im Laufe des Jahres heiratete, die pro-sowjetische Gruppe ehemaliger Bauhäusler anführte. Meyer-Bergner arbeitete als leitende Textildesignerin in einer Moskauer Möbelstofffabrik. 1936 ging sie mit Meyer in die Schweiz, wo sie sich an vollkommen neue berufliche und politische Bedingungen anpasste. 1939 folgte sie Meyer nach Mexiko, um am neu gegründeten "Instituto de Urbanismo y Planificación" die Leitung des Textilinstituts zu übernehmen und eine Webschule für die Otomí, eine indigene Ethnie Mexikos, zu etablieren. In Zusammenarbeit mit Meyer wirkte sie im Grafik- und Ausstellungsbereich, um staatliche Bildungsprogramme voranzutreiben und beteiligte sich – eingebunden in das Netzwerk europäischer Exilanten – am internationalen Kampf gegen den Faschismus. Abgrenzend zur Gruppe deutschsprachiger Kommunisten propagierte sie mit Meyer den sozialistischen Aufbau und die Kulturentwicklung nach sowjetischem Vorbild. Das hatte berufliche Konsequenzen nach der Rückkehr in die Schweiz im Jahr 1949.

Das Projekt widmet sich der Frage, wie sich Meyer-Bergners Kunst-Begriff in Abhängigkeit von verschiedenen gesellschaftspolitischen Entwicklungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts herausbildete. Ihre Bemühungen, den kollektiven sozialen Wandel mit ihrer Herangehensweise an Gestaltung zu verbinden, werden für ihre verschiedenen Schaffensphasen kritisch untersucht. Dabei geht es um eine differenzierte Ergründung ihrer künstlerischen Position, die nicht unumstritten ist. Durchleuchtet werden soll die Gesellschaftsbedingtheit ihres Schaffens im Zusammenhang mit ihrem transdisziplinären Gestaltungszugang, der auf Austauschprozessen zwischen Weben und Grafik und Begegnungen mit der Volkskunst basiert.

Publikationen

Monographien

  • bevorstehend: Statt Farbe: Licht. Das Fotogramm bei Moholy-Nagy als pädagogisches Medium, Gebr. Mann Verlag Berlin.

Aufsätze in wissenschaftlichen Fachzeitschriften (peer reviewed)

  • 2020 „Die Sozialisierung des Wissens und das Streben nach Deutungsmacht: Lena Bergners Transfer der Isotype nach Mexiko“, in: bauhaus imaginista: Online Journal, Edition 2, Learning From, URL: www.bauhaus-imaginista.org/articles/6856/die-sozialisierung-des-wissens-und-das-streben-nach-deutungsmacht (14.12.2020).
  • 2019 „Utopias of a New Society: Lucia Moholy, László Moholy-Nagy, and the Loheland and Schwarzerden Women’s Communes”, in Bauhaus Bodies: Gender, Sexuality, and Body Culture in Modernism’s Legendary Art School, Elizabeth Otto & Patrick Rössler, New York: Bloomsbury Academic, 73-100.
  • 2018 „Verwobene Praktiken”: Ausstellungsrezension zu ‚Anni Albers‘ in der Tate London u. Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, in: Texte zur Kunst, Jg. 28, Nr. 111 (September): 218-221.

Vorträge

Vorträge

  • 1.11.2019: „Lena Meyer-Bergner’s conception of modernism between graphics and weaving, between folk art and technology”, Konferenz „My Bauhaus: Transmedial Encounters“ (31.10. – 2.11.2019), Yale University, New Haven (CT/USA).
  • 6.6.2018: „Fotogramm und Faktur“, Designforum 159, Hochschule Anhalt, Dessau.